Moderne Ausstattung, gute Betreuung
Von der Kulturstadt Dresden über die Leipziger Buchmesse bis hin zum Ostseestrand - die Bundesländer im Osten haben viel zu bieten. Das gilt auch in Sachen Studium: 44 Hochschulen gibt es im Osten der Republik. Sie erheben keine Studiengebühren und sind meistens gut ausgestattet.
Die Bundesländer im Osten haben viel zu bieten: Naherholung am Ostseestrand zum Beispiel
Foto: Wilmy CC
Johannes Eiswirth hat sich bewusst für ein Studium an einer ostdeutschen Hochschule entschieden. Der Student aus dem Saarland hat zuvor an der Fachhochschule Saarbrücken den Bachelor in Maschinenbau gemacht. Jetzt studiert er das Fach im Masterstudiengang an der Technischen Universität
Ilmenau. „Mir war es sehr wichtig, an eine kleine Hochschule zu gehen, in der die Betreuung gut ist“, beschreibt er seine Motive. An der thüringischen Universität sind etwa 6.500 Studierende eingeschrieben. Durch den Ortswechsel bekommt er außerdem neue Einblicke: „Der Studiengang wird immer auch davon geprägt, welche Industriebetriebe in der Region vorhanden sind. In Saarbrücken ist das vor allem die Autoindustrie, in Ilmenau spielt Optik eine wichtige Rolle.“ Seine Entscheidung, nach Ilmenau zu gehen, hat Johannes Eiswirth nicht bereut. „Die Leute sind nett, es passt alles prima“, sagt er. Mittlerweile ist er im dritten Semester und beginnt bald mit seiner Masterarbeit.
Das Hochschul- und Studienspektrum in den fünf östlichen Bundesländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist genauso breit gefächert wie im Westen und verfügt zum Teil über eine lange Tradition. Das bestätigt Dr. Burkhard Venz, Leiter des Hochschulteams der Agentur für Arbeit in Leipzig: „Die Universität Leipzig beispielsweise ist die zweitälteste Hochschule in Deutschland. Ähnlich wie Heidelberg verfügt sie über ein ausgeprägtes geisteswissenschaftliches Profil.“ Daneben gibt es auch eine Reihe bundesweit einmaliger Studienmöglichkeiten: An der Fachhochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde etwa haben sich alle sechzehn Studiengänge dem nachhaltigen Wirtschaften verpflichtet. Einzigartig sind auch die Masterstudiengänge „Angewandte Sexualwissenschaften“ an der Hochschule Merseburg und „World Heritage Studies“ an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU), der sich mit Erhalt, Erschließung und Schutz des Welterbes befasst.
Gute Ausstattung bescheinigt
Wie eine Sonderauswertung aus dem Hochschulranking 2010 des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) und der ZEIT belegt, schlagen die ostdeutschen Hochschulen alle anderen in punkto Ausstattung. Befragt wurden rund 150.000 Studierende aus allen Bundesländern. Diese bewerteten die Bibliotheken, Räume, Labore sowie die IT-Infrastruktur. Ausgezählt wurde, wie oft die Fachbereiche des jeweiligen Bundeslandes bei den verschiedenen Kriterien überdurchschnittlich gut bewertet wurden und damit beim Ranking in die Spitzengruppe gelangten. In Thüringen, dem Spitzenreiter, waren 55 Prozent der Bewertungen zur Ausstattung sehr gut, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.
Auch in Bezug auf bestimmte Studiengänge punkten die ostdeutschen Hochschulen. Die Europa-Universität Viadrina schnitt beim CHE-Ranking zum Beispiel besonders gut im Fach Jura ab. Bezogen auf die gesamte Studiensituation, die Betreuung und die Laborausstattung sind die TU Ilmenau, die BTU Cottbus sowie die Uni Magdeburg führend im Studiengang Maschinenbau.
Bei der Forschungsqualität ist ebenfalls Erfreuliches zu vermelden: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligte im Jahr 2009 insgesamt 258 Graduiertenkollegs und 262 Sonderforschungsbereiche. Davon entfielen 56 beziehungsweise 48 auf ostdeutsche Hochschulen inklusive Berlin. „Insbesondere die Sonderforschungsbereiche sind ein Gütesiegel für die inhaltliche Forschungstätigkeit einer Hochschule. Sie stellen einen Beleg für die Leistungsfähigkeit der Hochschule in diesem Bereich dar“, erklärt Marco Finetti, der Sprecher der DFG. In den Graduiertenkollegs werde der wissenschaftliche Nachwuchs ausgebildet. „Wer promovieren möchte, kann dies in einem ambitionierten Forschungsumfeld tun.“ Darüber hinaus werden im Programm „Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung insgesamt 17 Initiativen in der ostdeutschen Forschungslandschaft gefördert – mit einem Etat zwischen jeweils zehn und 14 Millionen Euro.
Chancen auf Studienplatz verbessern
Auch unter finanziellen Gesichtspunkten kann sich ein Studium im Osten lohnen. In allen fünf ostdeutschen Bundesländern und in Berlin werden für das Erststudium keine allgemeinen Studiengebühren erhoben. Zudem sind die Kosten für Miete deutlich niedriger als in westdeutschen Hochschulmetropolen: So lagen 2009 laut der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks die monatlichen Miet-Ausgaben in allen ostdeutschen Bundesländern unter dem bundesweiten Durchschnitt von 281 Euro, mit Ausnahme von Berlin. „In der Regel hat man auch keine Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden“, erzählt Katarina Stein, Studienberaterin an der Technischen Universität Dresden. Jedoch gebe es zwischen den Lebenshaltungskosten in West- und Ostdeutschland mittlerweile keinen Unterschied mehr.
Ostdeutsche Hochschulen bei der Bewerbung um einen Studienplatz mit in den Blick zu nehmen, das kann auch aus strategischen Gründen sinnvoll sein. Stichwort doppelte Abiturjahrgänge. Bis zum Jahr 2016 stellen die meisten westdeutschen Bundesländer inklusive Berlin vom neunjährigen auf das achtjährige Gymnasium (G8) um. Laut einer Vorausberechnung der Kultusministerkonferenz (KMK) gehen die Studienanfängerzahlen in den ostdeutschen Ländern in den Jahren 2011 bis 2015 um 63.000 zurück. Im gleichen Zeitraum steigen in den alten Bundesländern die Anfängerzahlen um 340.000 an. Grund dafür sind die doppelten Abiturjahrgänge. Wer also für sein Wunschstudienfach etwa in die neuen Bundesländer umzieht, kann seine Chancen voraussichtlich erhöhen – und ist dort auch willkommen. „Studienbewerber aus den alten Ländern sind herzlich eingeladen, sich zu bewerben“, sagt etwa Dr. Burkhard Venz vom Hochschulteam Leipzig.
Sonderfall Berlin
Bewusst machen sollte man sich bei dieser Strategie jedoch: Ein Studium in Berlin kann man in diese Überlegungen nicht mit einbeziehen, denn Studienplätze in der Landeshauptstadt sind begehrt und damit rar. Laut dem 2010 vom Statistischen Bundesamt herausgegebenen Report „Hochschulen auf einen Blick“ ist Berlin seit Jahren einer der Hochschulorte mit der höchsten Zuwanderungsrate von Studierenden.
Auch nicht anzuwenden ist diese Strategie auf die Studienplätze in den Fächern Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie. Weil die Nachfrage hier – egal ob Ost oder West – die Anzahl der vorhandenen Plätze deutlich übersteigt, sind diese Studiengänge bundesweit zulassungsbeschränkt und werden zentral über hochschulstart.de (ehemals ZVS) vergeben.





