Praxisluft schnuppern
Praktische Erfahrungen sind nicht nur für den Berufseinstieg von Vorteil. Schon in der Oberstufe helfen Orientierungspraktika dabei, bei der Berufswahl entscheidende Schritte voranzukommen. Die Möglichkeiten, Praxisluft zu schnuppern, sind vielfältig – vom Schülerbetriebspraktikum über Vor- und Fachpraktika bis hin zu freiwilligen Praktika während des Studiums.
Praxiserfahrungen sind oft entscheidender als gute Noten.
Foto: Somieski
Probieren geht über studieren – das Prinzip könnte auch bei der Studien- und Berufswahl angewendet werden. Um sicher zu sein, dass die eigenen Vorstellungen vom Beruf auch mit der Wirklichkeit übereinstimmen, ist es ratsam Praktika zu absolvieren. An vielen Gymnasien wird das sogenannte Schülerbetriebspraktikum als verpflichtender Ausflug in die Berufswelt angeboten. Die Regelungen sind aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Hamburg etwa gibt es derzeit keine Vorschriften bezogen auf verpflichtende Praktika an Gymnasien. In der Regel findet jedoch dennoch ein dreiwöchiges Betriebspraktikum statt. Dies liegt im Ermessen der Schule und ist abhängig von der Schwerpunktsetzung. Meist finden die Praktika in der neunten oder zehnten Klasse statt.
Daneben ist es aber ratsam, freiwillige Praktika etwa in den Schulferien zu absolvieren. „Ein wirkliches Gespür für die Anforderungen in der Arbeitswelt bekommt man nur durch praktische Erfahrungen. Denn es ist schwer, sich lediglich aus Informationsangeboten, etwa dem BERUFENET, die täglichen Arbeitsabläufe an einem Arbeitsplatz oder in einem Unternehmen vorstellen zu können“, erklärt Thomas Vielhauer, Berufsberater der Arbeitsagentur für Arbeit in Hamburg.
Reinschnuppern
Ein weiterer Pluspunkt: Wer ein Praktikum absolviert, hat auch die Chance, Fähigkeiten zu erwerben, die im Arbeitsleben verlangt werden, also beispielsweise Schlüsselqualifikationen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit. Denn für eine erfolgreiche Bewerbung, so die Erfahrung von Thomas Vielhauer, ist das persönliche Auftreten vielfach entscheidender als die Abitur-Note. „Praxiserfahrungen helfen zudem dabei, bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz die Entscheidung für einen Beruf plausibel begründen zu können“, weiß der Berufsberater.
Und auch bei der Suche nach dem passenden Studiengang können diese Erfahrungen helfen. Da inzwischen mehr als die Hälfte aller Studiengänge zulassungsbeschränkt sind und einige Hochschulen ihre Studierenden unter anderem anhand von Auswahlgesprächen und Motivationsschreiben aussuchen, hilft es, mit Praxiserfahrung argumentieren zu können. Außerdem wird in einigen Studiengängen – beispielsweise in den Ingenieurwissenschaften, im Bereich der Sozialen Arbeit oder einigen künstlerischen Studiengängen – vor dem Beginn der akademischen Ausbildung häufig ein Vorpraktikum verlangt.
Die mehrwöchigen Praxiserfahrungen in dem späteren Berufsbereich tragen dazu bei, die eigenen Vorstellungen und Anforderungen vor Studienbeginn noch einmal zu überprüfen, aber auch Theorie und Praxis später besser verknüpfen zu können. Insbesondere in Fächern, in denen keine Pflichtpraktika vorgeschrieben sind, solltest du dich während des Studiums eigeninitiativ darum kümmern, praktische Erfahrungen zu sammeln. Dabei bringen längere Praktika von mindestens sechs Wochen mehr als kurze Praktikumszeiten.
„Studienbegleitende Praktika sind besonders wichtig für Studierende in den Geistes- und Sozialwissenschaften, für die es oft kein festes Tätigkeitsprofil gibt“, führt Berater Vielhauer aus. „Im Lebenslauf sollte ein roter Faden erkennbar sein. Wenn ein Studierender der Geisteswissenschaften zunächst Praktika in der Öffentlichkeitsarbeit und im Event-Bereich gemacht hat und dabei feststellt, dass das Schreiben ihm am meisten liegt, können die weiteren Praxiserfahrungen beispielsweise im Bereich Redaktion liegen und in der Vita entsprechend herausgestellt werden“, erklärt der Berater. Er betont: „Je näher das Ende des Studiums rückt, desto wichtiger wird es, Kontakte in die Arbeitswelt zu knüpfen. Bei dieser Form des Networking geht es nicht so sehr darum, bei einem bestimmten Arbeitgeber tatsächlich auch eine Festeinstellung zu bekommen, sondern erst einmal darum, mehr Informationen über die Branche zu erhalten.“
Keine Praktikantenkarriere
Doch auch der Berufsberater warnt vor so genannten Praktikantenkarrieren. Denn durch die Diskussion um die „Generation Praktikum“ komme der Begriff inzwischen nicht immer gut an: „Wer nach dem Studium noch ein Praktikum machen möchte, sollte genau abwägen. Man kann Arbeitgebern auch sein Interesse signalisieren, dass man das Unternehmen näher kennenlernen möchte, ohne sich als Praktikant zu bewerben. Vielleicht gibt es stattdessen Möglichkeiten, als Hospitant, Assistent oder als eine Art Trainee für eine gewisse Zeit mitzuarbeiten und auf diese Weise vielleicht in eine Festanstellung übernommen zu werden.“
Welche Praktika gibt es?
Schülerbetriebspraktikum
Schulische Pflichtveranstaltung, dauert in der Regel zwei oder drei Wochen, findet häufig in der achten oder neunten Jahrgangsstufe statt
Orientierungspraktika
Freiwillige Praktika, bei denen du in verschiedene Unternehmen und Arbeitsbereiche „hinein schnuppern“ kannst
Vor- oder Fachpraktika
Praxiserfahrungen, die im Rahmen eines Studiengangs verpflichtend zu erbringen sind.





