Im Trend: Informationswesen studieren

Infomüll von Wissen unterscheiden

Der Bereich Informationswesen ist in Bewegung. Die technologische Entwicklung ermöglicht einen völlig neuen Umgang mit Daten, die nicht nur die Archive und Bibliotheken füllen. Denn immer mehr Firmen sind an einer professionellen Erfassung und Vermarktung von Informationen interessiert.

Das Foto zeigt einen Lesesaal in einer Bibliothek.

Informationswissenschaftler können nicht nur in klassischen Bibliotheken arbeiten.

Foto: Dörfel

Einige Hochschulen haben diese Entwicklung bereits erkannt: „Entsprechende Studiengänge werden immer bedeutender, weil ein Übergang von einer Industrie- und Wirtschaftskultur zu einer Kultur stattgefunden hat, die von Informationsströmen geprägt ist", bestätigt Stefan Gradmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. Alle Bereiche der Wirtschaft seien heute mit IT-Systemen unterfüttert. Das Funktionieren der Wirtschaft sei abhängig von der Zirkulation der Informationen. Dazu müssen Daten gesammelt und archiviert werden.

Viele digitale Medien

Du kannst dir darunter nichts Konkretes vorstellen? Bei den Stichworten

Das Foto zeigt ein Porträt von Stefan Gradmann. Er trägt einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine rote Krawatte.

Stefan Gradmann

Foto: Privat

Informationen sammeln und dokumentieren denkst du zu Recht an Berufe wie Archivar, Dokumentar oder Bibliothekar. Ohne die Vertreter dieser Berufe wäre die Menschheit um wichtige Kulturgüter und bibliophile Schätze ärmer. Vielleicht denkst du nun auch an altbekannte Klischees, die so gar nicht mit der vorangegangenen High-Tech-Beschreibung übereinstimmen. Stapelweise Akten und irgendwo dazwischen ein mürrisch dreinblickender Mensch, der pingelig genau ordnet, ablegt und sortiert. Mit dem Berufsalltag eines Archivars hat dieses Szenario aber nichts mehr zu tun. Denn heute bewahren Archivare und Dokumentare nicht nur Bücher und anderes Schriftgut vor dem Vergessen. Hinzugekommen sind nun auch digitale Audio-, Video- und Bildmaterialien.

„Das Berufsbild hat sich erweitert, da etwa Verwaltungen und Behörden, aber auch Unternehmen die neue digitale Technik nutzen. Diese bringt viele neue Anforderungen mit sich", sagt Frank Bischoff, Leiter der Archivschule Marburg. So beraten Archivare zum Beispiel bei der Einführung von IT-Systemen. Dieses Know-how ergänzt die traditionellen Fertigkeiten und Kenntnisse, wie Daten und Informationen langfristig erhalten werden können. Also staubige Akten ade? „Nein, mit Papierüberlieferungen umgehen zu können, ist auch heute noch nötig", sagt Bischoff.

Wie sieht aber dann die Arbeit von Archivaren und anderen Informationsspezialisten, wie die neuen Berufsbezeichnungen als Sammelbegriff heißen, aus? In einem Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für

Das Foto zeigt ein Porträt von Frank Bischoff. Er trägt einen dunklen Anzug und eine gestreifte Krawatte.

Frank Bischoff

Foto: Privat

Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. steht: „Information Professionals werden bereits auf der dem Informations- und Dokumentationsprozess vorgelagerten Stufe, der Entstehung von Wissen, eingesetzt, um es für die spätere Gewinnung von Informationen mit den jeweils gegebenen technischen Mitteln und Verfahren (Formalstrukturierung, Inhaltskennzeichnungen) zugänglich zu machen." In anderen Worten: Information Professionals werden zum Beispiel in Verlagen eingesetzt. Dort sammeln sie Rohinformationen und verarbeiten diese zu komplexen Dokumenten, die sie aufbereiten und den Benutzern zur Verfügung stellen.

