So sieht ein ausgefülltes Leben aus: Tagsüber plant Christian Goihl im Beruf die Rettung von Menschen für den Katastrophenfall, abends sitzt er über seiner Fachliteratur und paukt für sein Masterstudium, inzwischen im zweiten Semester. Die Themen sind etwa Bevölkerungsschutz, Notfallpädagogik oder Krisenmanagement.
Ein erfahrener Helfer
Doch der Reihe nach: Gleich nach dem Abitur machte Christian Goihl zunächst eine Ausbildung zum Rettungssanitäter beim Malteser Hilfsdienst. Anschließend studierte er Rettungsingenieurwesen an der Fachhochschule Köln und schloss Anfang 2010 mit dem Bachelor of Engineering ab. Neben dem Studium war er als Rettungssanitäter sowie ehrenamtlich für den Katastrophenschutz des Landes Nordrhein-Westfalen tätig. Sein Praxissemester und seine Bachelorarbeit machte er beim Auslandsreferat der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) in Bonn.
Dort hat er seit April 2010 einen Projektvertrag. Als Leiter des deutsch-schwedischen EU-Projektes „Emergency Temporary Shelter-Modules“ (ETS) plant und organisiert er den Aufbau eines mobilen Notquartiers. „Ziel des Projektes ist, im Katastrophenfall beheizte Unterkunft, Wasser- und Stromversorgung für 1.000 Personen bieten zu können. Bei einem schweren Erdbeben etwa soll das ETS innerhalb von drei bis fünf Tagen vor Ort im In- oder Ausland im Einsatz sein können, Betroffene aufnehmen und gegebenenfalls ihre Ausreise aus der Region kanalisieren.“
Seine Arbeit macht ihm großen Spaß und er möchte beruflich vorankommen. Für den Aufstieg im Öffentlichen Dienst ist ein abgeschlossenes weiterführendes Studium erforderlich. „In die engere Auswahl hatte ich auch einen Master in Logistik gezogen, aufgrund des für mich interessanteren Zuschnitts entschied ich mich aber für den weiterbildenden Master in Katastrophenvorsorge und Katastrophenmanagement in Bonn.“ Für den Masterstudiengang, der entweder in einem Jahr Vollzeit oder berufsbegleitend in zwei Jahren absolviert werden kann, sind insgesamt rund 6.000 Euro Gebühren zu entrichten. Christian Goihl hat sich für das berufsbegleitende Studium entschieden. So kann er durch die Fortführung seiner Arbeit beim THW das Studium aus eigener Tasche bezahlen.
Das berufsbegleitende Studium weist einige Besonderheiten auf. „Insgesamt gibt es zehn Studienmodule. Alle acht Wochen steht ein Präsenzwochenende (Freitag bis Sonntag) mit Klausur auf dem Programm. In der Zeit dazwischen setzt man sich im Selbststudium mit den Inhalten des jeweiligen Moduls auseinander und bereitet sich vor.“ Über den eCampus der Universität Bonn kommen die Studierenden an die nötigen Unterlagen und Literatur heran. In seinem Semester hat Christian Goihl 27 Kommilitonen/-innen, darunter andere Ingenieure/-innen, aber auch Juristen/-innen, Ärzte/-innen oder Geographen/-innen. Ihn persönlich interessieren besonders die Themen Risikoanalyse und Krisenkommunikation. „Ich beginne jetzt zudem mit dem Wahlpflichtbereich und kann Akzente setzen, etwa rund um den demographischen Wandel“, berichtet er.
Zulassung und Bewerbung
Bei der Bewerbung um einen Studienplatz standen neben dem Nachweis von Englischkenntnissen ein schriftlicher Eignungstest sowie ein Gespräch mit seinen künftigen Dozenten an – beide Aufgaben meisterte er. Die geforderte Berufserfahrung von drei Jahren konnte er gesammelt durch seine Tätigkeiten neben dem Studium und seine Arbeit beim THW nachweisen.
Natürlich ist das Studieren neben dem Beruf eine Herausforderung: „In einem Monat musste ich mal viele Überstunden im Beruf machen und daneben noch das Studienpensum bewältigen“, erzählt Christian Goihl. Doch er weiß, dass er sich durch den Master nicht nur spannende neue Themenfelder erschließt. „Ich hoffe vor allem darauf, durch das Masterstudium an größere Projekte zu kommen und diese dann auch direkt im Ausland koordinieren zu können. Das ist mein Ziel.“






