Unbegrenzte Möglichkeiten
Ein Auslandssemester macht sich gut im Lebenslauf, soviel ist klar. Die meisten Studierenden verbringen das innerhalb Europas, aber immerhin rund zehn Prozent der Studierenden, die es laut DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) 2009 ins Ausland zog, waren in den USA. Damit belegt das Land der unbegrenzten Möglichkeiten im Ranking der beliebtesten Zielländer deutscher Studierender immerhin Platz fünf.
"Man muss im Grunde die Uni nicht verlassen. Hier hat man alles, was man braucht.", sagt Sabrina Nürnberger. Aber wer einmal in den Staaten ist, will natürlich auch reisen.
Foto: Dörfel
Rund 9.000 deutsche Studierende erfüllen sich laut statistischem Bundesamt jährlich den Traum vom Auslandssemester in den USA. Sabrina Nürnberger (22) ist eine davon. Sie verbrachte im Sommer 2009 ein freiwilliges Auslandssemester an der Duquesne University in Pittsburgh – eine Partnerhochschule ihrer Uni. Als Studentin im Fach Medienmanagement an der Universität Köln hatte sie zu der Zeit bereits vier Semester Bachelor-Studium absolviert. Das war der ideale Zeitpunkt für ein Auslandssemester in den USA. Die ersten beiden Jahre der „undergraduate studies“, wie die vierjährigen Bachelor-Studiengänge in den USA genannt werden, sind dort nämlich eher allgemeinbildend ausgerichtet. Das eigentliche Fachstudium beginnt mit dem dritten Studienjahr. Die zweijährige Masterphase, die man noch an den Bachelor dranhängen kann, bezeichnet man als „graduate studies“.
Selbst organisiert oder nicht?
Ein Auslandsstudium in den USA kann man sich entweder selbst organisieren oder man nimmt an einem Austauschprogramm der eigenen Hochschule teil – so wie Sabrina Nürnberger. Ihr blieben dadurch die Studiengebühren von 13.000
Dollar für ein Semester erspart. Und noch ein Vorteil hat die Teilnahme an einem Austauschprogramm: In der Regel können die erbrachten Studienleistungen im Ausland problemlos auf das Studium an der Heimatuni angerechnet werden. Am einfachsten lässt sich ein Auslandsaufenthalt in den USA allerdings in einem Studiengang durchführen, der zu einem internationalen Doppelabschluss führt. Vor allem im Bereich der Masterstudiengänge gibt es hier Angebote, bei denen man innerhalb von zwei Jahren in den USA und in Deutschland studiert und am Ende sowohl von der deutschen als auch der amerikanischen Universität einen Abschluss erhält. (vgl. Porträt)
Um bei einer späteren Anerkennung der Studienleistung in Deutschland keine Probleme zu bekommen, ist es bei einem selbst organisierten Auslandsaufenthalt
wichtig, dass es sich bei der gewählten Hochschule um eine akkreditierte Hochschule, also eine durch eine Akkreditierungsagentur geprüfte handelt. Hintergrund ist, dass es in den USA keine staatliche „Zulassung“ von Hochschulen gibt und theoretisch jeder eine Universität gründen darf. Und da haben Studierende die Wahl zwischen rund 4.000 Colleges, Community Colleges und Universities. Die zweijährigen Community Colleges entsprechen vom Niveau her eher der gymnasialen Oberstufe, für deutsche Studierende sind daher vor allem die vierjährigen Colleges interessant, die zu einem Bachelorabschluss führen. Universities und „Institutes of Technology“, also technische Universitäten, bieten auch Studiengänge im Graduate-Bereich an.
Alle Hochschulen verlangen Studiengebühren, so genannte „tuition fees“. Die Höhe schwankt je nach Einrichtung und gewähltem Abschluss und kann bis zu 33.000 Dollar pro Jahr für ein Masterstudium an einer privaten Elite-Universität betragen. Durchschnittlich muss man mit Gebühren zwischen 12.000 und 16.000 Dollar pro Studienjahr rechnen. Wie hoch die Gebühren sind, hängt bei den staatlichen Hochschulen unter anderem auch davon ab, woher die Studierenden kommen. Wer in seinem Heimatstaat studiert, bezahlt in der Regel weniger als jemand aus einem anderen Bundesstaat oder aus dem Ausland. Der Grund für die hohen Gebühren: Das Hochschulsystem in den USA ist nicht staatlich reglementiert, die Hochschulen sind eigenständige Wirtschaftsbetriebe in privater oder öffentlicher Trägerschaft.
Gute Betreuung
Die Duquesne University in Pittsburgh, die sich Sabrina Nürnberger ausgesucht hatte, ist eine private Hochschule. Technische Ausstattung und Serviceangebote zeugen von guten finanziellen Mitteln. So konnten sich die Studierenden beispielsweise kostenlos Film-Equipment wie Kameras, Stative und Mikrofone ausleihen. Noch mehr aber fiel die individuelle Betreuung ins Gewicht. Meistens war sie eine unter zehn bis 20 Teilnehmerinnen einer Veranstaltung. „Die Betreuung war unglaublich intensiv, die Professoren kannten alle ihre Studenten persönlich mit Namen, wovon in Köln nicht die Rede sein kann“, schwärmt Sabrina Nürnberger.
Die Studentin lebte während des viermonatigen Auslandssemsters auf dem Campus, der die Infrastruktur einer Kleinstadt hatte. „Man muss im Grunde die Uni nicht verlassen. Hier hat man alles, was man braucht.“ Aber wer einmal in den Staaten ist, will natürlich auch reisen. Und den Luxus hat sich die 22-Jährige an so manchem Wochenende gegönnt. Sie mietete mit Freunden ein Auto, um nach Washington zu fahren oder ging für einen Kurztrip nach Chicago.