Gute Aussichten in der Wirtschaft

Informationsspezialisten wie Wissens- oder Content-Manager, Informations-Broker und Informationswissenschaftler (siehe Beitrag: „Was machen eigentlich...?") finden nicht nur einen Job in den klassischen Bereichen Bibliothek und Archiv: „Für 2008 waren bei den Agenturen für Arbeit rund 3.000 freie Stellen für Informationsspezialisten gemeldet. Gut zwei Drittel dieser Angebote kamen aus der freien Wirtschaft", sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA). Überhaupt habe sich der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. „Die Zahl der Arbeitslosen ist seit 2005 Jahr für Jahr kontinuierlich zurückgegangen und das trotz deutlich gestiegener Absolventenzahlen. Ebenso gibt es ein Plus bei den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Bibliothekaren und Archivaren", sagt Beckmann. Diesen Trend hat auch Professor Gradmann ausgemacht: „Viele Unternehmen, die allein schon rechtlich dazu verpflichtet sind, Daten und Informationen langfristig bereitzustellen, gehen wieder dazu über, statt eines externen Beraters eigene Mitarbeiter einzusetzen, die das Wissen des Unternehmens managen und verwalten."

 
Informationswesen

Adressen und Links

BERUFENET

Datenbank für Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen der Bundesagentur für Arbeit

(Suchwörter (beispielsweise): „Info*" und „Wissen*")

http://berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur

für Arbeit (Suchwörter (beispielsweise): „Informationswesen*" und „Wissen*")

http://www.kursnet.arbeitsagentur.de

Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V.

http://www.dgi-info.de

Hier findet sich auch eine interessante „Denkschrift":

http://www.dgi-info.de/userfiles/DenkschriftInfokompetenzBildung.pdf

Portale zur Informationswirtschaft:

Infocommunity.de

http://www.infoconomy.de/index.php

arbeitskreis-wissensmanagement.de

https://www.arbeitskreis-wissensmanagement.org

competence-site.de

http://www.competence-site.de/wissensmanagement.nsf

contentmanager.de

http://www.contentmanager.de

Verband deutscher Archivare und Archivarinnen:

http://www.vda.archiv.net

Europäischer Leitfaden zur erfolgreichen Praxis im Wissensmanagement:

ftp://cenftp1.cenorm.be/PUBLIC/CWAs/e-Europe/KM/German-text-KM-CWAguide.pdf

Archivschule Marburg

http://www.archivschule.de

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Hintergrund: Berufe im Informationswesen

Was machen eigentlich...?

Auf dem Bild ist ein aufgeschlagener Ordner in Nahaufnahme zu sehen.

 

Foto: Kaiser / Willmy CC

... Informations-Manager

Sie verknüpfen betriebswirtschaftliches Wissen mit Kenntnissen der Informations- und Kommunikationstechnologien. Sie wissen, wie zum Beispiel Unternehmensinformationen gesammelt und auch technisch aufbereitet werden können, um schnell abrufbar zu sein. Unter anderem sind sie im Vertrieb oder im Marketing zu finden, arbeiten aber auch in Unternehmensberatungen.

... Content-Manager

Sie sind gefragt, wenn es um die Inhalte von Websites geht. Bei der Konzeption und Auswahl der Themen überlegen sie auch, mit welchen journalistischen Stilmitteln diese umgesetzt werden können. Content-Manager organisieren Grafiken oder Bildmaterial, sie schreiben, redigieren und passen Texte an oder beauftragen andere mit der Erstellung von Texten.

... Informations-Broker

Sie sind Profis darin, meist wirtschaftliche Fachinformationen zu recherchieren. Dabei nutzen sie das Internet, Spezialdatenbanken und  Archive. Im Auftrag ihrer Kunden wählen sie die geeigneten Informationen aus und präsentieren diese. Sie erstellen zum Beispiel auch Berichte oder Zusammenfassungen. Diese Spezialisten arbeiten beispielsweise für Branchen- oder Finanzanalysten, für Werbeagenturen, Rechtsanwaltskanzleien oder für Fachzeitschriften.

... Informationswissenschaftler

Sie optimieren mittels moderner Informations- und Kommunikationstechnologien die Nutzung gespeicherten Wissens: Sie analysieren, gestalten und bewerten Informationsflüsse und -produkte unter technischen, ökonomischen und juristischen Aspekten, ermitteln aus vorhandenen Medien Informationen, rufen sie ab und bereiten sie für eine anderweitige Verwertung auf. Sie arbeiten etwa im Bibliotheks- und Dokumentationswesen, in den Informations- und Organisationsabteilungen von Industrie und Handel, bei Datenbankanbietern und Softwarehäusern, in der Medienwirtschaft, in Forschungseinrichtungen oder in der Unternehmensberatung.

