Im Teilzeitstudium zum Wissensmanager
Im Beruf arbeiten und gleichzeitig studieren? An der Fachhochschule Hannover kein Problem. Die Diplom-Bibliothekarin Anke Wittich wollte sich "breiter aufstellen" und hat erst vor wenigen Wochen das Masterstudium "Informations- und Wissensmanagement" an der FH Hannover abgeschlossen.
Nach ihrem Master-Abschluss stehen Anke Wittich viele neue Möglichkeiten offen.
Foto: Privat
„Es hat sich gelohnt, ich würde es wieder studieren", resümmiert Anke Wittich, die zu den Absolventen des ersten Jahrgangs gehört. Die 42-Jährige hat zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn unter anderem in der Spezialbibliothek des Deutschen Wetterdienstes gearbeitet und begleitet nun in Braunschweig in der Ortsbücherei ein Leseförderungsprojekt. „Das Masterstudium ‚Informations- und Wissensmanagement' eröffnet zahlreiche neue Berufsmöglichkeiten", sagt sie. „Man kann in einer Unternehmensberatung arbeiten, einen Schritt in Richtung Unternehmenskommunikation gehen und sich für den höheren wissenschaftlichen Dienst qualifizieren."
Fit im Management
Fünf Semester dauert der berufsbegleitende Studiengang, der sich zum Beispiel an Diplom-Bibliothekarinnen richtet, aber auch an Dokumentare/innen oder andere Interessierte, die sich fit machen möchten in Sachen Managementaufgaben. Daneben ist der Studiengang auch interessant für jene, die im Bereich der Gestaltung und der Bereitstellung von Text, Video oder Animation ihr Wissen erweitern wollen.
So behandelt das Wahlpflichtmodul „Wissensmanagement und Lernen" Themen wie E-Learning (elektronisch unterstütztes Lernen) oder Wissenskommunikation. Wissensmanagement sei für Unternehmen sehr interessant, sagt Anke Wittich. Sie erläutert, dass Unternehmen gezielt Wissen erwerben und dieses dokumentiert und anderen bereitgestellt werden muss. Dazu seien Informationsstrukturen notwendig, aber auch das Know-how, wie man diese Inhalte miteinander verknüpft. Anke Wittich beschäftigte sich während ihres Studiums etwa mit Theorien und Konzepten, wie große Firmen kollektiv lernen können. „Wissensmanager sagen den Unternehmen, was sie tun müssen, damit ihr Wissensmanagement funktioniert." So war es eine logische Konsequenz, dass sie in ihrer Masterarbeit ein Wissensmanagement-Konzept erarbeitete - für einen Finanzdienstleister.
Vorlesen aus dem Internet
In zahlreichen Lehrveranstaltungen erwerben die Teilzeitstudierenden wertvolles weiteres Know-how. Die Themen reichen von der Verarbeitung geschriebener und gesprochener Sprache, über Audio- oder Bildinformation bis hin zur „computergestützten Integration heterogenen Wissens". „Der Studiengang vermittelt unter anderem Kenntnisse darüber, wie man ein CMS-System (Content-Management-System) aufstellt oder wie Datenbanken arbeiten, die natürlich formulierte Antworten liefern - so wie es beispielsweise die Figur Anna auf der Webseite eines schwedischen Möbelherstellers tut." Ein anderes Beispiel ist, wie in Webseiten Sprache erzeugt werden kann - wie man es also technisch schafft, dass Internettexte vorgelesen werden. Dabei werden auf Internetseiten umfangreiche Sprachdatenbanken hinterlegt, die unterschiedliche Phoneme, also Sprachlaute, vorhalten, die zu Worten kombiniert werden. Wenn der Anwender auf bestimmte Buttons klickt, wird der Text vorgelesen.
Daneben lernen die Teilnehmer auch, worauf es bei Projekt- und Qualitätsmanagement ankommt oder wie Wissensmanagement in der Verwaltung gelingt. Ein Praktikum steht nicht auf dem Studienplan, denn schließlich müssen alle Teilnehmer mindestens ein Jahr Berufserfahrung mitbringen.
„Pro Semester gibt es etwa neun Präsenzphasen, das übrige Wissen eignet man sich per E-Learning zuhause an." Das setzt voraus, dass man seine Zeit gut einteilen, sich organisieren und motivieren kann. Noch ist der Studiengang relativ übersichtlich, das heißt es gibt derzeit nur wenige Studierenden. Dies dürfte sich aber bald ändern. Denn der Beruf des Wissensmanagers ist stark im Kommen.

