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Mentoring in Schule und Studium

Helfende Hand mit viel Erfahrung

Mentoring hat alte Wurzeln: In der griechischen Mythologie wachte die Figur Mentor über Odysseus' Sohn Telemachos. Ganz so vertrackt wie die von Homer geschilderten Irrfahrten ist der Schul- und Hochschulalltag zwar nicht. Doch das Prinzip des Mentoring hat sich auch dort durchgesetzt. Schließlich schadet ein wenig Unterstützung und Orientierungshilfe nie. Besonders wenn sie von einem erfahrenen Studierenden aus einem höheren Semester oder einer Führungskraft mitten aus dem Berufsleben kommt.

Ein Junge und ein Mädchen sitzen an Computern und lassen sich von einem Herren über die Schultern schauen.

Das alles können Aufgaben von Mentoren sein: Unterstützung bei der Berufsorientierung, Hilfe bei der Suche nach Praktikumsplätzen oder dabei, den Mentee mit der Berufswelt vertraut zu machen.

Foto: Weishart

„Das Mentoring war wirklich eine ganz tolle Sache.“ Noch heute schwärmt Alexandra Bauer vom One-to-One-Mentoring-Programm der Fachhochschule Hannover, das auf den Übergang vom Studium in den Beruf spezialisiert ist. Als Studentin der Wirtschaftsinformatik erhielt sie im sechsten Semester Unterstützung aus der Wirtschaft: Eine Teamleiterin der Reifenfirma Continental stand der gebürtigen Hannoveranerin mit Rat und Tat zur Seite. „Wir haben uns alle zwei bis drei Wochen getroffen“, erinnert sich die 31-Jährige. „Dabei sind wir beispielsweise gemeinsam meine Bewerbungsunterlagen durchgegangen. Meine Mentorin hat mir Tipps gegeben, worauf Personalverantwortliche achten. Sie konnte als Führungskraft ja unmittelbar aus der Praxis berichten.“ Antworten wusste die Mentorin auch auf Fragen wie: Wie führe ich eine Gehaltsverhandlung? Wie sehen die ersten 100 Tage im Job aus? Wie werden Mitarbeiter von Unternehmen bewertet?

Alexandra Bauer ist nur eine unter vielen, die bereits vom Mentoring-Programm an der FH Hannover profitiert haben – ganz im Sinne von Sabine Halling vom Career Center. Sie betreut das Angebot gemeinsam mit ihrer Kollegin und ist sich sicher: „Die Mentees, also die teilnehmenden Studierenden, erhalten vom Mentor oder der Mentorin Feedback zu ihrer Person. Das ist eine super Ergänzung zum Studium und kann den Berufseinstieg erleichtern.“ Damit ist ein Ziel der Maßnahme bereits umrissen. Weitere sind die Vernetzung von Studierenden und Fach- beziehungsweise Führungskräften, die Förderung erfolgreicher Studienabschlüsse, die gezielte Vorbereitung auf die Anforderungen im Beruf sowie die Unterstützung von Potenzialträgern.
Aber auch die Mentoren ziehen Nutzen aus ihrem Einsatz. So erhalten sie vom Mentee indirekt Anregungen, um den eigenen Karriereweg zu reflektieren – und gegebenenfalls neue Pläne zu schmieden. Außerdem gestattet ihnen das Mentoring Einblick in die aktuelle Studiensituation. Sie erfahren, welche Inhalte primär vermittelt und wie die Studierenden auf die Arbeitswelt vorbereitet werden. Im besten Fall lassen sich so geeignete Bewerber für freie Stellen finden. Im Bereich der Soft-Skills können Mentoren durch die Teilnahme an Mentoring-Programmen ihre Beratungs- und Führungskompetenzen erweitern. Und: Es ergeben sich neue Kontakte für das berufliche Netzwerk.

Individuelle Treffen und telefonische Unterstützung

Das Prinzip des Mentorings in Hannover ist dabei simpel: Ein Mentor mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung trifft sich während des Mentoringzeitraums von einem Semester mindestens dreimal mit einem Mentee. Zusätzliche Termine können zwischen beiden individuell vereinbart werden – und sind durchaus wünschenswert. Bei den Verabredungen darf sich der Studierende mit allen Fragen an seinen persönlichen Ansprechpartner wenden, der seinem Mentee mit Ratschlägen und Denkanstößen unterstützend unter die Arme greift. Bei Alexandra Bauer zusätzlich via Telefon: „Meine Mentorin hat mir sogar angeboten, sie bei Problemen anzurufen. Das war klasse.“ Neben den Einzeltreffen finden in der niedersächsischen Landeshauptstadt außerdem noch Auftakt- und Abschlussveranstaltungen mit allen Mentoring-Teilnehmern eines Jahrgangs sowie ein Zwischentreffen statt. Dabei erhalten die Organisatoren vom Career Center Rückmeldung von Mentoren und Mentees.