...Informationswirte

So nennen sich etwa Absolventen des Studiengangs Informationswirtschaft an der FH Köln. Sie können in unterschiedlichen Bereichen arbeiten, sind zum Beispiel als Enterprise Content Manager tätig. Diese gelten als Archivierungsspezialisten, die wissen, wie man Daten speichert, was Datenschutz bedeutet oder wie man mit Dokumentenmanagementsystemen umgeht. Werden Informationswirte als „Researcher" eingesetzt, übernehmen sie ähnliche Aufgaben wie Informations-Broker.

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Hintergrund: Wie verändern Informationen die Gesellschaft

Information ist ein Wirtschaftsgut

Unmengen von Daten beeinflussen und verändern unser Leben, nicht nur im privaten Bereich. Besonders im Wirtschaftsleben spielen Informationen eine immer wichtigere Rolle.

Auf dem Foto ist ein Bücherregal zu sehen.

Für die Organisation der Informationen werden moderne Technologien notwendig.

Foto: Dörfel

Beispiele gibt es genug: Aufzeichnungen belegen, ob ein Pharmahersteller seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen ist, gezielt gestreute Informationen können Börsenkurse beeinflussen, Daten unterstützen Marketingaktivitäten. Informationsprozesse dienen der Marktforschung, unterstützen den Aufbau neuer Vertriebsstrukturen oder verschaffen den entscheidenden Wettbewerbsvorteil in einer digitalen Gesellschaft - „information just in time". Kurz: Information als solche hat sich zu einem wichtigen Wirtschaftsgut entwickelt.

Moderne Technologien

Um die Flut an Informationen in den Griff zu bekommen, werden verstärkt moderne Technologien eingesetzt. Informationsspezialisten bauen neue Datenbanken auf und recherchieren online in weltweit verfügbaren Datenpools. Sie entwickeln Intranetlösungen (firmeninternes Informationsnetzwerk) und konzipieren und realisieren Web-Auftritte. Und sie wissen mit Content-Management-Systemen - Systemen, mit denen Wissen und Inhalte verwaltet werden - umzugehen und diese zu pflegen. Und zwar so, dass jede Information auch wieder auffindbar ist. Diese Spezialisten liefern und verwalten Online-Inhalte, sind im Bereich E-Commerce oder im Online-Publishing tätig. Das bedeutet kurz gesagt, sie beschaffen Informationen aller Art, strukturieren diese und verwalten sie. Und weil immer mehr Informationen produziert und verteilt werden, ist die Nachfrage nach diesen Fachleuten groß: Der Wissensmanager, wie eine andere Bezeichnung heißt, ist ein Beruf mit Zukunft.

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Information Engineering

Studium mit Perspektive

Information Engineering heißt der Studiengang an der Universität Konstanz, für den sich Paula Erdös entschieden hat. Unterstützt von zahlreichen praktischen Übungen lernt die 20-Jährige, wie Informationen aller Art verarbeitet und aufbereitet werden können. Mit dieser Ausbildung stehen ihr zahlreiche Berufe offen.

Auf dem Bild sind mehrere Ordner in einem Regal zu sehen.

 

Foto: Kaiser / Willmy CC

Der Studiengang Information Engineering ist ein angewandter Informatikstudiengang, in dem ein Schwerpunkt auf Information liegt. Ein Beispiel ist das Data Mining. Hier werden große Datenmengen mit bestimmten Methoden durchsucht, um Muster zu erkennen. Ein anderes Beispiel ist Visual Computing, bei dem es etwa um die Verarbeitung und Analyse von Bilddaten geht. Auch das Thema Mensch-Computer-Interaktion wird im Studium behandelt.

