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Praktikum im Studium

Erasmus-Mythos

An meiner Uni gab es diesen Erasmus-Mythos: Wer für ein Semester ins europäische Ausland ging, der möchte vor allem Party machen, hieß es oft. Als ich nach dem Abi einen Freiwilligendienst in Spanien gemacht habe, meinte mein spanischer Mentor, dass das nicht stimmen muss: Er hatte zuvor ein Semester in Portugal studiert und hatte entgegen des Klischees fast nur Zeit mit Einheimischen verbracht und war mehr seinem Hobby, dem Klettern, nachgegangen als dem Feiern.
In meiner Zeit auf Zypern mache ich ein Praktikum und studiere nicht. Erasmusförderung bekomme ich trotzdem: Die EU unterstützt mich also mit einem Beitrag, der zwar nicht meine Lebenshaltungskosten deckt, aber zumindest dabei hilft. Ansonsten habe ich von Erasmus in Nikosia zunächst wenig mitbekommen. Während meines Freiwilligendienstes wurden zum Beispiel auch Seminare für uns organisiert. Für Praktikanten gibt es so etwas nicht.
Als ich dann doch etwas von Erasmus gehört habe, ging es ausgerechnet um Sushi: Eine Bar in Nikosia hatte sich nämlich einen Trick einfallen lassen, um die vielen Austauschstudierenden in der Stadt anzulocken. Donnerstags gab es offiziell eine Karaokeparty. Inoffiziell sprach sich unter Erasmusstudierenden – und auch unter meinen Mitbewohnern – schnell herum, dass es vor der Karaokeparty ein kostenloses Sushi-Buffet gibt. Bis heute habe ich keine Ahnung, wie dieses Geschäftsmodell funktioniert: Sonderlich hat uns die Bar nicht gefallen und wenn nicht gerade Donnerstag ist, gehen wir dort nicht hin. Das Sushi ist aber echt lecker!
Ansonsten lebe ich diesen Erasmus-Mythos nicht sonderlich: Meine Mitbewohner und ich gehen ab und zu feiern, aber nicht mehr als andere. An den Wochenenden reisen wir viel, da stimmt das Klischee dann wohl doch. Sonst genieße ich einfach, neben dem Praktikum viel Zeit für das zu haben, worauf ich spontan Lust habe: Direkt an meinem ersten Tag habe ich zum Beispiel bei einem Yogastudio nachgefragt, ob sie auch auf Englisch unterrichten. Das hat geklappt: Seitdem gehe ich fast täglich dorthin. Yoga entspricht zwar nicht ganz dem Erasmus-Mythos, der früher an meiner Uni die Runde machte, bereitet mir aber viel Spaß!

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Sep 17, 2019
Autor: Marie
Rubrik: studium
Sep 17, 2019

Praktikum im Studium

Frühstück auf dem Dach

„Wollen wir hochgehen zum Frühstücken?“, fragte mich meine Mitbewohnerin an meinem ersten Dienstag auf Zypern. Wir waren beide aufgestanden, um zur Arbeit zu gehen, und hatten uns zufällig in der Küche getroffen. Dort hatten wir Brote mit Hummus bestrichen und ich hatte mich gerade an unseren Esstisch gesetzt. Da war ich doch etwas verwirrt: Wollte sie lieber alleine in ihrem Zimmer essen?
Fehlanzeige: Was mir vorher noch gar nicht aufgefallen war, war, dass man von unseren Zimmern aus über den Balkon auf das Dach unseres Hauses klettern konnte. Seitdem sitzen wir dort Morgen für Morgen, erzählen, was am Tag zuvor passiert ist, und frühstücken. An manchen Tagen ist es morgens schon so warm und die Sonne scheint so grell, dass ich befürchte, mir schon beim Frühstück einen Sonnenbrand zu holen. Richtig schön ist es aber trotzdem.
Für mein Praktikum auf Zypern bin ich in eine WG gezogen. Damit habe ich richtig Glück gehabt: Wir sind eine recht bunte Mischung! Clara ist bereits seit einem knappen Jahr hier und kommt aus Schweden. Sie hat erst ein Praktikum in Nikosia gemacht, dann ein Jobangebot bekommen und ist kurzerhand geblieben. Marine kommt aus Frankreich, wohnt bereits seit acht Jahren auf Zypern, ist aber erst kurz vor mir in unser Haus gezogen. Sie hat Literaturwissenschaft studiert und promoviert an einer zyprischen Uni. Dann ist da noch Tommy aus Belgien, der ein Praktikum in einem Begegnungszentrum in der UN-Pufferzone macht. Er geht in wenigen Wochen und seine Nachfolgerin ist bereits ins Gästezimmer gezogen: Iris kommt aus den Niederlanden und wird zuerst ein Praktikum in einem Museum in Nikosia machen und anschließend hier ihre Masterarbeit für die Uni schreiben.
Ich finde diese Mischung super spannend! Wir sind alle nicht auf Zypern aufgewachsen und haben Lust, die Stadt und das Land zu erkunden: Gerade seitdem sich Clara ein Auto gekauft hat, wird uns nicht mehr langweilig!

