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Prüfungsangst

Ein bezwingbarer Albtraum

Prüfungsangst ist keine Seltenheit: Gut jeder zehnte Studierende leidet unter der Panik zu versagen. Dabei lassen sich der Albtraum vom Blackout und die damit verbundenen Symptome mit entsprechender Hilfe gut in den Griff bekommen. Das beweist das Beispiel von Stefanie L.

Ein grünes Notausgangsschild

Auch für Prüfungsangst gilt: Es gibt einen Ausweg

Foto: WillmyCC Studios

Es war der Tag ihrer ersten mündlichen Prüfung, an dem Stefanie L.s Zahnmedizinstudium eine unangenehme Wendung nahm. Wochenlang hatte sie intensiv für die Prüfung gelernt, schließlich fühlte sie sich gut vorbereitet. „Wenige Minuten vor der Mündlichen habe ich meinen Kommilitonen noch alles runtergebetet“, erzählt Stefanie L. Doch dann, als sich die Tür des Prüfungsraumes hinter ihr schloss, war plötzlich alles anders. Das Gelernte war weg. Blackout. Durchgefallen.

Erlebnisse wie diese können in der Folge Prüfungsangst auslösen. Davon sprechen Experten, wenn die Angst vor dem Versagen überhandnimmt und Prüfungssituationen zu einer schweren Belastung für den Betroffenen werden.

Bernd Nixdorff hat lockige Haare und trägt einen roten Pullover.

Bernd Nixdorff

Foto: Privat

„Aufregung vor einer Prüfung in Form von Lampenfieber ist normal und macht sogar Sinn: Der Organismus richtet alle Kraft auf die zu bewältigende Situation. Übersteigt aber die Erregung ein gesundes Maß, stellt sich der Organismus auf Flucht oder ‚Totstellen‘ ein“, erklärt Diplom-Psychologe Bernd Nixdorff, Leiter der Zentralen Studienberatung und Psychologischen Beratung (ZSPB) an der Universität Hamburg. Schwitzen, Zittern, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Denkblockaden sind die Folge. So geraten Betroffene in einen Teufelskreis aus Angst und tatsächlichem Versagen.

So war es auch bei Stefanie L.: Nach dem Blackout kreisten ihre Gedanken nur noch um die nächsten Prüfungen. Mit jedem Tag wuchs die Angst vor erneutem Versagen. „Vor den Prüfungen bin ich komplett durchgedreht, konnte nicht schlafen und bin mehrmals in der Nacht aufgestanden, um zu lernen“, sagt die heute 28-Jährige. „So habe ich nie Ruhe gefunden.“ Die Anspannung und der Raubbau am eigenen Körper forderten ihren Tribut: Am Ende des Semesters war die junge Frau durch fünf von insgesamt sechs Prüfungen gefallen.

13 Prozent der Studierenden brauchen Beratung

Stefanie L. ist kein Einzelfall. In der aktuellen Sozialstudie des Deutschen Studentenwerks (DSW) gaben 13 Prozent der befragten Studierenden an, Beratungsbedarf zum Thema Prüfungsangst zu haben. Diese Zahl ist allerdings seit Jahren konstant geblieben – trotz der Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge, bei denen nahezu jedes Prüfungsergebnis zumindest ein wenig die Endnote beeinflusst. „Ich denke, die vielen kleinen Prüfungssituationen im Semester erzeugen einen positiven Übungseffekt. Außerdem fallen die einzelnen Prüfungen nicht mehr so ins Gewicht wie früher die wenigen, großen Examen am Studienende“, erklärt Psychologe Nixdorff.

Ein schwacher Trost für Stefanie L. Sie suchte sich am Ende ihres erfolglosen dritten Semesters professionelle Hilfe: „Ein Kommilitone gab mir den Tipp mit der Psychologischen Beratungsstelle an meiner Uni“, erzählt die Zahnmedizinerin. Sie begann eine Gruppentherapie. Zusammen mit fünf Leidensgenossen lernte die Studentin Entspannungstechniken, die richtige Prüfungsvorbereitung und in simulierten Examenssituationen einen klaren Kopf zu behalten. Schon nach wenigen Wochen ging es ihr deutlich besser. „Ich habe gemerkt, dass ich mich falsch vorbereitet hatte, ich auch den Abruf des Gelernten gezielt üben muss“, erklärt Stefanie L. Mit dieser Erkenntnis und einer Reihe von hilfreichen Tipps startete die junge Frau ins neue Semester – und bestand alle Prüfungen. Auch die mündlichen.

„Wer sich rechtzeitig Hilfe holt, verhindert, dass sich negative Denkmuster einschleifen“, sagt Experte Nixdorff. Das ist auch für die Zeit nach dem Studium wichtig, denn im Berufsleben warten häufig Prüfungssituationen, wie beispielsweise Präsentationen vor Kollegen und Vorgesetzten oder Vorstellungsgespräche. „Wer sich solchen Situationen aus Prüfungsangst entzieht, kann sich seinen Karriereweg verbauen“, so Nixdorff.

Stefanie L. hat es geschafft: Im letzten Sommer hat sie ihr Examen mit der Note „gut“ bestanden und arbeitet inzwischen erfolgreich als Zahnärztin. „Und auf dem Examensball habe ich eine Rede gehalten. Das hätte ich mir früher nie vorstellen können, aber es war ein tolles Gefühl“, sagt die Akademikerin.

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