Visuelle Darstellung

Im Unterschied zu einem reinen Informatikstudiengang wird an der Uni Konstanz jedoch weniger Mathewissen gefordert. „Vielmehr steht neben der reinen Informationsverarbeitung auch die grafische, visuelle Darstellung der Informationen im Mittelpunkt", berichtet die 20-Jährige. Sie studiert im dritten von sechs Bachelor-Semestern. „Im ersten Semester habe ich die Grundlagen der praktischen Informatik kennen gelernt, zum Beispiel mit Java zu programmieren", sagt Paula Erdös. „Das hat mir einen guten Überblick darüber gegeben, wie Netzwerke und das Internet zusammenhängen." Nicht nur das. „Ich finde es gut, dass es so viele Übungen gibt. So habe ich schon einmal mit einem Mitstudierenden ein Chat-Programm geschrieben", erzählt die Studentin. Wenn man gemeinsam lerne, komme man viel schneller voran.

Ergänzt wird dieses Basiswissen von grundlegenden Kenntnissen im Fach Informationsmanagement, wo es zum Beispiel um unterschiedliche Datenbankkonzepte geht. Dabei lernen die Studierenden, wie Datenbanken strukturiert sein müssen, um bestimmte Inhalte zu speichern, zu verknüpfen und vor allem, später wieder zu finden. Im dritten Semester beschäftigt sich Paula Erdös mit Informationsverarbeitung, zum Beispiel mit dem Thema Datenstrukturen. „Es geht darum, wie man Texte aufbereitet, damit sie anschließend nicht im System verschwinden, oder wie man Suchanfragen startet." Dabei kommen auch statistische Methoden zum Einsatz, die Texte nach ihrer Relevanz auswerten.

Die ersten vier Semester zählen als Grundstudium, die übrigen zwei Semester als Vertiefungsstudium. Die 20-Jährige wird dann die Möglichkeit haben, noch stärker in die Grundlagen der Informatik oder in die Themen Software Engineering, Suchsysteme oder Datenbanken einzusteigen.

Mit der Powerwall

Die Studentin hat bereits herausgefunden, womit sie sich später im Studium beschäftigen will: zum Beispiel mit der sogenannten „Powerwall", mit der im fünften Semester gearbeitet wird. Dies ist ein etwa zwei mal acht Meter riesiger Bildschirm mit einer Auflösung von acht Millionen Pixeln, auf dem die Interaktion zwischen Mensch und Computer dargestellt werden kann - indem zum Beispiel der Zeigefinger als Computermaus fungiert und sich auf dem Bildschirm die Grafik bewegt, wenn man mit den Finger auf sie deutet.

Während eines Bachelor-Projektes wird Paula Erdös im Team mit ihren Kommilitonen auch an einer konkreten Aufgabenstellung aus den Arbeitsgruppen der Wissenschaftler am Fachbereich arbeiten, um das Gelernte anzuwenden. Welches dies sein wird, weiß sie allerdings noch nicht. Manche ihrer Kommilitonen haben sich zum Beispiel damit beschäftigt, wie man Objekte aus dem wirklichen Leben wie etwa einen Baum oder ein Haus mit einem 3D-Scanner rundherum visualisieren kann. „Ich möchte meine Kenntnisse im Bereich Netzwerke oder in der Grafikprogrammierung vertiefen", plant die 20-Jährige.

Bereits zur Halbzeit ihres Studiums weiß sie, dass sie in jedem Fall ein Masterstudium anschließen möchte - „auch wenn bereits der Bachelorabschluss gute Berufsaussichten bietet". Ob im Bibliotheks- und Fachinformationsbereich, in der Softwaredokumentation, in der Entwicklung graphischer Benutzeroberflächen, oder als Entwicklerin in der Film- und Simulations- oder Computerindustrie, als Interaktionsdesignerin, als Spezialistin für Marktforschung oder für Logistik, als Netzwerkadministratorin oder als Datenanalystin - die Auswahl an Tätigkeiten ist breit gefächert.

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Informations- und Wissensmanagement

Im Teilzeitstudium zum Wissensmanager

Im Beruf arbeiten und gleichzeitig studieren? An der Fachhochschule Hannover kein Problem. Die Diplom-Bibliothekarin Anke Wittich wollte sich "breiter aufstellen" und hat erst vor wenigen Wochen das Masterstudium "Informations- und Wissensmanagement" an der FH Hannover abgeschlossen.

