Eine Stadt auf dem Campus
In der idyllischen Stadt am Neckar trifft Tradition auf Moderne, Jung auf Alt und internationale Forschung auf schwäbische Heimeligkeit. Die Stadt ist geprägt von ihrer Universität, die zu den ältesten Deutschlands zählt und Studierenden eine breite Palette an Studienmöglichkeiten bietet. Für den Studiengang Kirchenmusik ist die Hochschule für Kirchenmusik Tübingen eine exzellente Adresse.
Schwäbische Gemütlichkeit, schmucke alte Fachwerkhäuser: Der Tübinger Marktplatz
Foto: Gonschior
„Als ich das erste Mal nach Tübingen gekommen bin, ist mir direkt das Herz aufgegangen“, erinnert sich Maximiliane Lenk. Die 21-jährige Philosophie- und Rhetorik-Studentin, der es sonst nicht leicht fällt, sich irgendwo neu einzuleben, fühlte sich in der „puppigen“ und familiären Atmosphäre Tübingens auf Anhieb wohl. Sie kam vor anderthalb Jahren aus Leipzig zum Studieren in das Neckarstädtchen mit den engen, verwinkelten Gassen und der schmucken Fachwerkarchitektur.
Die historische Altstadt mit den vielen mittelalterlichen Gebäuden wartet mit
malerischen Sehenswürdigkeiten auf: Auf dem Marktplatz kann man Rathaus und Neptunbrunnen bewundern, direkt am Neckar steht der Hölderlinturm, in dem der Dichter Friedrich Hölderlin bis zu seinem Tod lebte; gegenüber verläuft die Platanenallee, von der aus man den besten Blick auf die „Neckarfront“ hat, das pittoreske Häuserensemble, das sich am Ufer entlang erstreckt. Vom Turm der Stifterkirche aus kann man die fast tausend Jahre alte Stadt gut überblicken. Auf erhöhtem Posten sitzt das Schloss Hohentübingen, in dem zahlreiche Universitätsinstitute und -sammlungen untergebracht sind.
Aber nicht nur dort ist die Eberhard Karls Universität zu finden, sondern sie erstreckt sich über die gesamte Innenstadt. Entsprechend viele Studierende gibt es in Tübingen: Über ein Viertel der rund 89.000 Einwohner sind Studierende. Hinzu kommen zahlreiche Doktoranden, Dozenten und Professoren. Michael Seifert, Pressesprecher der Uni, berichtet: „Wissenschaftler und Studierende begegnen sich auf Schritt und Tritt. Man muss sich eigentlich gar nicht verabreden.“ Der hohe
Anteil an Akademikern und Studierenden ist auch für Oberbürgermeister Boris Palmer bemerkenswert: „Ich schätze die Neugier und die hohe Bereitschaft zur Mitbestimmung der Bürger“, berichtet er.
Leben und Wohnen in Tübingen
Dass das Leben in der schönen Universitätsstadt allerdings auch seinen Preis hat, weiß Maximiliane Lenk: „Die Lebenshaltungskosten sind insgesamt schon höher als woanders.“ Und das merkt man nicht nur im Supermarkt, sondern auch an den Mieten. Da sich auf kleinem Raum viele Menschen tummeln, ist der Mietmarkt eher angespannt. WG-Zimmer oder private Ein-Zimmer-Apartments sind entsprechend teuer und nicht immer auf Anhieb zu bekommen. Die Philosophiestudentin erzählt: „Ich kenne Kommilitonen, die hier mit Couch-Surfing angefangen haben.“ Sie selbst hatte deutlich mehr Glück: In einer kleinen Dreier-WG fand sie ein Dachzimmer für gerade einmal 200 Euro – absoluter Seltenheitswert in Tübingen. „Der normale WG-Zimmerpreis in der Stadt liegt bei ungefähr 350 Euro“, weiß die 21-Jährige. Auch auf einen der 4.000 Wohnheimplätze muss man meist eine ganze Weile warten. Neben den offiziellen Wohnheimen des Studentenwerks gibt es auch noch alternative, von Studierenden selbst verwaltete Wohnprojekte.
Von HiWi-Job bis Fließbandarbeit
Viele der Studierenden, die auf der Suche nach einem Nebenjob sind, finden eine Beschäftigung als wissenschaftliche Hilfskraft: Die Universität und die Uniklinik
sind die größten Arbeitgeber in Tübingen. Aber auch in Kneipen, den Theatern oder bei den Filmfestivals, die in Tübingen stattfinden – wie etwa den Französischen Filmtagen, dem CineLatino oder dem Arabischen Filmfestival –, können Studierende jobben. Bei der Suche nach einem Nebenjob hilft auch die örtliche Agentur für Arbeit mit der Jobvermittlung für Studierende. „Von Nachhilfe über Kinderbetreuung bis zu Promotion ist alles Mögliche dabei“, erklärt Eva-Martina Maluck, Berufsberaterin für akademische Berufe in der Geschäftsstelle Tübingen der Arbeitsagentur Reutlingen. Wer sich in den Semesterferien ein finanzielles Polster schaffen will, kann in den nahegelegenen großen Unternehmen wie Daimler oder Bosch oder in einem der zahlreichen mittelständischen Unternehmen einen Job in der Produktion annehmen.
Stehen die Chancen auf einen Nebenjob während des Studiums recht gut, so sehen sich die Hochschulabsolventen für den Berufseinstieg doch meist anderweitig um. Dass sie nach dem Bachelor und Master wahrscheinlich die Stadt wieder verlassen wird, findet Maximiliane Lenk aber nicht weiter schlimm. Das gehört eben zum Tübingen-Studium dazu: „Man kommt als Student hierher, studiert fünf Jahre und findet es fantastisch – und ich kenne wenige Leute, die Tübingen nicht mögen – gleichzeitig sagen aber alle: es ist schon ganz schön klein. Und dann zieht man eben nach dem Studium woanders hin."
Der Hochschulstandort Tübingen
Einwohner: rund 89.000
Studierende: 25.800
Hochschulen: Eberhard Karls Universität, Hochschule für Kirchenmusik Tübingen
Studiengebühren: aktuell 500 Euro pro Semester, werden jedoch zum Sommersemester 2012 abgeschafft; Semesterbeitrag: 103,50 Euro
Miete: im Wohnheim zwischen 200 und 300 Euro pro Zimmer, privat deutlich teurer: circa 7 bis 8 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete







