Auf dem Weg zum Examen
Solomon Üffing (26) bezieht seit drei Jahren kein BAföG mehr. Seither finanziert er sich sein Studium über Nebenjobs. Für den "Schlussspurt" ist er allerdings zurück zu seiner Mutter gezogen.
Große Sprünge kann Solomon Üffing mit seinem Einkommen nicht machen.
Foto: Pinger
Im Wintersemester 2003/2004 hatte sich Solomon Üffing an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Köln eingeschrieben. „Bis zum Grundstudium lief alles nach Plan“, so der 26-Jährige. Dann warf ihn ein Unfall aus der Bahn. „Ein halbes Jahr lag ich im Krankenhaus und der Wiedereinstieg nach meiner Genesung war schwierig.“ Er erhielt 390 Euro BAföG und jobbte während des Studiums – als Kellner, Verkäufer, baute Messestände auf und vieles mehr. Praktika haben ihn zwar inhaltlich auf seinen späteren Berufsweg vorbereitet, aber einen Nebenjob in einer Kanzlei oder einer Institution wie amnesty international zu bekommen, gestaltet sich da schon schwieriger. Als Kellner verdient man sein Geld in Köln deutlich schneller. Im Durchschnitt hatte er so mit BAföG, Unterstützung der Mutter und Nebenjob rund 600 Euro im Monat zur Verfügung. 300 Euro gingen für die Miete drauf, der Rest musste für Lebensmittel, Kleidung und Freizeit reichen. „Große Sprünge kann man damit nicht machen, aber es reicht“. Als sich die Regelstudienzeit mit acht Semestern ihrem Ende näherte und das BAföG eingestellt wurde, kamen zu den Wochenendschichten immer mehr Tage hinzu, an denen der Jura-Student keine Zeit für die Uni hatte. „Zuletzt habe ich vier bis fünf Tage pro Woche gearbeitet.“
Kosten auf ein Minimum reduzieren
Dabei ist er seit zwei Jahren „scheinfrei“ und muss sich nur noch zum Examen anmelden, sechs Klausuren sowie eine mündliche Prüfung schreiben. Doch die Vorbereitungszeit für diese Prüfungsphase ist kaum vergleichbar mit einer Bachelorarbeit. „Ich muss das komplette Studium noch einmal Revue passieren lassen und mich in allen Bereichen inhaltlich fit machen“, so der Student.
Experten raten normalerweise dazu, sich gerade das Examen möglichst jobfrei zu halten, um sich konzentriert auf die Abschlussprüfungen vorbereiten zu können. Doch von Studienkrediten oder der Möglichkeit ein Examensabschlussdarlehen zu beantragen, hält Solomon Üffing wenig. „Ich möchte nicht noch mehr Schulden anhäufen, als ich sie durch das BAföG ohnehin schon habe.“
Deshalb ist er vor einem Jahr zurück zu seiner Mutter ins niederländische Heerlen gezogen, ungefähr eine Autostunde von Köln entfernt. Einfach war dieser Schritt nicht, aber notwendig, um nicht noch mehr Semester durch zu viele Nebenjobs verstreichen zu lassen. Einmal pro Woche fährt er heute nach Köln an die Uni, den Rest der Zeit lernt er rund sechs Stunden pro Tag in der Hochschulbibliothek der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen). Die Miet- und Unterhaltskosten fallen durch die neue Wohnsituation weg und das Kellnern kann er deshalb auf ein Minimum reduzieren. Wenn er im Sommer das erste Staatsexamen in der Tasche hat, dürfte es für ihn einfacher werden. Das anschließende Referendariat ist ja bezahlt.