Das Foto zeigt Anke Wittich vor einem Bücherregal.

Nach ihrem Master-Abschluss stehen Anke Wittich viele neue Möglichkeiten offen.

Foto: Privat

„Es hat sich gelohnt, ich würde es wieder studieren", resümmiert Anke Wittich, die zu den Absolventen des ersten Jahrgangs gehört. Die 42-Jährige hat zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn unter anderem in der Spezialbibliothek des Deutschen Wetterdienstes gearbeitet und begleitet nun in Braunschweig in der Ortsbücherei ein Leseförderungsprojekt. „Das Masterstudium ‚Informations- und Wissensmanagement' eröffnet zahlreiche neue Berufsmöglichkeiten", sagt sie. „Man kann in einer Unternehmensberatung arbeiten, einen Schritt in Richtung Unternehmenskommunikation gehen und sich für den höheren wissenschaftlichen Dienst qualifizieren."

Fit im Management

Fünf Semester dauert der berufsbegleitende Studiengang, der sich zum Beispiel an Diplom-Bibliothekarinnen richtet, aber auch an Dokumentare/innen oder andere Interessierte, die sich fit machen möchten in Sachen Managementaufgaben. Daneben ist der Studiengang auch interessant für jene, die im Bereich der Gestaltung und der Bereitstellung von Text, Video oder Animation ihr Wissen erweitern wollen.

So behandelt das Wahlpflichtmodul „Wissensmanagement und Lernen" Themen wie E-Learning (elektronisch unterstütztes Lernen) oder Wissenskommunikation. Wissensmanagement sei für Unternehmen sehr interessant, sagt Anke Wittich. Sie erläutert, dass Unternehmen gezielt Wissen erwerben und dieses dokumentiert und anderen bereitgestellt werden muss. Dazu seien Informationsstrukturen notwendig, aber auch das Know-how, wie man diese Inhalte miteinander verknüpft. Anke Wittich beschäftigte sich während ihres Studiums etwa mit Theorien und Konzepten, wie große Firmen kollektiv lernen können. „Wissensmanager sagen den Unternehmen, was sie tun müssen, damit ihr Wissensmanagement funktioniert." So war es eine logische Konsequenz, dass sie in ihrer Masterarbeit ein Wissensmanagement-Konzept erarbeitete - für einen Finanzdienstleister.

Vorlesen aus dem Internet

In zahlreichen Lehrveranstaltungen erwerben die Teilzeitstudierenden wertvolles weiteres Know-how. Die Themen reichen von der Verarbeitung geschriebener und gesprochener Sprache, über Audio- oder Bildinformation bis hin zur „computergestützten Integration heterogenen Wissens". „Der Studiengang vermittelt unter anderem Kenntnisse darüber, wie man ein CMS-System (Content-Management-System) aufstellt oder wie Datenbanken arbeiten, die natürlich formulierte Antworten liefern - so wie es beispielsweise die Figur Anna auf der Webseite eines schwedischen Möbelherstellers tut." Ein anderes Beispiel ist, wie in Webseiten Sprache erzeugt werden kann - wie man es also technisch schafft, dass Internettexte vorgelesen werden. Dabei werden auf Internetseiten umfangreiche Sprachdatenbanken hinterlegt, die unterschiedliche Phoneme, also Sprachlaute, vorhalten, die zu Worten kombiniert werden. Wenn der Anwender auf bestimmte Buttons klickt, wird der Text vorgelesen.

Daneben lernen die Teilnehmer auch, worauf es bei Projekt- und Qualitätsmanagement ankommt oder wie Wissensmanagement in der Verwaltung gelingt. Ein Praktikum steht nicht auf dem Studienplan, denn schließlich müssen alle Teilnehmer mindestens ein Jahr Berufserfahrung mitbringen.

„Pro Semester gibt es etwa neun Präsenzphasen, das übrige Wissen eignet man sich per E-Learning zuhause an." Das setzt voraus, dass man seine Zeit gut einteilen, sich organisieren und motivieren kann. Noch ist der Studiengang relativ übersichtlich, das heißt es gibt derzeit nur wenige Studierenden. Dies dürfte sich aber bald ändern. Denn der Beruf des Wissensmanagers ist stark im Kommen.

