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Geisteswissenschaften studieren

Studieren mit "Geist"

Kaum ein anderes Feld ist so vielfältig wie die Geisteswissenschaften. Unter dem Begriff versammeln sich zahlreiche Studiengänge. abi>> erklärt, welche Studienbereiche es gibt, welche Chancen und Risiken diese große Auswahl birgt und wie man als Geisteswissenschaftler den Berufseinstieg schafft.

Auf einem Tisch stehen drei Stapel alter Bücher.

Bücher, Sprache, Literatur: Eines der beliebtesten geisteswissenschaftlichen Fächer ist die Germanistik.

Foto: Jan Rathke

Rund ein Fünftel aller Studienanfänger hat sich 2008 für einen Studiengang aus dem Bereich Geisteswissenschaften, auch Sprach- und Kulturwissenschaften genannt, entschieden. Abiturienten haben dabei eine große Auswahl aus einem Fächerspektrum, zu dem laut Definition des Wissenschaftsrates Philosophie, Sprach- und Literaturwissenschaften, Geschichtswissenschaften, Regionalstudien, Religionswissenschaften, Ethnologie sowie die Medien-, Kunst-, Theater- und Musikwissenschaften gehören.

Eines der beliebtesten geisteswissenschaftlichen Studienfächer ist Germanistik. Dafür hat sich Stefanie Burkhardt entschieden. Die 23-Jährige studiert an der Universität Erlangen-Nürnberg im fünften Semester Religionswissenschaften und Germanistik, denn: „Ich interessierte mich für Sprachen und Literaturwissenschaft. Außerdem hatte ich von Anfang an den Wunsch, flexibel zu sein“. Mit Germanistik könne sie, so berichtet die Bachelor-Studentin, zum Beispiel als Lektorin in einem Verlag arbeiten. „Man soll sich ruhig trauen, das zu studieren, was einen interessiert", blickt sie auf ihre Studienwahl zurück.

Große Vielfalt = Große Chance

„Zu Beginn des Studiums ist es durchaus erlaubt, ein noch eher vages Berufsbild zu haben“, sagt Heinz Miseré, Berater im Team für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Aachen. „Im Laufe des Studiums sollte sich das Berufsbild jedoch verdichten.“ Und spätestens gegen Ende des Studiums sollte sich ein konkretes Berufsziel ergeben haben, das man verfolgen möchte. Ein geisteswissenschaftliches Studium allein nur deshalb zu wählen, um die Berufsentscheidung etwas hinauszuschieben, empfiehlt sich nicht.

Sich ein konkretes Berufsziel zu überlegen, fällt vielen Geisteswissenschaftlern jedoch schwer. Dabei ist das Arbeitsfeld eigentlich ziemlich groß: „Geisteswissenschaftler können zum Beispiel im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus tätig sein, aber auch im pädagogischen Bereich arbeiten, als Museumsleiter, Dramaturg oder auch in der Denkmalpflege“, so Berufsberater Miseré. „In der Vielfalt liegt eine große Chance, das Richtige für sich zu finden“, weiß er aus zahlreichen Beratungsgesprächen.

Begeisterung für Sprache

Vor der Berufsfindung steht zunächst jedoch die Entscheidung für einen Studiengang an. Um generell zu überprüfen, ob man mit einem geisteswissenschaftlichen Studium zurechtkommt, können Tests und Self Assemssments eine gute Hilfe sein. Unter anderem bietet die Bundesagentur für Arbeit einen kostenfreien Studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) an, mit dem man seine Eignung für einen Teilbereich der Geisteswissenschaften, nämlich für sprachwissenschaftliche Studiengänge, testen kann.

Stefanie Burkhardt scheint das Richtige für sich gefunden zu haben. Begeistert berichtet sie aus ihrem Germanistik-Studium: „In den ersten beiden Semestern habe ich Einführungskurse in Mediävistik (= Sprache und Literatur vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit), Linguistik (= Sprachwissenschaft) und Neuere Deutsche Literaturgeschichte besucht und methodische Grundlagen kennengelernt“. In den darauf folgenden Semestern vertiefte sie ihr Wissen, zum Beispiel über das „Faustthema in der Literatur“ oder über die „Grammatik der deutschen Gegenwartssprache“.

Stefanie Burkhardt folgte bei der Studienwahl ihren Interessen. Doch darüber hinaus sind auch andere Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium wichtig, wie Berufsberater Miseré erklärt: „Neben der Begeisterung für Sprache und einer ausgeprägten Freude am Lesen sollte man die Phantasie haben, auch in andere Welten vordringen zu wollen, zum Beispiel sich auf neue Literaturformen einzulassen. Dies führt zu neuen Erfahrungen, und man lernt neue Bereiche kennen.“

Immer wichtiger werde es aber auch, so der Berufsberater, über Fremdsprachenkenntnisse zu verfügen. Wer zum Beispiel Geschichte studiert, benötigt nicht nur das Latinum: „Zusätzlich werden häufig auch Kenntnisse der französischen und englischen Sprache gefordert.“ Heinz Miseré ergänzt: „Erfahrungen in der Wirtschaft, die man etwa in einem Praktikum sammeln kann, helfen ebenfalls dabei, später einen Job zu finden.“ Man sollte also Eigeninitiative mitbringen und sich auf dem Laufenden halten, was der Arbeitsmarkt fordert – wenn es um Zusatzqualifikationen geht, die im Studium nicht vermittelt werden. Dazu gehören beispielsweise Präsentationstechniken oder auch die Fähigkeit, sich in Teams mit verschiedenen Mitarbeitern zu arrangieren.

Bachelor schafft klaren Überblick

Die Geisteswissenschaften sind beliebte Studiengänge. Dennoch ist die Abbruchquote relativ hoch. Ein Grund: Viele wissen nicht, was sie mit dem Studium beruflich anfangen sollen. Doch es findet ein Umbruch statt: Laut einer aktuellen HIS-Studie ist die Abbrecherzahl rückläufig. „Dazu hat ohne Zweifel das Bachelorsystem beigetragen“, sagt einer der Autoren der Studie, Ulrich Heublein. Häufig fehlte den Studierenden zuvor die Studienorientierung, aber auch die Vorstellung davon, in welchen Berufsfeldern man tätig sein kann. Oder es herrschten falsche Vorstellungen darüber. „Nun vermitteln die Bachelor-Module einem schon bei Studienaufnahme einen klaren Überblick übers Studium und ermöglichen eine bessere Studienorganisation. Die Studierenden werden schon zu Studienbeginn in die Lage versetzt, ihre Leistungsbereitschaft und Motivation einzuschätzen“, erklärt der HIS-Experte.

„Die 'Eichhörnchen'-Methode des Punktesammelns über das ganze Studium hinweg kommt vielen Studierenden entgegen“, ergänzt Professor Gunnar Och, zentraler Studienberater am Department für Germanistik und Komparatistik der Universität Erlangen-Nürnberg. Gegenüber den früheren Magisterstudiengängen habe der geisteswissenschaftliche Bachelorabschluss jedoch auch einen Nachteil, wie Professor Och erläutert: „Es wird stärker auf Faktenwissen geachtet.“ Und aufgrund der „vollen Stundenpläne“ fehle den Studierenden oft die Zeit, sich intensiv der Primärliteratur zu widmen.

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