Soziale Netzwerke wie Facebook verhelfen nicht nur zu neuen Kontakten, sondern sie sind auch hilfreich bei der Jobsuche.
Foto: Rehm
„Gefällt mir“ klickte Anna Luisa Casalino, als sie auf der Karriere- Fanpage der Postbank auf Facebook die Fotoserie vom Praktikantenstammtisch betrachtete. Das ist sechs Monate her, mittlerweile sitzt sie dort, wo die Fotostrecken hochgeladen werden, im Personalmarketing der Postbank in Bonn. Um ihr Wunschpraktikum im Bereich Personal zu finden, hat sie beim Vorsortieren nicht nur auf Klassiker wie dem schwarzen Brett am Campus, die virtuellen Karriereportale der Unternehmen und auf Hochschulmessen gesetzt, sondern sich auch auf den Fanpages der Unternehmen im Internet umgeschaut.
Fanpages angeschaut
Anna Luisa Casalino studiert im sechsten Semester Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius in Köln. Da ihr Studienplan kein verpflichtendes Praxissemester vorsieht, erklärte sie ihr sechstes Semester kurzerhand zum Urlaubssemester, um ein längeres, bezahltes Praktikum realisieren zu können: „Berufliche Erfahrungen im Lebenslauf vorweisen zu können, ist mir sehr wichtig!“ Gesagt, geplant: Im vierten Semester nahm sie die Suche nach interessanten Stellen auf. „Ich habe mich bewusst nur auf Stellen im Personal beworben, angefangen vom Personalmarketing über Führungskräfteentwicklung und Diagnostik bis hin zum Recruiting. Ich hatte mich vor allem auf Konzerne konzentriert, weil die in der Regel auch über große Personalabteilungen verfügen.“ Dass die von ihr ausgewählten Unternehmen auch mit einer Fanpage auf Facebook präsent sind, findet die 22-Jährige sehr angenehm: „Die Seiten sind meist etwas lockerer gestaltet und somit unterhaltsamer als die Karriereportale der Unternehmensseiten. Der Austausch wirkt persönlicher als die Online-Bewerbungsportale.“
Auf der Facebook-Karriereseite der Postbank stehen zum Beispiel eben nicht nur klassische Stellenausschreibungen, sondern Fotostrecken vom Praktikantenstammtisch, zum Teil hochgeladen von anderen Praktikanten,
persönliche Kommentare und Posts von anderen Studierenden sowie Aktionen für Praktikanten: „Man hat den Eindruck, dass man einen Blick hinter die Kulissen werfen kann und etwas mehr von der Unternehmenskultur mitbekommt.“
Neben den zur Verfügung gestellten Informationen können Interessenten auch den direkten Dialog zur Postbank suchen. Es stehen die Kommunikationsfunktionen wie bei einem privaten Facebookprofil zur Verfügung: „Ich bin davon ausgegangen, dass eine Flut an Bewerbern auf den Seiten unterwegs sein wird und hatte nicht unbedingt sofort mit einer Antwort auf meine Fragen gerechnet. Aber die Kommunikation lief sehr schnell und unkompliziert.“
Die 22-Jährige hätte auch die Möglichkeit gehabt, Beiträge zu Diskussionen über Finanz- oder andere Unternehmensthemen zu posten, um noch stärker auf sich aufmerksam zu machen, aber das ist nicht ihr Stil. Auch wenn sie den lockeren und unkomplizierten Ton auf den Fanpages auf Facebook angenehm findet, trennt sie streng zwischen Privatsphäre und Arbeitswelt: „Ich nutze die Fanpages in erster Linie als Informations- und Kommunikationsportal, aber man muss natürlich die Netiquette einhalten. Mit meiner eigenen Facebook-Seite hat das nichts zu tun. Die ist dem privaten Freundeskreis vorbehalten.“
Sieben Vorstellungsgespräche
Eingestellt hat sie ihre Bewerbungsunterlagen auf den Karriereportalen der Unternehmen und war erstaunt über die Resonanz: Elf Bewerbungen ergaben sieben Gespräche. Entschieden hat sie sich für das Praktikum im Personalmarketing bei der Postbank in Bonn. Das hat ihren Vorstellungen am meisten entsprochen. Hier gestaltet sie mittlerweile den Blick hinter die Kulissen aktiv mit und betreut unter anderem die Postbank Karriere Fanpage sowie die Page des Postbank Finance Award, dem höchstdotierten Hochschulwettbewerb im Bereich Banking and Finance, der einmal jährlich ausgelobt wird: „Ich beantworte zeitnah Anfragen auf Facebook, reagiere auf Posts und betreue die interne Praktikantengruppe.“ Darüber hinaus koordiniert sie das Praktikantenprogramm am Standort Bonn, unterstützt bei der Organisation von Veranstaltungen an Hochschulen und bekommt Einblicke in diverse andere Bereiche, in die das Personalmarketing eingebunden ist.
Ihr Fazit: Soziale Netzwerke, sei es XING oder Facebook, können zwar die Unternehmensseiten nicht ersetzen: „Aber als ein Baustein auf der Suche nach interessanten Stellen, beziehungsweise um sich selbst darzustellen, einen Blick hinter die Kulissen zu erhalten und in persönlichen Kontakt zu treten, ist es sicherlich ein hilfreiches Instrument.“ Auch mit Blick in die Zukunft hat sich ihr Engagement gelohnt: Denn generell besteht die Option, das Praktikum als studentische Nebentätigkeit parallel zum Studium weiterzuführen: „Ich hoffe, dass das klappt.“






