Vom Mediengestalter zum Designer
Bertram Sturm (31) hat sich nach der Ausbildung und fünf Jahren im Berufsleben entschieden, seine Kompetenzen auszubauen. Er studierte Mediadesign in Berlin - ohne Abitur. Heute ist er selbstständig und freut sich über seine kreative Freiheit.
"Pauken musste ich vor allem in den Fächern Medientheorie und Fachenglisch. Das war wie früher an der Schule - doch diesmal hatte ich ein Ziel vor Augen", sagt Bertram Sturm
Foto: Privat
Bis zur achten Klasse besuchte Bertram Sturm das Gymnasium in Hersbruck bei Nürnberg. „Die Fremdsprachen waren da mein Problem“, erinnert er sich. Die neunte und zehnte Klasse machte er deshalb an der Realschule und schloss mit der Mittleren Reife ab. „Im Anschluss wollte ich an der Fachoberschule die Fachhochschulreife erwerben, doch meine Eltern überzeugten mich, dass ich etwas Praktisches anfangen sollte – ein guter Rat damals.“ Er entschied sich für eine Ausbildung zum Mediengestalter bei der Schlott-Gruppe in Nürnberg.
Das praktische Arbeiten machte ihm Spaß, und er wurde im Anschluss an seine Ausbildung bei dem Druckdienstleister übernommen. „Zunächst arbeitete ich in der Zeitschriftenproduktion: Satz und Druckvorstufe für ‚Gong’, ‚Die Aktuelle’ und ‚Popcorn’ – das war abwechslungsreich.“ Danach war er in der Katalogproduktion für große Versandhäuser tätig. „Beim Erstellen von Katalogen ist das kreative Spektrum viel enger als bei Zeitschriften. Da muss manchmal nur die Farbe eines Pullovers oder eines Kabels angepasst werden“, erklärt er.
Lust auf eigenständiges kreatives Arbeiten
Weil ihn diese Tätigkeit nicht ausfüllte, setzte er sich in seiner Freizeit mit dem Internet auseinander und begann, Webseiten zu designen, zunächst für Bekannte. Aus dem Hobby wurde mehr: „Bald habe ich ein Gewerbe angemeldet. Damals wurde mir klar, dass mir das kreative Gestalten am wichtigsten ist“, erzählt er. „Das wollte ich ausbauen. Ich habe mich dann zuerst initiativ bei einigen Agenturen als Designer beworben, doch ohne Erfolg. Zwar wurden meine Arbeitsproben mehrfach ausdrücklich gelobt, doch überall wurde ein Studium erwartet.“
Abitur hatte Bertram Sturm zwar nicht, doch er wusste, dass es auch andere Wege an die Hochschule gibt: „Da in Bayern damals die Hochschulreife noch zwingende Voraussetzung für ein Studium war, erkundigte ich mich in Hamburg und Berlin.“ Die Wahl fiel schließlich auf Berlin und auf ein Mediadesign-Studium an der staatlich anerkannten privaten Mediadesign-Hochschule (MD.H). „Zulassungsvoraussetzung dort war eine abgeschlossene Ausbildung im jeweiligen Fachbereich sowie fünf Jahre Berufserfahrung. Zudem musste ich noch eine Bewerbungsmappe vorlegen und bis zum Abschluss den TOEFL-Test (Test of English as a foreign language) ablegen.“
Nebenher hat Bertram Sturm nur wenig gearbeitet, da er sich voll und ganz auf sein Studium konzentrieren wollte. Die Kosten deckte er zum Teil mit dem Geld, das er in den Jahren zuvor beiseite gelegt hatte. „Außerdem habe ich mein Auto verkauft, in Berlin braucht man schließlich keines. Unterstützung von meinen Eltern gab es auch.“
Fit im Praktischen, Pauken in Theorie
Während er in praktischen Aufgabenbereichen, etwa in Photoshop-Kursen, den meisten Kommilitonen überlegen war, konnte er im theoretischen Bereich viel dazulernen. „Pauken musste ich vor allem in den Fächern Medientheorie und Fachenglisch. Das war wie früher an der Schule – doch diesmal hatte ich ein Ziel vor Augen.“ So war auch das Fachhochschul-Diplom, das er am Ende seiner Prüfungen erfolgreich erwarb, zu schaffen. „Sogar das Bücherwälzen bei der Diplomarbeit hat mir Spaß gemacht.“
Heute ist Bertram Sturm selbstständiger Designer und arbeitet in einer Bürogemeinschaft in Berlin. Er hat verschiedene Kunden und abwechslungsreiche Aufträge. „Zwar liegt mein Verdienst als Selbstständiger noch nicht ganz wieder auf dem Niveau wie in meinen besten Zeiten als Angestellter, aber das wird schon noch. Ich mache heute vor allem das, was mir am meisten Spaß macht und das ist mir das Wichtigste. Meinen früheren Job hätte ich jedenfalls nicht bis zur Rente machen wollen.“
Hinweis: Studium ohne Abitur in Musik und Kunst
In den meisten Bundesländern ist das Studium von Fächern im Bereich Musik und Kunst auch ohne Hochschulreife möglich, wenn eine besondere künstlerische Begabung nachgewiesen werden kann.
An der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz beispielsweise kann man sich mit einem mittleren Bildungsabschluss für die Bachelor-Studiengänge im Fach Musik bewerben, wenn die Eignungsprüfung bestanden und im Hauptfach mindestens mit „gut“ abgelegt wurde. Im Studiengang Freie Bildende Kunst genügt für die Einschreibung der mittlere Bildungsabschluss, wenn die Mappenprüfung sowie das Gesamtergebnis der Eignungsprüfung mit jeweils mindestens „gut“ bewertet werden.