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Studiengänge im Überblick

Verschiedene Zugangsmöglichkeiten

Über zahlreiche Bachelorstudiengänge findet man Zugang zum Beruf des Wissensmanagers oder Information Professionals. Etwa 20 Studiengänge im Bereich Informationswesen bieten deutsche Hochschulen an.

„Generell haben sich alle Studiengänge in den vergangenen Jahren zunehmend digitalen Methoden der Wissensaufbereitung zugewandt, mit teils unterschiedlichen Schwerpunkten wie Multimedia oder digitale, also virtuelle Bibliotheken im Netz", weiß Professor Stefan Gradmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. Studienangebote wie etwa Informations- und Wissensmanagement, Information Engineering oder Informationswirtschaft vermitteln das nötige Know-how, wie Informationen professionell gebündelt und in abstrakten Einheiten strukturiert werden können, die Wissen darstellen. Es geht darum, qualitativ hochwertige Informationen herzustellen und diese vom Infomüll zu unterscheiden.

Arbeitgeber Wissenschaft

Ein klassischer Hort des Wissens sind natürlich die Hochschulen und somit auch ein potientieller Arbeitgeber: „Speziell in der Wissenschaft spielen Informationsspezialsten eine wichtige Rolle. Man muss Informationen dauerhaft verfügbar halten, sonst funktioniert die wissenschaftliche Belegbarkeit nicht mehr", weiß Professor Gradmann. Um in der Wissenschaft tätig zu sein, ist ein Bachelorabschluss allerdings nicht ausreichend. „Der Masterabschluss ist dann erforderlich, wenn man mit Wissenschaftsbezug arbeiten möchte oder wenn man für Unternehmen komplexe Wissenssysteme konzipiert. Dazu ist zusätzlich ein gutes Überblicks- und Managementwissen nötig", sagt Stefan Gradmann.

Manche Studiengänge wie zum Beispiel Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin sind aus der Bibliothekswissenschaft heraus entstanden. Andere Studiengänge wie Internationales Informationsmanagement an der Universität Hildesheim sind im Bereich Informations- und Kommunikationswissenschaften angesiedelt. Wer Archivar werden möchte, kann sich an der Archivarschule Marburg ausbilden lassen oder an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern.

Studiengangsübersicht (eine Auswahl)

Informationswissenschaft(en) kann man studieren an der

Fachhochschule Potsdam

http://informationswissenschaften.fh-potsdam.de

Universität Hildesheim

http://www.uni-hildesheim.de/de/fb3.htm

Hochschule Darmstadt

http://www.iuw.fh-darmstadt.de

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/infowiss

Universität des Saarlandes

http://is.uni-sb.de

Universität Regensburg

http://www-iw.uni-regensburg.de

Bibliotheks- und Informationswissenschaft - Diplom-Bibliothekar/in (FH) werden angeboten an der

Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

http://www.htwk-leipzig.de

Humboldt-Universität zu Berlin

http://www.ib.hu-berlin.de

Universität Augsburg

Informatik und Informationswirtschaft

http://www.informatik.uni-augsburg.de

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Informationswesen: Umfrage unter Studierenden

Warum studierst du Informationswesen?

Warum hast du dich für ein Studium im Informationswesen entscheiden? abi>> hat sich auf dem Campus umgehört.

Das Foto zeigt ein Porträt von Stefanie Marx. Sie hat lange dunkle Haare und trägt ein schwarzes T-Shirt.

Stefanie Marx

Foto: Privat

Stefanie Marx (19), 3. Semester Information Engineering, Universität Konstanz:

Es stimmt schon, der Studiengang ist relativ technisch. Doch ich habe mich nie irgendwelchen Klischees hingegeben oder mich in die Frauenrolle hineindrängen lassen, zum Beispiel etwas Geisteswissenschaftliches zu studieren. Ich lerne jetzt im Detail, wie Computer und das Internet funktionieren, das gefällt mir sehr gut. Wir werden auch darauf vorbereitet, später einmal mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Programmiersprachen zu arbeiten. In meinem Studium fühle ich mich ausgiebig betreut, wir nutzen moderne PCs. Die Professoren sind nicht von gestern, sie vermitteln aktuelles Wissen. Was ich später einmal werden möchte, weiß ich noch nicht. Mein Hauptinteresse gilt aber der Softwareentwicklung oder der Wartung von Datenbanken.

