Zwischen Seminar und Job
Studium und Nebenerwerb gehören oft zusammen, das belegt eine aktuelle Studie des Deutschen Studentenwerks (DSW). Das hat nicht nur finanzielle Beweggründe: Viele Studentinnen und Studenten nutzen Jobs, um schon einmal Praxiserfahrung für den Wunschberuf zu sammeln.
Nebenjobs bringen nicht nur Geld sondern auch Praxiserfahrung.
Foto: Dörfel
So macht es auch Sabrina Bauer aus Bensheim bei Heidelberg. Wann immer es ihr Studium der Ostasienwissenschaften an der Universität Heidelberg zulässt, ist sie als Reporterin für den regionalen „Bergsträßer Anzeiger“ im Einsatz. Die 25-Jährige berichtet über Veranstaltungen und andere lokale Ereignisse, recherchiert vor Ort und führt Interviews. Dafür fährt sie zum Beispiel zu Premieren von Konzerten und Theaterstücken, nimmt auch mal an einer Wildkräuterwanderung teil oder besucht den Segelflugplatz. Wieder zurück am heimischen Schreibtisch verfasst sie die Beiträge, die sie dann an die Redaktion schickt.
Studentin und Reporterin
„Schon als Kind wollte ich gerne Journalistin werden, später aber erfuhr ich, dass man dafür nicht unbedingt ein Fach wie Kommunikationswissenschaften studieren muss“, erinnert sich Sabrina Bauer, die im Studium zugleich ihr großes Interesse für Asien einbringen wollte. Ein Praktikum vor drei Jahren verhalf ihr zu ihrem heutigen Nebenjob, denn im Anschluss bot ihr die Redaktion an, als freie Mitarbeiterin auf Honorarbasis weiterhin Aufträge zu übernehmen.
Vom regelmäßigen wissenschaftlichen Schreiben im Studium profitiert sie auch in ihrem Nebenjob: „Ich neige manchmal dazu, sehr blumige Formulierungen zu verwenden. Nun entwickle ich zunehmend ein Gefühl für die sprachliche Darstellung von Fakten. Im Studium wiederum bin ich inzwischen weniger aufgeregt, wenn ich zum Beispiel Referate halten muss, weil mir das regelmäßige Führen von Interviews mehr Selbstvertrauen gibt.“
Abrechnung nach Zeile
In der Redaktion nimmt man Rücksicht auf Sabrina Bauers Studentenpflichten. „Ich bekomme die Termine für Projekte zugemailt und teile dann mit, was ich davon übernehmen kann. Während der Prüfungsphasen oder meines sechswöchigen Auslandspraktikums konnte ich auch längere Auszeiten einlegen.“ Die Freiberuflichkeit hat aber auch einen Haken: „Wenn man eine bestimmte Summe im Monat verdienen muss, ist so ein Job weniger geeignet“, sagt Sabrina Bauer, froh darüber, dass ihr Vater Studium und Krankenkasse finanziert. Bezahlt wird auf Honorarbasis pro Zeile, damit schwankt auch der Stundenlohn erheblich: Die Reporterin sieht es als gute Vorbereitung für eine eventuelle hauptberufliche Tätigkeit als freie Journalistin. „In den Redaktionen wird oft nach Zeile oder Zeichen abgerechnet. Nun weiß ich schon, wie man sich organisieren muss, um effektiv zu arbeiten.“
Inzwischen absolviert Sabrina Bauer ihr sechstes und damit letztes Semester. Sobald sie ihre Bachelorarbeit abgegeben hat, möchte sie sich um ein weiteres Praktikum bewerben. „Dieses Mal würde ich gerne die redaktionellen Abläufe bei einer Zeitschrift kennenlernen, vielleicht sogar bei einem Magazin mit Themenschwerpunkt Asien.“ Dann möchte sie noch mehr über das journalistische Handwerk lernen. „Mein Wunsch wäre eine Ausbildung bei der Deutschen Journalistenschule“, sagt die 25-Jährige. Die Bewerbungsunterlagen hat sie schon angefordert.
Studium muss Hauptsache bleiben
Grundsätzlich sollten Nebenjobs immer gut mit dem Studium vereinbar sein. „Das Studium darf nicht darunter leiden“, betont Monika Ossadnik von der Arbeitsagentur Würzburg. „Von Vorteil ist es natürlich, wenn die Nebentätigkeit zum Studienfach oder zum später angestrebten Beruf passt, wenn sich hier Schnittmengen ergeben. Generell gilt, dass es bei potenziellen Arbeitgebern gut angesehen ist, wenn man Praxiserfahrung aus dem Studium nachweisen kann: Ob aus Praktika oder eben aus Nebenjobs.“ Die Berufsberaterin rät auch immer, sich nicht nur eine Bestätigung über die Tätigkeit geben zu lassen, sondern ein Arbeitszeugnis zu verlangen, in dem die Aufgaben und Qualifikationen festgehalten sind. Wer auf der Suche nach einer Tätigkeit ist, kann auch über die JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit danach suchen: Einfach „Minijob“ in das Suchfeld eingeben.
Viele Studierende können aus finanziellen Gründen nicht auf einen zusätzlichen Job verzichten: 67 Prozent von ihnen arbeiten nebenbei – durchschnittlich 14 Stunden pro Woche – und verdienen damit im Schnitt 323 Euro im Monat. Zu diesem Ergebnis kommt die 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) von April 2010. Im Jahr 2006 hatten 64 Prozent der Befragten Einkünfte aus dem Nebenjob angegeben. Das bedeutet: Seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge ist die Zahl der Jobber leicht gestiegen. Durch die nun meist strafferen Zeitpläne ist es zwar schwieriger geworden, einen Nebenjob mit dem Studium zu vereinbaren, offenbar nutzen aber viele zum Beispiel die Semesterferien, um nebenbei Geld zu verdienen. Unter den Bachelorstudierenden liegt die Erwerbstätigenquote bei 58 Prozent (Uni) beziehungsweise 63 Prozent (FH), bei den Diplomstudierenden sind es 73 Prozent (Uni) beziehungsweise 70 Prozent (FH).
Der Großteil der Nebenjobs (38 Prozent) entfällt laut der Studie auf Aushilfstätigkeiten wie Kellnern, Taxifahren, im Büro helfen oder in der Waschanlage arbeiten. Die Zahl der Studierenden in Aushilfstätigkeiten ist leicht zurückgegangen, hingegen ist die Zahl der studentischen Hilfskräfte gestiegen: 27 Prozent der Studierenden üben diese Tätigkeit aus. Mit Nachhilfeunterricht verdienen sich elf Prozent von ihnen ein Zubrot. Weitere zehn Prozent gehen verschiedenen freiberuflichen Tätigkeiten nach.
Insgesamt hat das durchschnittliche studentische Budget in Deutschland 812 Euro in 2009 betragen. Studierende bezahlten etwa für Miete einschließlich Nebenkosten rund 281 Euro, auf Ernährung entfielen 159 Euro. Für Kleidung wurden 51 Euro ausgegeben, für Freizeit, Kultur und Sport kamen rund 63 Euro zusammen.