Programme wie das One-to-One-Mentoring der FH Hannover werden von vielen Hochschulen angeboten. Allen gemeinsam ist, dass eine erfahrene Person ihr Wissen und ihre Kenntnisse an einen oder mehrere unerfahrene Menschen weitergibt. Damit soll deren persönliche und berufliche Entwicklung gefördert werden. Ein berühmtes „Mentoring-Tandem“ der Geschichte ist beispielsweise  der Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud mit Ziehsohn Alfred Adler, Wiener Psychotherapeut. Wie sich das Mentoring im Detail gestaltet, hängt vom jeweiligen Modell ab. Einige Hochschulen setzen auf Team-Mentoring, bei dem eine ganze Gruppe von Mentees durch einen einzigen Mentor betreut wird. Andere, wie die FH Hannover, propagieren den One-to-One-Kontakt, sprich: ein Ratgebender pro Ratsuchendem. Eine relativ neuartige Form ist das sogenannte e-Mentoring, bei dem der Erfahrungsaustausch in erster Linie online stattfindet. Je nach Fokus des jeweiligen Programms unterstützen Mentoren ihre Mentees bei der Berufsorientierung, Planung des Studiums oder der Suche nach Praktikumsplätzen. Oder sie tragen dazu bei, sich während des Studiums mit der Berufswelt vertraut zu machen.

Auch hinsichtlich der Zielgruppen unterscheiden sich die Angebote. Initiativen wie „ArbeiterKind.de“ fördern gezielt Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Schichten. Ähnliches hat sich „Chance hoch 2“ von der Uni Duisburg auf die Fahnen geschrieben. Hier erwartet die Mentees neben informeller Unterstützung auch finanzielle Hilfe in Form eines Stipendiums von monatlich 300 Euro. Andere Programme wie „Neue Wege in den Beruf“ widmen sich speziell jungen Frauen mit Zuwanderungsgeschichte. Das Modell „Mentoring Rosenheimer Karrierenetz für Ingenieurinnen“ ermutigt Studentinnen in MINT-Fächern, ihre berufliche Karriere voranzubringen und sich für Führungsaufgaben zu qualifizieren. An der Bergischen Universität Wuppertal ist die Teilnahme am Mentorensystem für alle Erstsemester sogar verpflichtend. Der direkte Kontakt zwischen Hochschullehrern und Studierenden soll dazu beitragen, Schwierigkeiten beim Studienstart besser bewältigen und das Studium zielstrebiger absolvieren zu können.

Bewerbung für Mentoring lohnt sich

Wer einen Platz in einem Mentoringprogramm ergattern will, muss meist ein Bewerbungsverfahren durchlaufen. An der FH Hannover besteht es aus mehreren Stufen: „Interessierte müssen einen Profilbogen mit Angaben zu ihrer Person ausfüllen und einen einseitigen Text verfassen, aus dem ihre Motivation sowie ihre Ziele für das Mentoring hervorgehen“, erklärt Sabina Halling vom Career Center. „Außerdem wollen wir jeden Teilnehmer vorher persönlich kennen lernen.“ Trotz dieser kleinen Hürden stünden die Aufnahmechancen gut. Vorausgesetzt, die Bewerber zeigen die Bereitschaft, sich aktiv und eigenverantwortlich am Mentoring zu beteiligen. Dazu zählt natürlich auch ein wenig Kontaktfreudigkeit.

Für Alexandra Bauer hat sich die Bewerbung auf jeden Fall gelohnt. „Das Mentoring schließt die Kluft zwischen Studium und Arbeitswelt.“ Für die Diplom-Wirtschaftsinformatikerin mit positiven Spätfolgen. Dank des Mentorings hat sie Kontakt zum Unternehmen Continental geknüpft, wo sie direkt nach dem Studium als Mitarbeiterin im Purchasing Data Management anheuerte. Unter einer Chefin, die sie bereits gut kannte: ihrer ehemaligen Mentorin. Inzwischen verbindet die beiden jungen Frauen eine mehrjährige Freundschaft.

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