Hoffnung auf leitende Position
Manchmal wurde Stefanie Weyer komisch angeguckt, als sie im Rollstuhl durch die Fußgängerzone rollte. Manchmal gaben ihr die Menschen das Gefühl, dass sie eigentlich komplett hilflos sein müsste. Es war für die 21-Jährige eine ganz neue Erfahrung zu erleben, wie sich Rollstuhlfahrer fühlen. Denn krank oder gelähmt ist sie eigentlich nicht. Es handelte sich vielmehr um eine Übung im Rahmen ihres Bachelorstudiums der Ergotherapie an der privaten Hochschule Fresenius in Idstein.
In ihrem Studium kann sie viel ausprobieren: Stefanie Weyer.
Foto: Meffert
„In der Ergotherapie ist es am besten, Situationen selber mal zu erfahren und Dinge auszuprobieren“, sagt die Studentin. In ergotherapeutischen Behandlungen kommen – individuell auf den Patienten abgestimmt – schließlich auch die verschiedensten Materialien und Hilfsmittel auf teils kreative Weise zum Einsatz. Das Ziel ist dabei aber immer dasselbe: Der Patient soll Bewegungen und Abläufe trainieren, um trotz oder nach einer Krankheit wieder möglichst selbstständig und handlungsfähig zu werden.
Viele Bewerbungen
Als sich Stefanie Weyer nach der Schule für den Beruf der Ergotherapeutin entschieden hatte, bewarb sie sich bei verschiedenen Hochschulen. Sie bekam schließlich einen Platz für ein grundständiges Bachelorstudium an der Hochschule Fresenius in Idstein. Darüber ist sie sehr froh. Nicht nur, weil sie sich damit bessere Chancen auf einen Job und eine leitende Position erhofft. Bei dem Studiengang kombiniert sie auch zwei Abschlüsse: Einerseits ist die staatliche Prüfung integriert, mit der sie nach dreieinhalb Jahren den Berufsabschluss in Ergotherapie haben wird. Ein halbes Jahr später wird noch der akademische Abschluss mit dem Bachelor of Science in Ergotherapie folgen. Derzeit hat sie aber erst gerade erst das zweite von insgesamt acht Semestern hinter sich gebracht.
„Die Zulassung zu diesem Studium verlief in zwei Schritten“, erinnert sich die gebürtige Rheinland-Pfälzerin. Zunächst schickte sie ihre Bewerbungsunterlagen an die Hochschule, für die bestimmte Zugangsvoraussetzungen erfüllt werden mussten: Die Fachhochschulreife gehörte unter anderem dazu und der Nachweis eines sechswöchigen Praktikums in einer ergotherapeutischen Praxis. Einige Zeit später wurde sie dann zur Aufnahmeprüfung eingeladen – mit verschiedenen Tests und einem persönlichen Bewerbungsgespräch. Auch wie sie das Studium finanzieren wollte, musste bis dahin feststehen. Es ist schließlich nicht ganz billig: Monatlich kostet es 445 Euro. „Im Monat kommen da zusammen mit der Miete für die eigene Wohnung und den Lebenshaltungslosten um die 1.000 Euro zusammen“, sagt die Studentin, die BAföG bekommt und nebenbei jobbt.
Inhaltlich folgt das Studium den verschiedenen Phasen des menschlichen Lebens von der Kindheit bis zum Alter, von der Pädiatrie bis zur Geriatrie, wobei ganz breit gefächert sämtliche Bereiche der Ergotherapie behandelt werden. Neurologie gehört beispielsweise ebenso dazu wie Korbflechten, um die Feinmotorik zu trainieren. „Selbst wenn es in jedem Semester vorgeschriebene Module gibt, finde ich das Studium nicht verschult, sondern ziemlich praxisnah“, sagt sie. Das liegt einerseits an den vier vorgeschriebenen, achtwöchigen Praktika, die im Laufe des Studiums in unterschiedlichen Bereichen absolviert werden müssen. Andererseits aber auch an der Methode des problemorientierten Lernens, die im Studium oft angewandt wird. „Da behandeln wir in kleinen Gruppen konkrete Beispielfälle, durch die wir lernen, die Theorie besser anzuwenden.“
Neurologie und Geriatrie
Wohin es für sie selbst einmal gehen soll, weiß Stefanie Weyer schon: Unter all den Möglichkeiten, die die Ergotherapie bietet, will sie sich später auf Neurologie und Geriatrie (Altersforschung) spezialisieren. „Ich setze mich gern mit älteren Menschen auseinander“, erklärt die Studentin, „Die haben schon so viel erlebt.“
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