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Nicht alles nur Theater

Hand an einem Mischpult
Im Studium der Theaterwissenschaft können sich die Studierenden in den verschiedenen Bereichen der Theaterwelt ausprobieren.
Foto: Christof Stache

Theaterwissenschaften

Nicht alles nur Theater

Johannes Oertel (24) studiert im Bachelorstudiengang Theaterwissenschaft in München und hat sich schon als Dramaturgie- und Regie-Assistent an unterschiedlichen Bühnen Europas ausprobiert. Aber nicht nur die Theaterkunst reizt ihn, auch Kulturmanagement könnte er sich vorstellen.

Johannes Oertels Antrieb sind seine Leidenschaft für das Musiktheater und seine Neugierde auf alles, was mit der Bühne zu tun hat. „Theaterwissenschaft bereitet nicht auf ein spezielles Berufsbild vor. Man kann Regisseur oder Dramaturg werden, ins Management gehen oder versuchen, an der Uni Fuß zu fassen“, berichtet der 24-Jährige, der im fünften Semester im Bachelorstudiengang Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München (LMU) studiert.

Sich selbst ausprobieren auf der Studiobühne

Sein Studium startete mit einem Grundkurs in Theaterwissenschaft. In den ersten drei Semestern wurde die Theatertheorie, -geschichte und Inszenierungsgeschichte gelehrt. „Weil man sich in Theaterwissenschaft mit der Aufführung auseinandersetzt und nicht mit dem Werk alleine, haben Theorien zur Ästhetik eine große Bedeutung im Studium“, sagt Johannes Oertel. Zur Vorbereitung auf Seminare liest er viel, besucht im Rahmen von Exkursionen Aufführungen oder schaut sich Aufnahmen einer Inszenierung an. In Referaten und Seminararbeiten setzt er sich anschließend kritisch damit auseinander und diskutiert seinen Standpunkt mit Mitstudierenden.

Das Besondere an der LMU ist eine Studiobühne, für die sich Studierende mit einem Konzept bewerben und Stücke inszenieren können. „Das gibt uns einen großen Freiraum, sich in unterschiedlichen Positionen, die es am Theater gibt, auszuprobieren.“ Schauspiel, Musiktheater, Tanz, Performance, Figuren- und Objekttheater, Kinder- und Jugendtheater – alles ist möglich.

In den Fußstapfen der Eltern

Weil beide Eltern Opernsänger sind, ist Johannes Oertel nach eigenen Worten „musiktheatersozialisiert“ und sammelte als Mitglied im Kinderchor und als Statist an der Komischen Oper in Berlin erste Theatererfahrungen: „Das habe ich acht Jahre lang mit großer Hingabe und Leidenschaft gemacht. Ich hatte schon früh den Wunsch, Opernregisseur zu werden.“

Weil er aber, wie er selbst behauptet, für das Klavierspielen kein besonderes Talent hat, kam für Johannes Oertel ein Regiestudium des Musiktheaters nach dem Abi doch nicht in Frage. Stattdessen machte er an der Komischen Oper ein Praktikum im Bereich Dramaturgie. Diese Abteilung ist für die inhaltlich-konzeptionelle Ausrichtung eines Theaters oder Stücks verantwortlich. „In dieser Zeit habe ich wahnsinnig viele Leute kennen gelernt und hatte ein neues berufliches Ziel: Ich wollte Dramaturg werden“, erzählt er.

Studium und Regieassistenz

Also schrieb er sich in den Studiengang Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin ein. Dies klappte dank seines sehr guten Abis. Aufgrund der großen Nachfrage ist das Studium dort örtlich zulassungsbeschränkt. „Da habe ich aber bald gemerkt, dass die fachliche Ausrichtung in Berlin nicht meinen Interessen entspricht.“ Er suchte nach Alternativen und wurde in München fündig: An der LMU gibt es eine Musiktheater-Professur. Die Zeit bis zum Wechsel im Wintersemester nutzte er für eine Regie-Hospitanz in Basel und während des Studiums arbeitete er weiter als Regie-Assistent an der Staatsoper in München.

Berufliche Zielverschiebung

Nach seinen vielen Theaterjobs und den ersten Semestern an der Uni ist Johannes Oertel mittlerweile klar, dass er nicht zwingend im künstlerischen Bereich arbeiten muss. Er kann sich auch gut eine Position in der Kulturförderung oder im Kulturmanagement vorstellen. In seiner Bachelorarbeit, die für das siebte Semester vorgesehen ist, will er sich deshalb mit dem Thema „Kultur als Wirtschaftssektor“ auseinandersetzen.

Die Faszination fürs Theater als Erlebnis ist ihm aber geblieben. „Zuschauer und Darsteller sind in einem Raum miteinander präsent. Es ist ein geschützter, also quasi ‚konsequenzfreier‘ Raum. Man kann Dinge, Verhaltensweisen ausprobieren“, sagt Johannes Oertel. „Aber als Zuschauer fängt man hoffentlich an, sich mit dem auseinanderzusetzen, was auf der Bühne passiert – dann bekommt dies eine Konsequenz für das eigene Leben.“

abi>> 18.04.2019