Von Wechseln und Weggängen
Die Studieninhalte sind anders als erwartet, die Noten mäßig: Wenn es im Studium nicht läuft, solltest du aktiv werden und eine Entscheidung treffen. Ein Studienabbruch ist aber nur eine Möglichkeit. Auch ein Fachwechsel oder die Wahl einer anderen Hochschule können helfen.
Der Anteil der Studiengangwechsler liegt bei rund 20 Prozent.
Foto: Sebastian Bergner
Kristina Meier (Name geändert) hat beides gemacht und sich sowohl für ein neues Fach als auch für eine andere Hochschule entschieden. Die heute 22-Jährige hat sich nach dem Abitur einfach zu viel zugemutet, als sie neben der Ausbildung zur Industriekauffrau mit EU-Kompetenz noch das Studium „International Management“ an einer FH in Essen aufnahm. „Von acht bis 17 Uhr war ich im Betrieb, von 17.30 bis 22.15 Uhr hatte ich Uni und oft auch noch samstags Seminare. Semesterferien gab’s nicht“, zählt Kristina Meier auf, und ihren Urlaub brauchte sie zum Lernen. Als sie die Doppelbelastung nicht mehr aushielt, hat sie einen Schlussstrich gezogen und Ausbildung und Studium an den Nagel gehängt. Inzwischen studiert sie im fünften Semester den Bachelorstudiengang Germanistik und Anglistik an der Ruhr-Uni Bochum: „Seitdem habe ich nie mehr gezweifelt“, sagt die Studentin.
Viele fachnahe Wechsel
Damit gehört sie laut der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) zu den 14 Prozent der Befragten, die einen Hochschulwechsel vollzogen haben, der oft in Verbindung mit einem Wechsel des Studiengangs geschieht. Insgesamt haben sich 19 Prozent der Studierenden im Erststudium für ein anderes Fach beziehungsweise einen anderen Abschluss entschieden. Diese Wechsel verlaufen häufig fachnah, das heißt innerhalb der ursprünglich gewählten Fächergruppe beispielsweise von Volkswirtschaftslehre (VWL) zu Betriebswirtschaftslehre (BWL). Unter Umständen ist es möglich, dass Scheine aus dem zuerst gewählten Studium anerkannt werden können, hier kann die Studienberatung weiter helfen.
Der Anteil der Studiengangwechsler ist mit rund 20 Prozent über die Jahre ungefähr konstant geblieben. Es deutet sich aber an, dass die Entscheidungen zur Korrektur der Studienwahl durch die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge früher fallen. Während von allen Studierenden im Erststudium insgesamt 59 Prozent der Studiengangwechsler diese Entscheidung im ersten Studienjahr getroffen haben, sind es unter den Bachelorstudierenden 76 Prozent. Die Schlussfolgerung: Die frühen, studienbegleitenden Prüfungen im Bachelor-studium zwingen offenbar früher eine Entscheidung herbei.
Mit den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen ist auch eine Veränderung der Abbruchraten in verschiedenen Fächern zu beobachten. Deutliche Verbesserungen werden in den Sozial- und Kulturwissenschaften verzeichnet. Die Quote in Fächern wie Mathematik, Informatik, Physik und Chemie aber auch Elektrotechnik, Maschinenbau und BWL ist gleichbleibend hoch geblieben oder gar gestiegen. Die Gründe sind unterschiedlich: Viele nennen Leistungsprobleme oder finanzielle Gründe, aber auch familiäre Probleme, eine berufliche Neuorientierung oder die Unzufriedenheit mit den Studienbedingungen werden weiterhin als Ursachen eines Studienabbruchs angebenen. (siehe Interview mit Dr. Ulrich Heublein von der HIS GmbH).
Wenn es mit dem Erststudium nicht klappt, muss man jedoch nicht gleich komplett hinschmeißen. Studierende, die an einer Universität nicht klar kommen, haben auch die Möglichkeit, eine andere Hochschulart auszuprobieren. „Für Studierende, denen der Stoff an der Uni zu theoretisch ist, ist ein Wechsel zu einer (Fach)Hochschule eine gute Alternative“, bestätigt Susanne Sander, Beraterin für akademische Berufe der Agentur für Arbeit Oldenburg.
Konsequenzen ziehen
Ein anderer Grund: „Häufig lassen sich Abiturienten, die genaue Vorstellungen von ihrer Zukunft hatten und vielleicht Meeresbiologie oder Islamwissenschaften studieren wollten, von der Frage verunsichern, was sie damit denn werden wollten, und belegen dann ein ‚sicheres’ Studium wie Ingenieurwissenschaften oder BWL. Wenn aber in den ersten Semestern zum mangelnden Interesse auch noch nicht bestandene Prüfungen kommen, müssen Konsequenzen gezogen werden“, sagt Studienberaterin Petra Kabisch von der Otto-von-Guericke-Uni Magdeburg.
Doch ein Wechsel ist nicht immer die Lösung. Wer unter Prüfungsängsten leidet, dem nützt ein Studienfachwechsel oder ein Studienabbruch in der Regel nichts. In Arbeitsgemeinschaften (AGs), wie die, die Petra Kabisch semesterbegleitend anbietet, lernen die Studierenden mit Prüfungssituationen umzugehen und ihre knappe Zeit zum Lernen und Arbeiten besser einzuteilen. Solche Workshops sind an vielen Hochschulen neben den Angeboten der Psychosozialen Beratung der Studentenwerke wichtige Anlaufpunkte für Studierende, die unter Versagensängsten, Überforderung oder psychischen Problemen leiden. „Außerdem rate ich dazu, sich in Lerngruppen zusammenzuschließen“, erklärt Kabisch. Den meisten helfe der Austausch mit anderen, eigene Schwächen zu erkennen und zu verbessern.




