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Praktika als zentraler Erfolgsfaktor

Eine junge Frau bespricht sich mit einem Kollegen.
Durch Praktika können die Studierenden etwa herausfinden, ob sie sich in einem großen Kulturtanker oder in einer kleinen Agentur besser aufgehoben fühlen.
Foto: Axel Jusseit

Kultur- und Regionalwissenschaften: Interview

Praktika als zentraler Erfolgsfaktor

Alles, was wir tun, ist kulturell geprägt und jede Gesellschaft hat ihre eigene Kultur. abi» sprach mit Prof. Dr. Birgit Mandel, der Vorsitzenden des Fachverbandes Kulturmanagement und Professorin an der Universität Hildesheim, darüber, was man für ein Studium der Kulturwissenschaft und einen gelungenen Berufseinstieg mitbringen sollte.

abi>> Frau Mandel, was machen Kulturwissenschaftler eigentlich?

Ein Porträt-Foto von Birgit Mandel

Birgit Mandel

Foto: Privat

Birgit Mandel: Sie arbeiten vorwiegend im Kulturmanagement und der Kulturvermittlung, außerdem in der Kulturproduktion und im Wissenschaftsbereich. Sie haben ein sehr vielfältiges Arbeitsfeld. In Museen, Theatern oder Konzerthäusern beispielsweise sind sie als Dramaturgen, Regisseure oder Kuratoren inhaltlich tätig. Oder sie sind im Kulturmanagement beschäftigt, etwa in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Auch gemeinnützige Organisationen wie Kunstvereine, Literaturhäuser oder Kulturzentren stellen Kulturwissenschaftler ein. Ein weiterer Sektor ist die private Wirtschaft. Hier arbeiten unsere Absolventen im Projektmanagement oder im Marketing, bei Verlagen sowie in der Film- und Musikindustrie.

abi>> Für viele der Felder, die Sie genannt haben, gibt es spezielle Studiengänge. Was spricht für ein breit angelegtes Studium der Kulturwissenschaft?

Birgit Mandel: Meine Erfahrung ist, dass viele junge Leute noch gar nicht wissen, wo ihre Stärken liegen. Sie wissen nicht, welche Arbeitsbereiche es im Kultursektor gibt. Wir in Hildesheim verknüpfen das Studium deshalb mit mindestens zwei Praktika, bei denen die Studierenden herausfinden können, wie der Arbeitsalltag aussehen kann. Kommen sie in einem großen Kulturtanker wie einem Museum zurecht oder fühlen sie sich in einer kleinen Agentur besser aufgehoben?

abi>> Was muss man mitbringen, um als Kulturwissenschaftler erfolgreich zu sein?

Birgit Mandel: Das Wichtigste ist eine große Kommunikationsfreudigkeit und -fähigkeit. Dazu sollten ein starkes Interesse an Kunst und ästhetische Affinität kommen. In unserer Eignungsprüfung verlangen wir, dass die Bewerber einen Film drehen, eine Mappe vorlegen oder eine Szene vorspielen. Das muss nicht handwerklich perfekt sein – aber man muss über das, was man gemacht hat, reflektieren und sprechen können.

abi>> Was braucht man, um nach dem Studium beruflich einen Fuß in die Tür zu kriegen?

Birgit Mandel: Praktika sind der zentrale Erfolgsfaktor. Am besten sammelt man vielfältige Praxiserfahrung in verschiedenen Kulturprojekten und -institutionen. Von unseren Absolventen haben 80 Prozent in den ersten drei Monaten nach Abschluss eine Stelle bekommen und zwar vor allem dank ihrer Praktika und der dadurch gewonnenen Erfahrungen und Kontakte. Sehr positiv wirkt sich aus, dass die Stellen in der Kultur in den vergangenen 15 Jahren gewachsen sind.

abi>> Wie wichtig sind Auslandserfahrung und Fremdsprachen?

Birgit Mandel: Sie sind in der globalisierten Welt wichtiger denn je. Man sollte versuchen, während des Studiums ein Auslandssemester zu machen, um andere Kulturen kennenzulernen und seine Perspektiven auf die Welt zu erweitern. Insgesamt ist das Arbeitsfeld Kultur sicherlich sehr herausfordernd, längere Arbeitszeiten und ein geringerer Verdienst als in anderen akademischen Feldern sind die Norm. Zugleich handelt es sich aber auch um ein sehr erfüllendes und vielfältiges Berufsfeld mit guten Chancen, in dem sich kontinuierlich neue Aufgabenfelder entwickeln und selbst gestaltet werden können.

abi>> 17.08.2015