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Zukunft an Werder und Weser

Auf dem Foto ist der Bremer Marktplatz mit Rathaus zu sehen.
Der Marktplatz von Bremen.
Foto: Ingrid Krause, Bremer Touristik-Zentrale (BTZ)

Bremen/Bremerhaven

Zukunft an Werder und Weser

Die Stadtmusikanten, die Weser und ein Fußball-Erstligist: Gängigen Assoziationen zufolge ist Bremen erst nachrangig ein Studienort - dabei hat die Stadt als solche viel in petto und das nicht nur für Kapitäne in spe.

„Ich wollte nach dem Abi unbedingt weg aus Schwerin“, sagt Katja Perlinger* (26). „Dass daraus Bremen wurde, ist Zufall – meine Tante zog her, ich wurde neugierig.“ Die 26-Jährige studiert Kulturwissenschaft und Philosophie an der Universität Bremen, beendet demnächst ihr Studium. Bis sie Leute auf ihrer Wellenlänge fand, verging gerade mal ein knappes Semester. Der Grund? „Bremen ist ein Dorf, das sich als Stadt verkleidet hat.“

Lebendiges Stadtleben

Bremens Tradition als maritimes Zentrum an der Weser, heute Hafenstadt Nummer zwei in Deutschland, lockt Besucher und künftige Einwohner ebenso wie ein lebendiges Stadtleben und eine Vielzahl an Attraktionen. Nicht nur verwinkelte Gassen im Schnoor, Bremens Altstadtquartier, zeugen von einer vielfältigen Vergangenheit. Auch der St. Petri-Dom, die Roland-Statue von 1404 oder der Schütting, eine Handelskammer von 1537, schaffen Atmosphäre. Backsteinbauten, Windmühlen, darunter eine am Wall, Bremens alter Stadtbefestigung, und Patrizierhäuser aus der Zeit der Weser-Renaissance machen die Historie Bremens auf Schritt und Tritt lebendig.

Auf dem Foto ist die Bronzeskultptur der Bremer Stadtmusikanten in Bremen zu sehen.

Weltberühmt: Die Bremer Stadtmusikanten.

Foto: Bremer Touristik-Zentrale (BTZ)

Modern und jung ist es aber auch: Zu den begehrtesten Wohngegenden der Freien Hansestadt mit ihren fünf Bezirken gehört das so genannte „Viertel“ in Bremens Mitte. Der Stadtteil rund um das Ostertor gilt als quirlig und außerordentlich beliebt. „Man kann extrem gut leben und weggehen hier“, sagt Katja Perlinger, selbst Viertel-Bewohnerin. Böttcherstraße und Marktplatz liegen um die Ecke, ebenso das Weserstadion. „Sogar Bayern-Fans gegenüber zeichnen wir uns hier durch unsere hanseatische Toleranz aus“, sagt Detlef Stüwe, Berater im Hochschulteam der Bundesagentur für Arbeit Bremen, und lacht. Fein wohnen geht auch: etwa im Villenviertel Schwachhausen, das den unter Denkmalschutz stehenden Bürgerpark beherbergt.

Attraktiver Doppelstandort

Bremen ist ein Zwei-Städte-Staat: Die 115.000 Einwohner-Stadt Bremerhaven, immerhin die größte an der deutschen Nordseeküste, ist 60 Kilometer entfernt. Sie bietet weit mehr als das renommierte Alfred Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung: Hier gibt es den größten Fischereihafen Deutschlands, Europas größten Container- und Autoumschlagplatz - und viel Kultur.

Die Region gilt als ausgeprägte Wissenschaftsszene: „Mit der Kombination aus Hochschule Bremen, Hochschule Bremerhaven, Hochschule für Künste, Universität Bremen und Jacobs University Bremen sind wir nicht nur vielseitig, sondern auch qualitativ gut aufgestellt“, sagt Bremens Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, Martin Günthner.

Dabei „gebar“ Bremen praktisch Bremerhaven: 787 erhob Karl der Große Bremen zum Bischofssitz, 1358 trat die Stadt der Hanse bei. 1827 gründete der Bürgermeister die Stadt Bremerhaven – auf sandigem Grund: Im 18. Jahrhundert versandete die Weser mehr und mehr, nur ein Vorhafen (Vegesack) genügte nicht mehr. Der Bremer Senat kaufte dem Königreich Hannover ein Gebiet an der Wesermündung ab, das bald darauf einen Hafen erhielt. 1851 erhielt Bremerhaven Stadtrechte.

Idealer Logistikstandort

„Mit dem Erfolg im bundesweiten Wettbewerb hat die Universität aktuell ihre Exzellenz unter Beweis gestellt. All dies trägt dazu bei, dass sich Wissenschaft und Wirtschaft im Land Bremen in einem kontinuierlichen Aufschwung befinden“, sagt Senator Günthner. Als einer der größten Seehäfen und Handelsplätze Deutschlands prägen die Region die Geschäfte mit Kaffee, Schokolade, Bier, aber auch mit Baumwolle, Getreide und Tabak. Detlef Stüwe vom Hochschulteam kann das nur bekräftigen: „Bremen ist der ideale Logistikstandort: Es gibt die Anbindung ans Wasser, an die Luft und an Straße und Schiene. In der Raumfahrtbranche gibt es neben dem Fallturm am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation hier ansässige Unternehmen wie Astrium oder OHB, die Satelliten bauen und auch selbst ins All schießen.“

Jobben könne man in Bremen gut: „Studenten können sich direkt am Career Center der Uni Jobs vermitteln lassen“, sagt Detlef Stüwe vom Hochschulteam. „Neben Jobs in Pflege und Gastronomie gibt es Angebote direkt an den Fachbereichen der Hochschulen.“

Das Wohnen sei mittelteuer bis günstig in Bremen, weiß Katja Perlinger: „Wer nicht ins Wohnheim zieht, kann Kosten sparen, indem er in Stadtteile wie Walle oder das uninahe Findorff zieht.“ Sie zahlt im Viertel 300 Euro warm für 30 Quadratmeter. Im Vergleich: in München zahlt man dafür etwa 480 Euro.

 

Der Hochschulstandort Bremen

Einwohner: rund548.000 (Bremen), rund 113.000 (Bremerhaven)

Studierende: rund 32.000

Hochschulen: vier staatliche (Universität Bremen, Hochschule Bremen, Hochschule für Künste Bremen und Hochschule für Öffentliche Verwaltung), zwei private (Jacobs University, Hochschule für Internationale Wirtschaft und Logistik); in Bremerhaven: eine staatliche Hochschule (Hochschule Bremerhaven)

Studiengebühren an staatlichen Hochschulen: nein

Miete: zwischen 190 bis 245 Euro im Wohnheim (ca. 1.700 Plätze in vom Studentenwerk betriebenen Wohnheimen, 136 in Bremerhaven – beide via Studentenwerk Bremen), privat im Schnitt rund 9 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, circa 7 Euro pro Quadratmeter in Bremerhaven

 

*Name von der Redaktion geändert

abi>> 14.09.2012