Zur Technik noch die Ethik
"Das ist so, wie ich mir Studieren vorgestellt habe", sagt Ariane Kropp (24). Sie hat das erste Semester "Umweltethik" an der Universität Augsburg gerade hinter sich — und ist mehr als zufrieden.
Umweltethik: Die Verbindung von Geistes- und Naturwissenschaften
Foto: Andre© Deco /WillmyCC
Der Master-Studiengang, an der katholischen Fakultät angesiedelt, ist brandneu und bundesweit einzigartig. Ariane Kropp, die als Vorbildung einen Bachelor of Science in Umweltschutz von der Fachhochschule Bingen mitgebracht hat, gehört zum ersten Jahrgang. „Ich musste mir zum ersten Mal einen Stundenplan zusammenstellen“, sagt sie. Weil die Umweltethik in Augsburg „sehr interdisziplinär“ aufgestellt ist, ist eine abwechslungsreiche Mischung entstanden:
Eine Einführung hat Ariane Kropp in der Psychologie mit Lehramtsstudenten gehört, Umweltsoziologie bei den Soziologen und Umweltrecht bei den Juristen. Dazu kamen ein Kant-Seminar und Platon und Aristoteles bei den Philosophen, eine Vorlesung über Ressourcen-Strategie bei den Geografen und zwei Filmseminare.
Bei „Politik und Film“ war beispielsweise auch die Globalisierungskritik im Kino ein Thema. Das hat Ariane Kropp überrascht – denn die Filmseminare sind Teil der katholischen Theologie. „Ich bin nicht religiös“, sagt die Rheinländerin. Und gesteht, dass sie schon befürchtet hatte, im katholischen Augsburg und dem konservativen Bayern nur mit Theologen in den Seminaren zu sitzen. Das hat sie nun ganz anders erlebt.
Katholische Theologie ist Pflicht
Dennoch muss Ariane Kropp spezielle Auflagen erfüllen, weil sie mit dem Bachelor of Science kam, also aus einer technischen Richtung. Die Studienvoraussetzungen jedoch sind auf Sozial- und Wirtschaftswissenschaften oder Katholische Theologie ausgelegt. Deshalb muss Ariane im ersten Studienjahr 25 Leistungspunkte in der Katholischen Theologie erbringen, die sie über die Filmseminare abdecken will.
Denn der Master macht ihr großen Spaß. Mit dem Bachelor-Studiengang Umweltschutz war sie „generell nicht so zufrieden“ und war in acht Semestern „mit dem Herzen nicht richtig dabei“: Zu häufig ging es um technische Prozesse, selbst das Umweltrecht war ihr zu trocken.
Schon in der Schule hat sie Ethik geliebt und das Fach auch im mündlichen Abitur gewählt. Neben dem Studium an der FH Bingen hatte sie sich ein Semester als Gasthörerin an der Universität Mainz eingeschrieben und zwei philosophische Seminare besucht. Weil sie nach dem ersten Abschluss noch „etwas machen wollte, das mich interessiert“, hat sie die Umweltethik entdeckt. „Das passt perfekt: Die Verbindung von Geistes- und Naturwissenschaften und obenauf noch der Mastertitel!“
Hohe Ansprüche in Augsburg
Ob ihr vier Semester ausreichen, mag Ariane Kropp noch nicht zu sagen. Weil sie primär aus Interesse studiert, ist ihr Stundenplan voll gepackt. Zudem sind die Studienziele in Augsburg hoch gesteckt: Zum einen sollen die Absolventen in Umweltfragen und den ökologischen Herausforderungen „eine fachliche, analytische und strategische Kompetenz entwickeln, zum anderen eine ethisch-argumentative und kommunikative Kompetenz“ aufbauen.
Ihre Zukunft sieht die angehende Umweltethikerin relativ offen, für wahrscheinlich hält sie eine Tätigkeit im beratenden Bereich oder der Entwicklungszusammenarbeit. Klar ist: „Was ich nicht will, ist ein Bürojob, wo ich den ganzen Tag allein vorm Bildschirm sitze.“ Gerade freut sie sich aufs nächste Semester: „Ich hoffe, es gibt neue Kommilitonen.“ Bislang war Ariane mit einem anderen Studenten zu zweit, nun haben sich für den Sommer mehrere Interessenten angemeldet.