Das Foto zeigt ein Porträt von Christoph Möller. Er hat kurze braune Haare und trägt eine Brille.

Christoph Möller

Foto: Privat

Christoph Möller (25), 6. Semester Informationswirtschaft, FH Köln

Ich recherchiere gerne, das liegt mir und das kann ich. Da könnte ich eigentlich Journalistik studieren, doch das Schreiben mag ich nicht so sehr. Mich interessiert, wie man Informationen recherchiert, analysiert, strukturiert, sie vermarktet und strategisch verkauft. Man kann zum Beispiel in Unternehmensberatungen nach Themen, Ländern oder Technologien recherchieren. Den Studiengang halte ich für sehr interessant, weil er auf IT und Informationswissenschaft setzt. Außerdem ist er noch nicht so überlaufen. Die Berufschancen hängen auch vom persönlichen Engagement und dem Aufbau von Kontakten ab. Dann hat man, denke ich, auch gute Möglichkeiten.

Das Foto zeigt Maxi Kindling auf einer Brücke.

Maxi Kindling

Foto: Privat

Maxi Kindling (25), 12. Semester Bibliotheks- und Informationswissenschaft" (ehemals Bibliothekswissenschaft), Humboldt-Universität zu Berlin

Mit meinem Abschluss sehe ich mich als Wissensmanagerin an Schnittstellen zwischen der Produktion und Vermittlung von Wissen. Zum Beispiel verknüpfe ich mein geisteswissenschaftliches Studium mit Möglichkeiten der digitalen Aufbewahrung von Wissensbeständen, die über lange Zeiträume verfügbar gehalten werden sollen. Bibliotheken und andere Informationseinrichtungen bewahren dabei nicht nur analoge, sondern immer mehr digitale Informationen jeglicher Art auf und erschließen diese Informationen. Das birgt eigene Probleme und ist natürlich auch näher an der Informatik. Wir sind Fachleute, die hier Lösungen finden und etwa auch Unternehmen bei Archivierungsprozessen unterstützen."

Das Foto zeigt ein Porträt von Sebastian Fichtner.

Sebastian Fichtner

Foto: Privat

Sebastian Fichtner (26), 3. Semester Information Engineering, FH Köln

Ich habe zuerst kurz Medieninformatik studiert, bin dort aber nicht so richtig weitergekommen. Ich wollte etwas Überschaubares machen, etwas Zielführendes. Das habe ich im Studiengang Information Engineering gefunden. Hier nimmt man sich viel Zeit für die Lehre. Als wissenschaftliche Hilfskraft arbeite ich an einem Projekt mit, bei dem dreidimensionale Modelle von Bäumen mittels Algorithmen erzeugt werden. So etwas wird später in der Landschaftsplanung, in Videospielen oder in Musikvideos genutzt. Was ich später einmal machen will, weiß ich noch nicht. Ich habe aber die Sicherheit, dass man mit diesem Abschluss in jedem Fall einen Job bekommt.

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Informationswirtschaft

"Das Internet passt gut zu mir"

Wirtschaft und Internet — nichts findet Maurice Kock faszinierender als diese Kombination. Kein Wunder also, dass er an der Fachhochschule (FH) Köln Informationswirtschaft studiert.

Maurice Kock

Maurice Kock will sich nach dem Studium im Bereich der Informationsbeschaffung selbstständig machen.

Foto: Privat

Das Internet habe ihn seit langem schon begeistert, berichtet Maurice Kock. Wie man in Sekundenschnelle auf Informationen zugreifen könne, wie das „worldwideweb" den Markt verändert hat - all das fasziniert den 24-Jährigen. „Ich bin ein wissbegieriger Mensch, daher passt das Internet gut zu mir." Konsequenterweise entschied er sich für den Studiengang Informationswirtschaft an der FH Köln. Das Studium verbindet Betriebswirtschaft mit Informationswissenschaft und -technik. „Ich bekomme hier einen sehr guten Überblick darüber, welche betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten das Internet bietet, was technologisch machbar ist und wie man Zugang zu Informationen bekommt", erklärt Maurice Kock, der gerade das dritte Semester beendet hat.

