Was macht der Hirsch an Uni & FH?
Überall hört man von der Exzellenzinitiative — doch wer weiß eigentlich, wie gut ein Prof. wirklich ist? Mit numerischen Indikatoren wie dem Hirsch-Index wird seit einiger Zeit versucht, die "Forschungsleistung" von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vergleichbar zu machen und so die besten zu ermitteln. Aber ist das überhaupt möglich?
Wie gut ist der Prof.? Der Hirsch-Index versucht darüber auskunft zu geben.
Foto: Schwelle
Dass Stellen an den Hochschulen in vielen Bereichen hart umkämpft sind, ist kein Geheimnis. Wer eine akademische Karriere machen will, muss sich meist durch interessante Veröffentlichungen empfehlen. Ein Grund dafür, dass die Anzahl wissenschaftlicher Publikationen in den zurückliegenden Jahren stark angestiegen ist – ebenso wie die Zahl der Forschungs-Förderungsanträge: „Pro Jahr gehen bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft inzwischen weit über 20.000 Anträge ein, von denen etwa die Hälfte bewilligt wird“, so Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, Präsident der DFG.
Bei der Bewilligung solcher Anträge wie auch bei der leistungsorientierten Mittelvergabe an Hochschulen und bei Berufungen von Professoren werden harte Kriterien verlangt, die Entscheidungen nachvollziehbar machen. Ein Mittel hierbei ist die bibliometrische Analyse: Dazu werden die bisherigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen einer Person sowie das ihnen entgegengebrachte Interesse der Wissenschaft untersucht. Der Gedanke dahinter: Gute Forschungsergebnisse liefert der, dessen Arbeiten besonders häufig zitiert wurden. Solche rein quantitativen Verfahren sind allerdings höchst umstritten. Bahnbrechende Arbeiten können übersehen, der wissenschaftliche Mainstream noch verstärkt werden. Und wo nur noch nackte Zahlen sprechen, leidet schnell die Qualität.
Der Hirsch-Index: Das Mittel der Wahl?
Zurzeit macht auf dem Feld der numerischen Indikatoren vor allem der „Hirsch-Index“ (h-Index) Furore, der ein faires Urteil zur Forschungsleistung generieren soll. Benannt ist das Verfahren nach dem US-Physiker Jorge E. Hirsch, der 2005 folgende Regel aufstellte: „Ein Wissenschaftler hat einen Index h, wenn h seiner/ihrer n Veröffentlichungen mindestens h-mal zitiert wurden, und die anderen Veröffentlichungen jeweils seltener als h-mal.“ (J. E. Hirsch: An index to quantify an individual’s scientific research output, 2005, S. 1).
Im Klartext heißt das: Hat ein Wissenschaftler eine Arbeit veröffentlicht, die mindestens einmal zitiert wurde, so hat er einen h-Index von 1. Hat er fünf Arbeiten veröffentlicht, die jeweils mindestens fünfmal oder häufiger zitiert wurden, so steigt der Wert auf 5. Je mehr er oder sie veröffentlicht, desto häufiger müssen die Veröffentlichungen zitiert werden, damit der h-Index-Wert steigt. Wer also 50 Artikel veröffentlicht hat, von denen aber nur drei auch dreimal oder öfter zitiert wurden, der kommt nur auf einen Hirsch-Index von 3 – die Arbeiten stoßen nicht auf ausreichendes Interesse. Das Verfahren hat also Stärken: Es gilt nicht nur, viel zu veröffentlichen, sondern auch immer häufiger zitiert zu werden.
Was zählen muss, ist der Inhalt
Doch die Schwächen sind derzeit noch schwerwiegend: Buchveröffentlichungen, die nicht über das ‚Web of Science’ verfolgbar sind, gehen nicht in die Zählung ein. Zudem gibt es Probleme bei Namensgleichheit von Wissenschaftlern. Doch es gibt noch weitere Gründe, die gegen Hirsch-Index & Co sprechen: „Die DFG lehnt numerische Indikatoren nicht grundsätzlich ab. Sie sieht ihre steigende Bedeutung aber als einen zentralen Grund für die regelrechte Publikationsflut in der Wissenschaft“, sagt Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner. „Aus Sicht der DFG führen numerische Indikatoren zu einem starken Publikationsdruck und immer wieder auch zu Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, bei denen Literaturangaben manipuliert werden. Deshalb haben wir zum 1. Juli dieses Jahres die Regeln für Publikationslisten in Förderanträgen und Abschlussberichten an die DFG neu geregelt und insbesondere die Zahl der Literaturangaben drastisch reduziert. Das Motto lautet ‚Qualität statt Quantität’.“




