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Großer Sprachenkosmos auf kleinem Raum

Eine junge Frau sitzt mit Kopfhörern in einer Kabine für Übersetzer.
Bei Konferenzen simultan, also unmittelbar, übersetzen oder anhand von spezifischen Wörtern genau heraushören, aus welcher Gegend jemand kommt? Die Studierenden am Campus Germersheim der Uni Mainz werden zu Sprachexperten ausgebildet.
Foto: Axel Jusseit
Thema der Woche

„Sprache, Kultur, Translation“ in Germersheim

Großer Sprachenkosmos auf kleinem Raum

Julia Baur studiert „Sprache, Kultur, Translation“ in Germersheim, einem Standort der Uni Mainz. Für das Studium hat es die 20-Jährige in die Kleinstadt zwischen Speyer, Karlsruhe und Mannheim verschlagen.

Wo liegt denn Germersheim? Julia Baur hörte zum ersten Mal von der Kleinstadt, als sie sich überlegte, was sie studieren könnte. Etwas mit Sprachen sollte es sein. Der in Germersheim ansässige Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK), der zur Universität Mainz gehört, ist mit seinen zwölf angebotenen Sprachen eine renommierte Adresse für angehende Dolmetscher und Übersetzer. Julia Baurs Mutter hatte davon gehört und gab den Anstoß, dass sich ihre Tochter über das Studium dort informierte.

Germersheim ist kein Stadtteil von Mainz, sondern liegt etwa 110 Kilometer südlich in der Nähe von Speyer. Das der Fachbereich sich dort befindet, hat historische Gründe: Im Januar 1947 wurde in der damaligen französischen Besatzungszone eine Dolmetscherhochschule gegründet, die seit 1949 Teil der Universität Mainz ist.

Regionale Unterschiede heraushören

Ein Porträtbild von Julia Baur

Julia Baur

Foto: Tobias Giller

„Ich komme aus der Umgebung von Mainz, etwa eine Stunde Autofahrt von Germersheim entfernt. In Mainz habe ich die Schnuppertage der Uni besucht und mir Amerikanistik angeschaut. Aber die Beschäftigung mit literarischen Texten, etwa Gedichtanalysen oder Textinterpretationen, interessierte mich nicht so sehr“, erklärt sie. Im Studiengang „Sprache, Kultur, Translation“ geht es hingegen um den Umgang mit Sprache, um den kulturellen Kontext. „Das fand ich spannend. Ich lerne zum Beispiel, genauer zuzuhören oder aus dem Sprachgebrauch eines Menschen regionale Unterschiede herauszufiltern“, erzählt sie. Julia Baur studiert auf Englisch, aber auch Französisch und Spanisch sind mögliche Fremdsprachen.

Im Studienverlauf kann sie sich zudem auf ein Fachgebiet – Recht, Wirtschaft, Medizin oder Technik – spezialisieren und entsprechende Übersetzungsübungen besuchen. Diejenigen, die Dolmetscher werden wollen, können dies in den sogenannten „Freitagskonferenzen“ üben. Die Studierenden sitzen dabei in Dolmetscherkabinen und übersetzen den Vortrag eines Referenten simultan, also parallel zum Sprecher.

Italienisch, Französisch, Russisch, Türkisch, Englisch: Wenn Julia Baur mittags die Mensa besucht, hört sie einen bunten Singsang aus Sprachen. Obwohl nur rund 2.000 Studierende in der Kleinstadt am Rhein studieren, ist der Grad an Internationalisierung hoch: Etwa 800 Studierende kommen aus dem Ausland.

Freizeitprogramm selbst gestalten

Der Campus ist klein. Es gibt zwei Gebäude, einen Neubau und einen schönen, geschichtsträchtigen Altbau: „Das ist eine alte Festung, die heute die Uni beherbergt. Der Neubau ist modern, hell und großzügig“, beschreibt Julia Baur ihre Alma Mater. Hinter den Gebäuden gibt es eine Wiese, „ab und zu organisiert der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hier Lagerfeuer.“

Da sie selbst aus einem kleinen Ort kommt, vermisst sie das Großstadtleben nicht: „Ich habe das nicht erwartet und bin auch nicht der Typ, der urbanes Leben sucht.“ Dafür wohnt sie zentral, nur zwei Minuten zu Fuß vom Campus entfernt. Viele ihrer Freunde leben im Wohnheim ganz in der Nähe. „In der Stadt gibt es außerdem Cafés, Kneipen und zweimal in der Woche findet ein Markt statt.“ Das hört sich nach wenig an, heißt aber nicht, dass hier kein Studentenleben existiert, betont die Studentin: „Man kann viel machen, muss das aber selbst organisieren.“

Wiedersehen auf dem Campus

Da es wenig Ablenkung gibt, dreht sich alles um das Studium: „Wenn ich keine Veranstaltungen habe, gehe ich in die Bibliothek oder treffe mich mit Kommilitonen zum Lernen.“ Leute kennenzulernen, ist einfach in Germersheim: „Es gibt in der Erstiwoche eine Kneipentour mit Stadtrallye. Und auf dem Campus trifft man sich immer wieder“, erzählt Julia Baur.

Auch Jobben ist in der Region möglich. In der Nähe ist ein großer Automobilhersteller angesiedelt, ansonsten bieten sich typische Studi-Jobs, etwa in Restaurants. Doch die Studentin weiß: „Da viele suchen, sind die guten Jobs auch schnell weg.“

abi>> 16.04.2018