Spannend wie im Film
Drogen, Dopingmittel und Sprengstoff gehören zum Arbeitsalltag von Torsten Schönberger (43). Der Chemieingenieur ist beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden angestellt — und zeigt, dass auch ein Quereinstieg in den öffentlichen Dienst möglich ist. Mit dem gerade absolvierten Master kann er bald als Gutachter vor Gericht auftreten.
Vom Chemiestudenten zum hoch spezialisierten Experten beim Bundeskriminalamt. Torsten Schönberger hat einen aufregenden Job.
Foto: Brueggemann
Krimis schaut Torsten Schönberger eher selten. Und wenn, sagt er, „muss ich manchmal schmunzeln“. Im Film können die Labors praktisch jede Spur lesbar machen und natürlich geht alles viel schneller als in der Realität. „Unsere oberste Maxime ist: Fehlerfreiheit vor Geschwindigkeit“, sagt Torsten Schönberger. Von den Ergebnissen seiner Untersuchungen kann ja abhängen, ob ein Unschuldiger verurteilt wird oder ein Täter straflos davonkommt.
Er selbst ist ein hoch spezialisierter Experte. Sein Gebiet: die Kernresonanzspektroskopie. In dem Verfahren werden Atomkerne mit einem elektrischen Impuls angeregt; wenn sie in ihre alte Position zurückkehren, wird Strahlung frei. Daraus kann Torsten Schönberger auf die chemische Struktur der untersuchten Substanz schließen. „Das braucht viel Erfahrung“, sagt er.
Und die hat Torsten Schönberger. Nach Abitur (1987) und Zivildienst hatte er an der privaten, staatlich anerkannten Hochschule Fresenius in Idstein Chemie studiert. „Ich hatte Glück, ich konnte meine Diplomarbeit direkt beim Bundeskriminalamt ansiedeln.“ Schon damals versuchte Torsten Schönberger, Drogenherstellern auf die Spur zu kommen: Anhand von Nebenbestandteilen in Heroin konnte er Rückschlüsse auf die Synthese und ihren „Koch“ ziehen.
Wenig überraschend ist daher, dass Torsten Schönberger sich nach dem Studium auf eine offene Stelle beim BKA bewarb: „Die Kriminaltechnik ist vom Hintergrund her aufregender, als Trink- und Badewasser zu analysieren.“ Als Chemieingenieur mit FH-Abschluss kam er zum BKA, seinen Beruf hat er im „Training on the job“ gelernt.
Nicht alle Analysen sind spannend, aber bei manchen Fällen kennt er den Hintergrund. Lebensmittelerpressung etwa oder Überfälle, bei denen die Opfer mit Klebeband gefesselt wurden. Und immer wieder Betäubungsmittel. Das Neueste: Kräutermischungen, die frei im Internet verkauft werden. Es handelt sich dabei keineswegs um harmlose Pflanzenstoffe. Durch das Besprühen mit synthetischen Zusätzen werden sie zu psychoaktiven Substanzen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. „Das wurde bei uns mit aufgeklärt“, sagt Torsten Schönberger.
Um seine Karriere voranzutreiben, hat er 2010 weiter studiert, den Master „Bio- and Pharmaceutical Analysis“, ebenfalls an der Hochschule Fresenius. Das Studium hat er in einem Jahr Vollzeit parallel zu seinem Job absolviert. Schon morgens arbeitete er dafür ein paar Stunden am Computer, bis um 11 Uhr die Vorlesung an der Hochschule begann. „Die Familie hat mitgezogen, im Büro konnte ich Überstunden und Urlaub nutzen“, erzählt Torsten Schönberger. Den praktischen Teil seiner Masterarbeit konnte er zudem im BKA-Labor erledigen: Er hat eine besonders präzise Methode der Mengenbestimmung mit der Kernresonanzspektroskopie erarbeitet. Statt einem Prozent Messunsicherheit weist sie maximal 0,15 Prozent aus.
Torsten Schönberger kann jetzt offiziell wissenschaftlich mit seinem Gerät arbeiten, ihm obliegt nicht mehr „nur“ die technische Betreuung. Und wenn er noch einige hausinterne Ausbildungen und Hospitationen gemacht haben wird, kann er als Gutachter vor Gericht auftreten. Spannend? Nur mittelmäßig, sagt er: „Meistens werden Gutachten nur verlesen. Wer weiß, wann das einmal der Fall sein wird.“





