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Halle (Saale)

Wo Händels Urenkel studiert hätten

Halle? Das liegt doch im Osten, in Sachsen-Anhalt, oder? Und sonst? Wer noch nie dort war, hat definitiv etwas verpasst. Neu-Hallenser können sich auf top ausgestattete Hochschulen, reichhaltige Kultur und viel Grün freuen.

Auf dem Bild sieht man den Universitätsplatz der Martin-Luther-Universität in Halle.

Universitätsplatz der Martin-Luther-Universität

Foto: MLU

Unter Studierenden, so sagt man, wird die Stadt an der Saale auch „Genschman-City“ genannt. Schließlich ging in Halle niemand geringerer zur Schule und zur Universität als der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Aber die größte Stadt Sachsen-Anhalts und viertgrößte in den neuen Bundesländern ist noch als Heimat einer anderen berühmten Persönlichkeit bekannt: Georg-Friedrich Händel wurde hier 1685 geborenen. Noch heute dreht sich viel um diesen berühmten Sohn: Ob Festspiele oder Museum – sein Name taucht immer und überall auf. Überhaupt kann Halle sich rühmen, eine Menge bekannter Namen hervorgebracht oder ihnen als Wohnort gedient zu haben: Joseph Freiherr von Eichendorff,  Lyonel Feininger, der Literaturwissenschaftler und Antifaschist Viktor Klemperer, der nach 1945 als Professor in Halle lehrte. Und nicht zuletzt der Schauspieler und Bundespräsidenten-Anwärter Peter Sodann.

Hier kann Student es aushalten

In der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, der Hochschule für Kunst und Design und der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik sind insgesamt rund 19.000 Studierende eingeschrieben – Halle mit seinen drei Hochschulen ist ein beliebter Studienort. Das mag am eindrucksvollen Stadtbild mit seinen „Fünf Türmen“ liegen. Vielleicht liegt es aber auch am guten Ruf der Universitätsstadt, befeuert durch die wichtigen studentischen Premieren, die in den vergangenen Jahrhunderten dort stattfanden: Dorothea Christine Erxleben erwarb hier im Jahr 1754 als erste Frau einen Doktortitel in Deutschland und 1727 studierte hier erstmals in Europa ein Schwarz-Afrikaner.

Armin Stein, 29-jähriger Design-Student an der Hochschule für Kunst und Design, mag an Halle vor allem die Mischung aus Groß- und Kleinstädtischem: „Man fühlt sich kulturell und strukturell städtisch – und doch ist alles mit dem Fahrrad zu erreichen und man trifft oft bekannte Gesichter.“ In Halle lässt es sich als Student definitiv gut leben. Armin Stein schwärmt vom guten Studenten-Professoren-Verhältnis und kaum einmal überfüllten Seminaren, eine Wohltat im Vergleich zu anderen Hochschulen: „Hinzu kommt, dass es keine Studiengebühren für die Regelstudienzeit gibt und auch die Semesterbeiträge sehr gering sind – und natürlich die sehr gut ausgestatteten Bibliotheken.“

Jobben und Wohnen leicht gemacht

Der Name Halle, ursprünglich „halla“, kommt aus dem Keltischen und bedeutet „Stätte der Salzbereitung“. Die Salzgewinnung war das älteste Gewerbe der Stadt. Heute ist die Stadt an der Saale unter anderem mit dem nahen Leipzig in der Metropolregion Sachsendreieck zusammengeschlossen, einem dynamischen Wirtschaftszentrum im Herzen Deutschlands. In Halle selbst haben sich Unternehmen wie die Halloren Schokoladenfabrik GmbH, die Kathi Rainer Thiele GmbH oder der Pumpen- und Armaturen-Konzern KSB niedergelassen, aber auch ein Vertriebszentrum des Computerherstellers Dell. Dazu ist Halle ein bedeutender Verwaltungs- und Dienstleistungsstandort. Doch nicht nur die Wirtschaft, auch die Wissenschaft hat sich in Halle angesiedelt: Einrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft, der Leibnitz-Gemeinschaft oder des Fraunhofer-Instituts etwa.

Dementsprechend schnell und einfach kann auch die Suche nach einem Nebenjob verlaufen, wie Petra Bratzke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Halle, bestätigt. Einen Studentenjob zu ergattern sei in der Region „eigentlich ganz unkompliziert", denn Studenten seien bei den Arbeitgebern sehr beliebt. „Sie sind flexibel und leicht einzuarbeiten", so Petra Bratzke. Für die Jobsuche hat Kunststudent Armin Stein noch einen Tipp: Der „Klassiker“ sei natürlich immer noch die Arbeit in Cafés oder Bars, von denen es in Halle nicht wenige gibt.

„Wohnraum ist für Studentinnen und Studenten erschwinglich und man muss keine langen Wartezeiten befürchten“, berichtet Dr. Volkmar Thom, Geschäftsführer des örtlichen Studentenwerks. Dieses stellt in elf Wohnheimen 1.983 Plätze zur Verfügung und kümmert sich auch um die Vermittlung privater Wohnungen. Viele Wohnheime liegen in der Nähe von Parkanlagen, Flussarmen oder dem Stadtwald „Heide“. Auch Armin Stein weiß um die günstige Wohnsituation: „Es gibt viel Leerstand. Und da manche WGs noch Kohleheizung haben, sind die Mieten entsprechend günstig. Bei uns ist übrigens auch gerade ein Zimmer frei“, lacht er, und ergänzt:„Durchschnittlich bekommt man ein WG-Zimmer mit 20 Quadratmetern für etwa 200 Euro warm.“

 

Der Hochschulstandort Halle

Einwohner: ca. 230.000

Studierende: ca. 19.000

Hochschulen: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Burg Giebichenstein, Hochschule für Kunst und Design; Evangelische Kirchenmusikhochschule Halle

Studiengebühren gibt es in Sachsen-Anhalt an öffentlichen Hochschulen grundsätzlich nicht. Studierende müssen also weder für ihr Erststudium, noch für weitere Studiengänge parallel dazu oder auch erst später eine Gebühr entrichten. Lediglich nach Überschreitung der Regelstudienzeit können Gebühren von 500 Euro pro Semester erhoben werden.

Miete: Einzelzimmer im Wohnheim: 160 bis 230 Euro. Doppelappartement: 130 bis 160 Euro

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