Eher zufällig ist Moritz Schröder im Sommer 2011 an der schlesischen Universität Opava in Karvina im Osten Tschechiens gelandet. Eigentlich hatte er sich an seiner Heimatuniversität in Frankfurt für ein Auslandssemester in Göteborg beworben, wurde aber nicht angenommen. „Die Leute vom Auslandsamt hatten eine Liste mit noch freien Studienplätzen und ich entschied mich spontan für Tschechien – ohne die Sprache zu beherrschen“, erinnert sich der 23-Jährige. Er hat es nicht bereut und schwärmt: „Das war die tollste Zeit meines Lebens.“
Dabei war die Ankunft im Gastland ein Schock: Er wurde zwar von einer Betreuerin, die Deutsch sprach, am Bahnhof abgeholt und zum Wohnheim gebracht, aber die neue Bleibe war alles andere als heimelig. Die Toilette war defekt, die Türen haben nicht richtig geschlossen, und der polnische Mitbewohner war total betrunken. „Um auf die Toilette zu gehen, mussten wir jedes Mal in die Bar nebenan.“ Moritz Schröder hat sich aber schnell erholt und danach vor allem die familiäre Atmosphäre an der Hochschule genossen. Schon während der Kennenlernveranstaltungen in der ersten Woche knüpfte er Kontakte zu zukünftigen Dozenten und den anderen 18 ERASMUS-Studierenden in Karvina.
Neu waren für ihn aber nicht nur Land und Leute: Kursgrößen von zehn bis 20 Leuten kannte er aus Deutschland nicht. „Die Kurse waren alle englischsprachig und relativ klein, viele wurden sogar speziell für uns ERASMUS-Leute abgehalten. Mit der Sprache gab es also keine Probleme“, erklärt der 23-Jährige. Zudem gab es Unterschiede in der Leistungsfeststellung: „Während ich in Deutschland am Ende des Semesters in jedem Fach eine Klausur schreiben musste, kam es hier darauf an, auch während der Vorlesungszeit mitzuarbeiten, Präsentationen zu erstellen und in Diskussionsrunden meine Meinung zu vertreten.“ Umgewöhnen musste er sich auch bei der Benotung. „In Tschechien werden Buchstaben als Noten vergeben. Ein A bedeutet sehr gut, und F heißt durchgefallen.“
Abstimmungsschwierigkeiten
Jeder Studierende, der mit ERASMUS ins Ausland geht, muss vor der Abreise ein sogenanntes Learning Agreement abschließen. „Ich bekam eine Liste mit allen englischsprachigen Veranstaltungen, die von der Uni Opava angeboten wurden, und konnte mich frei entscheiden, welche ich belegen wollte.“ In Abstimmung mit seinem deutschen Professor hat er sich für insgesamt neun Kurse entschieden. „Während mir in Deutschland für mein Soll von 30 Credit Points pro Semester vier Kurse reichten, musste ich in Karvina neun belegen“, erklärt Moritz Schröder.
Und das stellte ihn an der Uni Opava kurzfristig vor ein Problem: Einige von ihm ausgewählte Kurse kamen nämlich doch nicht zustande, weil sich zu wenige Studierende dafür angemeldet hatten. „Ich habe dann mit dem Auslandsbüro in Frankfurt gesprochen und Alternativen vorgeschlagen, die Gott sei Dank fast alle akzeptiert wurden“, berichtet er. „Nur bei Commercial Law stellte sich die Uni Frankfurt quer.“ Er belegte den Kurs trotzdem, weil er das Thema für sein Studium wichtig findet.
Der 23-Jährige hat den Bachelor in Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Finanzen in Frankfurt mittlerweile abgeschlossen, macht gerade ein Praktikum bei einer Bank in München und will anschließend einen Master in den Niederlanden machen. „Angst vor dem Schritt ins Ausland habe ich wirklich nicht mehr!“






