Ein anderer Zugang zur Welt
Sie haben eine ganz eigene Sprache: Menschen, die nicht oder nur schlecht hören. Ihre Gebärdensprache, aber auch ihre ganz eigene Kultur, ist Gegenstand des Bachelorstudiengangs "Deaf Studies" (Sprache und Kultur der Gehörlosengemeinschaft) an der Humboldt-Universität zu Berlin. "Absolut faszinierend" findet ihn die 21-jährige Laura Schwengber.
Laura Schwengber (21) lernt in ihrem Studiengang unter anderem Gebärdensprache.
Foto: Privat
„Mein bester Freund ist taubblind. Ich wollte etwas mit Menschen machen, die einen ganz anderen Zugang zur Welt haben“, erklärt Laura Schwengber. Darum hat sie sich für den sechssemestrigen Bachelorstudiengang an der Berliner Humboldt-Uni eingeschrieben, der für ein breites Spektrum an Tätigkeiten qualifiziert. Die Studierenden der „Deaf Studies“ belegen in der Regel das Zweitfach „Deutsche Gebärdensprache“ und lernen die Sprache von Grund auf. Im Kernfach geht es um die Kommunikation, Sprache und Kultur der Gehörlosengemeinschaft, um sozialwissenschaftliche Aspekte oder auch um Körperfunktionen und -strukturen. Die Absolventen des Studiengangs können pädagogisch, therapeutisch, beratend und sprachpraktisch mit Gehörlosen oder eingeschränkt hörenden Menschen arbeiten. Arbeitgeber können beispielsweise Interessenverbände, Beratungsstellen, Kindergärten, Schulen oder Altersheime sein.
Arbeitsort Bildungsbereich
„Ich könnte mir vorstellen, in der Frühförderung zu arbeiten“, sagt Laura Schwengber. Damit sind pädagogische und therapeutische Maßnahmen für Kinder mit Behinderung gemeint. „Dann könnte ich die Eltern gehörloser Kinder im Umgang mit ihrem Nachwuchs beraten.“ Mögliche Arbeitgeber wären Frühförderstellen, die sich unter anderem in Trägerschaft der freien Wohlfahrtspflege oder in kommunaler Trägerschaft befinden. „Für mich käme aber auch eine freiberufliche Tätigkeit in Frage“, meint die 21-Jährige, die derzeit im dritten Semester ist. Von ihrem Studiengang ist sie in jedem Fall begeistert: „Unsere Dozenten sind teilweise taub und wir treffen oft Gehörlose. Ich tauche in eine ganz neue Kultur ein.“ Für sie war es auch ganz selbstverständlich, dass ihr Studiengang einen englischen Titel trägt. „Für meine Generation ist das doch nicht ungewöhnlich. Taube sind übrigens international vernetzt – das passt also sehr gut.“