Autor: Marie  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 10, 2019

Praktikum im Studium

Was ist auf Zypern los?

Es ist nicht ganz einfach, die Geschichte Zyperns zu erzählen. Die beiden größten Volksgruppen, die heute auf der Insel leben, sind die griechischen Zyprioten und die türkischen Zyprioten. Seit einigen Jahrzehnten stehen sie im Konflikt zueinander: Die Vereinten Nationen entsenden daher seit 1964 Soldaten aus verschiedenen Ländern nach Zypern, um den dortigen Waffenstillstand zu bewachen. Die sogenannte „Friedenstruppe der Vereinten Nationen in Zypern“ ist nach der Friedensmission in Indien und Pakistan sowie der in Israel und Palästina die, deren Einsatz unter den laufenden Missionen schon am drittlängsten andauert, weil der Konflikt nicht gelöst werden kann. Durch ihn gerät man auch schnell in Gefahr, die Geschichte der Insel auf eine Art und Weise zu erzählen, mit der sich eine der beiden Gruppen hintergangen führt. Stattdessen werde ich beschreiben, wie ich Zypern und insbesondere die Hauptstadt Nikosia heute erlebe: Die UN-Pufferzone, die von jenen UN-Soldaten bewacht wird, zieht sich quer durch die Insel und auch quer durch die Altstadt Nikosias, in deren Süden ich wohne.
Nördlich von der UN-Pufferzone wohnen vor allem türkische Zyprioten. Nachdem die Insel geteilt wurde, wurde dort die „Türkische Republik Nordzypern“ ausgerufen. Diese wird nur von der Türkei anerkannt: Das bedeutet, dass nur die Türkei öffentlich sagt, dass es sich dabei wirklich um einen eigenen Staat handelt. Südlich von der UN-Pufferzone wohnen vor allem griechische Zyprioten. Die Republik Zypern, die daher auch nur das Gebiet südlich von der Trennlinie kontrollieren kann, ist inzwischen auch Mitglied der Europäischen Union.
Die Meinungen im Süden sind unterschiedlich: Einige glauben, dass nur das Anerkennen der nördlichen Regionen als eigener Staat der Insel Frieden bringen kann. Viele sind aber strikt dagegen. An einer Haustür einige Meter von meiner entfernt hängt ein Plakat, das dazu aufruft, eben nicht von der „Türkischen Republik Nordzypern“, sondern von „durch die türkische Armee besetzten Gebiete“ zu sprechen.
All das klingt nach komplizierter Politik, aber es hat auch Auswirkungen auf meinen Alltag: Knapp zwanzig Meter Luftlinie nördlich von meinem Haus liegt ein Café, in das ich gerne mit Freunden gehe. Ohne die UN-Pufferzone wäre ich ziemlich schnell dort. Weil ich durch sie aber erst zum nächsten Checkpoint laufen und dort auf beiden Seiten meinen Ausweis vorlegen muss, um die Pufferzone durchqueren zu können, dauert der Fußweg eine knappe halbe Stunde. Da wird mir jedes Mal bewusst, welche Bedeutung Grenzen doch haben.

Autor: Marie  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 4, 2019