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Lernen und Forschen an der Hochschule

Über die Grenzen denken

Bist du neugierig? Kannst du dich in ein Thema verbeißen? Kannst du dich gut selbst motivieren? Ja? Dann könntest du ein guter Forscher werden. Und zwar auch dann, wenn du dich lieber mit Adorno als mit Molekülen beschäftigst! Forschung findet nämlich nicht nur in den Naturwissenschaften, sondern auch in den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften statt.

Eine Studentin in weißem Kittel und mit Schtzbrille im Labor an einer chemischen Apparatur.

Wer in der Forschung erfolgreich sein will, braucht viel Geduld.

Foto: Schwelle

„Für die Forschung braucht man Geduld“, sagt Bernd Streppel. „Es kann sein, dass man eine neue Idee hat, die am Ende nicht funktioniert, und dann muss man das Problem wieder neu angehen.“ Der 22-Jährige studiert im sechsten Semester Bioinformatik an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität (TU) in München. Was für die Naturwissenschaften gilt, ist vom Prinzip her überall gleich.

Themen frei wählen

„Forschung bedeutet die Beschäftigung mit etwas, das man noch nicht kennt“, definiert Gerhard Duda, Referatsleiter für die europäische Forschungspolitik bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Forschung zeichne sich dadurch aus, dass man die Grenzen des Wissens kenne und bewusst darüber hinausgehe. Die ursprüngliche Unterscheidung von Grundlagen- und angewandter Forschung verschwimme dabei zusehends. Was allerdings noch immer stimmt: Die Grundlagenforschung muss keinem direkten Ziel zugeordnet sein. Anders als die sogenannte anwendungsorientierte Forschung, die häufig in enger Abstimmung etwa mit der Industrie abläuft.

Bernd Streppel arbeitet in der Grundlagenforschung. Der 22-Jährige formuliert gerade seine Bachelorarbeit zum Thema „Verwendung von Strukturvariationen in der Proteinstrukturvorhersage“. Das klingt kompliziert – und ist es auch. „Proteine bestehen aus einer langen Kette von Aminosäuren. Diese Kette faltet sich zu einer bestimmten Struktur, macht mal einen Knick nach links, mal nach rechts“, erklärt der Student das Ganze stark vereinfacht. „Meine Aufgabe ist es, eine Vorhersage zu machen, wie die Kette dreidimensional aussieht, also welche Struktur sie hat.“ Seine Erkenntnisse können später mal bei der Entwicklung von Medikamenten hilfreich sein – dann, wenn klar ist, wie Proteine genau arbeiten.

„Um in der Forschung erfolgreich zu sein, muss man kreativ und geduldig sein, innovative, neuartige Lösungen entwickeln und sich selbst motivieren können“, sagt Professor Ralf Zimmer, der den Studenten bei seiner Forschungsarbeit betreut. Und man muss mobil sein: Da Forscher oft nur befristete Arbeitsverträge haben, sind häufige Umzüge die Regel.

Im Fachbereich Bioinformatik an der LMU wird großer Wert darauf gelegt, dass die Studierenden in die Forschung eingebunden werden. „Wir haben es geschafft, dass bisher im Schnitt jeder unserer Studierenden an einem Paper mitgearbeitet hat, das in einer Fachzeitschrift oder auf einer Konferenz veröffentlicht wurde“, erklärt der Professor. Das gilt sowohl für die Bachelor- als auch für die Masterstudierenden. Der Fachbereich hat einen hohen Bedarf an so genannten HiWis, den Hilfswissenschaftlern. Diese unterstützen Doktoranden, lernen dadurch das wissenschaftliche Arbeiten und verdienen dabei auch noch Geld. Wer im Bachelorstudium bereits forschen möchte, kann das aber nicht nur als HiWi, sondern, wie auch Bernd Streppel, bei der Erstellung der Bachelorarbeit oder in den Laborphasen während des Studiums, tun.

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