Wie funktioniert ein Studium überhaupt?
Christina Hotamanidis (21) hat sich ursprünglich wegen des Fächerangebots für die Leuphana Universität Lüneburg entschieden. Doch als sie von der Einrichtung des "Leuphana Semesters" erfuhr, mit dem alle Erstsemester gemeinsam ins Studium starten, war die Studentin der Angewandten Kulturwissenschaften und der Wirtschaftspsychologie gleich ganz angetan.
Im Leuphana Semester lernt man den Uni-Alltag kennen und lernt wie ein Studium überhaupt funktioniert.
Foto: Jardner
Lebensnahes Thema
Während der Konferenzwoche am Ende des Moduls präsentierte die Gruppe als Ergebnis ihrer Forschungen die These: Online-Dating birgt ein Risiko. Wenn durch die Matching-Programme der Partnerbörsen im Internet nur festgelegte Werte geprüft werden, erzeugt das ein unvollständiges Bild der Personen. „Online-Dating betreibt man besser nur nebenbei. Es darf die echten Kontakte nicht komplett ersetzen“, findet Christina Hotamanidis und zeigt sich positiv überrascht darüber, dass ihr ein so spannendes, lebensnahes Thema zur Bearbeitung vorgegeben wurde.
Nicht ganz so begeistert war sie anfangs von dem Modul „Wissenschaft nutzt Methoden“, das ebenfalls zum „Leuphana Semester“ gehört. Statistiken zu analysieren, war ihr zu trocken. „Aber anders als in der Schule erklärten uns die Dozenten, wofür wir das brauchen. Wie wichtig es ist, aus einer Statistik nicht nur die erstbesten Zahlen herauszupicken, sondern zu verstehen, wie sie zustande kommt“, erinnert sich die 21-Jährige, „Und da habe ich eingesehen, dass es sinnvoll ist, auch hier gut zuzuhören.“
Der einzige wirkliche Wermutstropfen während des „Leuphana Semesters“: Durch die Pflichtveranstaltungen blieben Christina Hotamanidis nur vier Wochenstunden für ihr Hauptfach Angewandte Kulturwissenschaften übrig, zwei für eine Einführung, zwei für fachspezifische Methoden, macht zusammen die vorgeschriebenen zehn Credit Points. „Ich hätte mir gewünscht, dass das etwas ausgewogener organisiert gewesen wäre“, sagt sie, „denn so hatte ich am Ende des ersten Semesters immer noch keine richtige Vorstellung davon, worum es in meinem Hauptfach eigentlich geht.“ Geschweige denn in ihrem Nebenfach Wirtschaftspsychologie. Damit starten die Studierenden in Lüneburg erst im zweiten Semester.
Studienablauf verstehen
Trotzdem: „Das ‚Leuphana Semester’ war wichtig, um zu verstehen, wie ein Studium überhaupt funktioniert. Als Teilnehmer merkt man schnell, ob man überhaupt ein Uni-Typ ist“, resümiert Christina Hotamanidis. Ihr Fazit: „Ich kann es jedem empfehlen, der Spaß am Lernen hat und das Studium als Bildungsphase begreift. Wer es möglichst schnell durchziehen will und nur Augen für sein Berufsziel hat, der wird vielleicht ungeduldig werden.“
Ihr eigenes Berufsziel will die 21-Jährige jetzt im dritten Semester so langsam festklopfen. „Als Studienanfängerin wollte ich Dramaturgin am Theater werden“, erzählt sie, „aber inzwischen habe ich im Rahmen des Studiums viele weitere Betätigungsfelder für Kulturwissenschaftler kennengelernt, die alle interessant klingen.“ In einem Verlag oder in den Medien zu arbeiten, kann sie sich jetzt auch vorstellen. Die ersten Praktikumsbewerbungen sind bereits unterwegs.





