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Dancing with the Stars

Porträt von Anna

Autor:
Anna

Rubrik:
orientieren

30.03.2024

Meine Gastfamilie in Irland liebt Reality-TV-Shows. Meine Eltern daheim und auch ich haben eigentlich überhaupt nichts aus diesem Genre geschaut. Jetzt, da Reality-TV jedoch ein wesentlicher Bestandteil meines Abendprogramms geworden ist, kann ich verstehen, was man diesem Format abgewinnen kann.

Auch die Kinder meiner Gastfamilie lieben solche Fernsehshows. Im Moment läuft „Dancing with the Stars“. Jeden Montag sitzen wir nun gemeinsam im Wohnzimmer und schauen uns die Sendung an. Meine Gastmutter macht dann für jeden „Snackbowls“, meistens eine Mischung aus Schokolade, Gummibärchen und Chips. Die beiden ältesten Mädchen sind neun und elf Jahre alt, sie bewerten die Tänze immer sehr professionell (eindeutig professioneller als ich: die Qualität der Teilnehmer*innen mache ich normalerweise an deren Kostümauswahl fest) und fiebern total für ihre Favorit*innen mit, das ist immer sehr süß anzuschauen. Ab einem bestimmten Punkt ist die kleinere Schwester, sie ist erst vier Jahre alt, von dem Programm gelangweilt. Sie fängt dann immer an, selbst vor dem Fernseher zu tanzen, den Ententanz kann sie am besten. Ihre beiden älteren Schwestern sind dann meistens genervt, weil sie natürlich im Weg steht und die Sicht versperrt (was sie in 99 Prozent der Fälle extra macht). Manchmal fangen sie dann aber auch an zu tanzen, wobei sie im Gegensatz zu der Vierjährigen tatsächlich versuchen, die Performances aus dem Fernseher eins zu eins zu kopieren. Normalerweise verpassen sie dabei den halben Tanz, weil sie sich darüber streiten, wer die Rolle des Mannes übernehmen muss. Oder sie machen eine eigene Performance und meine Gasteltern und ich müssen die Gewinnerin bestimmen.

Ich finde diese kleine Tradition sehr schön. Tagsüber ist meine Gastfamilie immer ziemlich beschäftigt, jeder sieht jeden immer nur kurz, man hat fast keine Zeit für gemeinsame Aktionen. Das macht dann das Abendprogramm zusammen umso besonderer. Das ist etwas, auf das die Mädchen, wenn sie auch irgendwann achtzehn sind und woanders wohnen, immer gerne zurückblicken können. Ich wünsche jedem, dass er so etwas hat: kleine Traditionen, die sich nicht besonders anhören, aber für immer einen Platz im Herzen haben werden und die man in Erinnerung behält.