Vertriebsmodelle im Internet

In der Vorlesung „Information and Communication" im zweiten Semester erfuhr er, nach welchen Strategien Informationsanbieter arbeiten. „Über's Internet kann man zum Beispiel Musik, Filme oder Zeitungsartikel digital vertreiben, denn die Vertriebskosten eines Downloads sind im Gegensatz zum Einzelhandel nahezu Null. Dabei kann man Netzwerkeffekte nutzen", erläutert Maurice Kock. Dies bedeutet: Je mehr Nutzer an einer Community beteiligt sind, desto größer ist der Nutzen für jedes einzelne Mitglied. „Bietet ein Unternehmen etwa ein Jahr lang eine Internetanwendung gratis an, wächst die Nutzerzahl rasant. Durch die hohe Nutzerzahl kann man das Produkt später mit Mitgliedsbeiträgen oder Werbung zu Geld machen", erklärt der Student.

Neben Statistikwissen vermittelt der Studiengang auch Kenntnisse in Informationstechnologie, der zweiten Säule des Studiengangs. „Wir haben auch selbst programmiert, um zu lernen, welche Möglichkeiten es gibt. Während eines Laborpraktikums haben wir die Internetstartseite für eine fiktive Firma erstellt", sagt Maurice Kock. Ein anderes Modul informierte über Datenstrukturen, Softwareentwicklung und elektronische Publikationen.

Ein weiterer Themenkomplex ist „Information Research". Hier erfuhr Maurice Kock, wie man gezielt in professionellen Datenbanken nach ganz speziellen Informationen wie etwa Firmendaten sucht. „Für Konkurrenz- oder Marktanalysen benötigt man Informationen, die man im öffentlichen und für alle zugänglichen Internet nicht oder nur schwer finden kann", erläutert der Student.

Je nach Vorgabe des Professors werden auch Klausuren, Referate oder Hausarbeiten verlangt. Maurice Kock setzte sich in seinen schriftlichen Arbeiten mit dem Thema auseinander, wie das Internet die Musikindustrie verändert. In einer anderen Hausarbeit verglich er die MP3-Download-Geschäftsmodelle von iTunes und Amazon.

Als reines Praxissemester ist hingegen das vierte Semester angelegt. Vier Monate lang wird Maurice Kock bei einem deutschen Verlag arbeiten. Dieser beschäftigt sich, neben dem Buchgeschäft, auch damit, junge Internetfirmen mit Kapital auszustatten - ein Geschäftsmodell, das sich „Risikokapitalbeteiligung" nennt. „Dort lerne ich etwa, nach welchen Kriterien Businesspläne bewertet werden."

Blogs auswerten

Sehr gespannt ist Maurice auf die Vorlesung „Informations- und Wissensmanagement" im fünften Semester. „Es geht unter anderem um Datenbankerstellung und wie man Texte elektronisch miteinander vergleichen kann, um daraus automatisch Wissen zu ziehen." Besonders interessant dürfte Maurice auch das sechste Semester finden. Denn kurz vor dem Studienende bieten die Professoren ein so genanntes informationswirtschaftliches Projekt an, das zum Beispiel in Kooperation mit einem Automobilhersteller stattfindet. So verfolgen und analysieren die Studierenden etwa, was in Blogs über den Hersteller geschrieben wird und geben diese Erkenntnisse an das Unternehmen weiter.

Für Maurice Kock steht fest: „Ich will mich nach dem Studium selbstständig machen." Dann will er unterschiedliche Internetanwendungen für den Massenmarkt entwickeln und betreiben, ohne Bestehendes zu kopieren. Details verrät er jedoch nicht. Obwohl er noch drei Semester vor sich hat, ist dem Studenten klar: „Von dem Studium verspreche ich mir einen klaren Informationsvorsprung. Das Wissen, das hier im Studium vermittelt wird, ist nicht veraltet, sondern sehr aktuell."

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abi>> Film:

Bundesagentur für Arbeit - Stand 07.09.2010