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Hausarbeiten schreiben

"Internet sollte nicht die erste Quelle sein"

Dr. Helga Esselborn ist Schreibberaterin beim Kölner Studentenwerk und Fachbuchautorin zum Thema wissenschaftliches Schreiben. abi>> sprach mit der Expertin über die richtige Nutzung von Internetquellen bei der Erstellung von Hausarbeiten im Studium.

abi>>: Das Schreiben einer wissenschaftlichen Hausarbeit unterscheidet sich von einer schriftlichen Arbeit, wie man sie aus der Schule kennt. Worauf kommt es beim wissenschaftlichen Arbeiten generell an?

Helga Esselborn: Zunächst geht es darum, sich unter Nutzung von

Das Foto zeigt Helga Esselborn. Sie hat rotbraune, kurze Haare und trägt einen beigen Pullover sowie ein orangefarbenes Tuch.

Dr. Helga Esselborn

Foto: Privat

wissenschaftlichen Quellen unter einer bestimmten Fragestellung in einen Dialog mit der Forschung zu begeben. Dabei geht es im Studium nicht unbedingt darum, neue Erkenntnisse zu liefern, sondern zu zeigen, dass man sich mit wissenschaftlichen Inhalten auseinandersetzen kann. Bei der Bearbeitung des vorhandenen Materials müssen alle Aussagen mit Quellen belegt werden. Das bedeutet: Alle Passagen, auf die man sich bezieht, müssen kenntlich gemacht und der Urheber genannt werden.

abi>>: In welchen Fächern werden üblicherweise Hausarbeiten angefertigt?

Helga Esselborn: Am meisten verbreitet sind sie in den philologischen Fächern, aber etwa auch in den Rechtswissenschaften werden Hausarbeiten geschrieben. In Medizin werden bis zur Doktorarbeit nur Klausuren absolviert, in den Naturwissenschaften sind es eher Berichte über Experimente oder Beobachtungen im Labor. In der Regel entscheiden die Dozenten darüber, wie Leistungsnachweise erbracht werden.

abi>>: Wie beginnt man sinnvollerweise mit der Recherche für eine Hausarbeit?

Helga Esselborn: Das Internet sollte nicht die erste Quelle sein. In den ersten Semestern erhalten Studierende in der Regel ein Hand-out mit Literaturhinweisen. Kennt man einen Begriff überhaupt nicht, kann man ruhig bei Wikipedia nachschauen. Dort finden sich auch die ersten Hinweise auf wichtige Veröffentlichungen zu einem Thema. Auf diese Weise kann man auch leicht Synonyme finden, unter denen man nach weiterer Literatur im Bibliothekskatalog des Fachbereichs oder im Gesamtkatalog der Hochschule recherchieren kann.

abi>>: Im Internet finden sich zahlreiche Informationen und Dokumente. Woran kann man erkennen, ob diese Informationen seriös sind?

Helga Esselborn: Ein Internetbeitrag sollte aktuell sein. Zudem kann man überprüfen, ob es sich bei dem Verfasser um einen ausgewiesenen Wissenschaftler handelt. Um dies festzustellen, ist ein Tool wie etwa „Google scholar“ nützlich: Gibt man den Autorennamen ein, wird sichtbar, wie häufig dieser zitiert wird. Je höher die Quote, desto seriöser und wichtiger sind seine Veröffentlichungen. In einigen Fächern hat sich die Wissenschaftskultur verändert: In Psychologie und zunehmend auch in den Naturwissenschaften werden Fachbeiträge nicht mehr in gedruckter Form in wissenschaftliche Fachzeitschriften veröffentlicht, sondern zunehmend nur noch im Internet.

abi>>: Das Internet-Lexikon „Wikipedia“ gilt bei vielen Lehrenden nicht als seriöse Quelle. Warum?

Helga Esselborn: Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen ist Wikipedia ein allgemeinwissenschaftliches Nachschlagewerk. In einer wissenschaftlichen Hausarbeit wird aber die Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlichen Erkenntnissen erwartet. Daher ist Wikipedia ebenso wenig zitierfähig wie der Brockhaus. Der andere Grund ist, dass Wikipedia-Artikel zwar meist überprüft werden, dennoch kann es einzelne Beiträge geben, die nicht ausreichend mit Einzelnachweisen versehen oder nicht gegengelesen worden sind.

abi>>: Wenn Studierende in Hausarbeiten aus Internetquellen zitieren, wie geben sie diese korrekt an?

Helga Esselborn: Zur Quellenangabe gehört das Veröffentlichungsdatum im Netz, die vollständige URL sowie das Datum des Seitenaufrufs. Falls der Beitrag auch in gedruckter Form vorliegt, muss man auch dies mit angeben. Die meisten Fachbereiche haben Style-Sheets ins Netz gestellt, in denen Studierende nachlesen können, welche Formalien beim Verfassen von Hausarbeiten einzuhalten sind. Sie enthalten auch die Zitierregeln für Internetquellen.

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