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Wunschstudium lockt ins Provinz-Idyll

Blick auf die Altstadt von Schwäbisch Hall
Schwäbisch Hall ist eine idyllische Kleinstadt im Norden Baden-Württembergs. Doch nicht nur Touristen zieht es hier her, sondern dank des dortigen Campus der Hochschule Heilbronn auch Studierende.
Foto: Eva-Maria Kraiss
Thema der Woche

Betriebswirtschaft in Schwäbisch Hall

Wunschstudium lockt ins Provinz-Idyll

Tobias Hensel (24) wollte BWL mit Schwerpunkt Beschaffungswirtschaft studieren. Auf dem Campus in Schwäbisch Hall, der zur Hochschule Heilbronn gehört, wurde er fündig. Nun genießt er sein Bachelorstudium in der gemütlichen Kleinstadt.

Wenn Tobias Hensel über Schwäbisch Hall oder kurz Hall redet, kommt er ins Schwärmen – über das Tal, durch das sich der Kocher schlängelt, die Insel, auf der ein Biergarten zum Verweilen einlädt, und die gemütliche, kleine Altstadt mit ihren malerischen Fassaden. „Wenn man am Samstag durch die Stadt läuft, trifft man hundertprozentig jemanden, den man kennt“, weiß der Bachelorstudent aus Erfahrung.

Ein Porträt-Foto von Tobias Hensel.

Tobias Hensel

Foto: privat

Bei 38.000 Einwohnern und rund 1.000 Studierenden ist das auf jeden Fall wahrscheinlicher als in Berlin, München oder Hamburg. „Es gibt viele sympathische Läden, Cafés und Bars, in denen man auch schnell einen Draht zu den Inhabern bekommt. Bis in Stuttgart ein Barkeeper die Gesichter seiner Stammgäste registriert, dauert es sicher länger“, sagt Tobias Hensel augenzwinkernd.

Statt U-Bahn und Musikszene gibt es in Schwäbisch Hall ein paar Clubs, auch mal Livekonzerte, ein kleines Open Air und ein Elektrofestival, alte Bauernhöfe mit Käsemarkt und Freilichttheater. „Außerdem kann man alles mit dem Rad erreichen und es gibt im Umland wunderschöne Motorradstrecken“, erzählt er. Er selbst kommt ganz aus der Nähe, aus einer ähnlich großen Kleinstadt bei Stuttgart: „Das Umfeld bei mir daheim ist aber industrieller und beengter. Alles weit weniger gemütlich.“

Hauptargument: Studienfach

So sehr er die Kleinstadtidylle auch genießt, für die Hochschule hat er sich wegen des Studiengangs entschieden: Management und Beschaffungswirtschaft. „Nach meinem Abitur habe ich eine Ausbildung zum Automobilkaufmann absolviert und als Motorradverkäufer gearbeitet. Im Studium wollte ich unbedingt die andere Seite des Verhandlungstisches kennenlernen, sprich die Beschaffungswirtschaft.“

BWL-Studiengänge mit diesem Schwerpunkt gibt es unter anderem an der Hochschule Pforzheim und am Campus Schwäbisch Hall. Der Campus ist eine von drei Außenstellen der Hochschule Heilbronn. Derzeit werden dort sechs Bachelorstudiengänge und ein Masterstudiengang angeboten. „Ich habe Hall vor meinem Studium nicht gekannt. Aber nachdem ich an den Schnuppertagen den Campus besucht hatte, stand meine Entscheidung fest: Hier möchte ich studieren“, erinnert sich Tobias Hensel.

Offen und familiär

Die familiäre Atmosphäre der Stadt gilt erst recht für den Campus: „Man kennt sich, auch fachübergreifend. Die Dozierenden grüßen auf den Gängen, sprechen uns auch mit Namen an.“ Generell herrscht eine Kultur der offenen Tür. Die beiden Gebäudekomplexe, in denen die Veranstaltungen stattfinden, liegen zentral in der Nähe eines bekannten Bausparunternehmens, das die Hochschule unterstützt. So können die Studierenden für wenig Geld die Kantine nutzen: „Das Essen ist um Längen besser als gängiges Mensaessen“, ist sich der Student sicher.

Dass man sich in Schwäbisch Hall wohlfühlen kann, wissen nicht nur die Studierenden: „Der Ort ist ein touristisches Aushängeschild in der Region.“ Daher sind die Mieten trotz des ländlichen Raums nicht zu Schnäppchenpreisen zu haben. „Es ist zwar nicht vergleichbar mit München oder Hamburg, aber man muss schon intensiv nach günstigen Wohnungen oder Zimmern suchen“, betont er. Seine erste Einzimmerwohnung lag außerhalb, kostete warm ohne Internet 450 Euro. Hinzu kamen die Kosten für ein Auto. „Über Mundpropaganda habe ich dann ein WG-Zimmer gefunden. 350 Euro, zentral gelegen, so dass alles zu Fuß zu erreichen ist.“

Mittlerweile ist Tobias Hensel im sechsten Semester und bedauert schon jetzt, dass er nach seinem Abschluss weggehen wird: „Dann steht erst einmal der Job an erster Stelle und da ich gerne in die Automobilbranche möchte, werde ich wohl eher in den größeren Städten eine Stelle finden.“ Aber wer weiß, langfristig kann er sich ein Leben im ländlich geprägten Raum gut vorstellen.

abi>> 10.04.2018