"Zugang zur Promotion ist flexibler geworden"
Jan Rathjen, bei der Hochschulrektorenkonferenz zuständig für die Themen Studium und Promotion, erklärt, wie sich die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge auf die Promotion auswirkt.
"Auf die Wissenschaftler zugehen", empfielt Jan Rathjen. Foto: Privat
abi>>: Für wen macht eine Promotion Sinn?
Jan Rathjen: Für all diejenigen, die sich vertieft mit einem Thema beschäftigen und neue Erkenntnisse gewinnen wollen. Während der Promotion arbeiten die Promovenden über einen längeren Zeitraum, in der Regel drei bis fünf Jahre, an einem Thema. Eine Promotion ist somit auch in Zeiten von Bachelor- und Masterstudiengängen kein dritter Studiengang, sondern eine forschende Berufstätigkeit. Damit qualifizieren sich die Doktorandinnen und Doktoranden nicht nur für eine wissenschaftliche Laufbahn, sondern auch für Tätigkeiten, in denen es zum Beispiel um anspruchsvolle Projektleitung und Strategie- oder Produktentwicklung geht.
abi>>: Wie hat sich die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge auf die Promotion ausgewirkt?
Jan Rathjen: Der Zugang ist flexibler geworden, Fachhochschulabsolventen mit einem Masterabschluss können ebenso wie Universitätsabsolventen promovieren. Das kann übrigens – wie für Uni-Absolventen auch – bedeuten, dass sie mit Blick auf das spezielle Promotionsfach noch ergänzende Leistungen erbringen müssen. Schon seit längerem können auch Fachhochschulabsolventen mit Diplomabschluss promovieren, müssen jedoch mit Auflagen von Seiten der Universitäten rechnen, um ihre Vorqualifikationen zu ergänzen. Schließlich können besonders qualifizierte Bachelorabsolventen auch den „fast track“ einschlagen und nach einem Eignungsfeststellungsverfahren zur Promotion zugelassen werden. In der Praxis kommt das vor allem in Programmen für junge Spitzenforscher vor.
abi>>: Trotzdem liegt der Anteil der Fachhochschulabsolventen, die promovieren, bei unter einem Prozent ...
Jan Rathjen: Tatsächlich ist der Schritt für Fachhochschulabsolventen in die Promotion nicht einfach. Gute Chancen haben Bewerber, deren Fachhochschule mit einer Universität kooperiert. Solche Modelle werden meist dann aufgelegt, wenn sich die Profile und Forschungsschwerpunkte der Hochschulen ergänzen.
abi>>: Und wenn keine Kooperation besteht?
Jan Rathjen: Wer sich für eine Promotion interessiert, sollte auf Wissenschaftler zugehen, die in diesem Bereich forschen. Man sollte beim ersten Gespräch gut vorbereitet sein. An vielen Universitäten gibt es Graduiertenprogramme, von denen einige auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden. Diese sind gute Anlaufstellen, um sich auf eine Stelle oder um ein Stipendium zu bewerben.




