Leidenschaft ist die Motivation
Studieren in der geliebten Heimat: Paul Hamann (22) ist an der Universität Hamburg eingeschrieben, wo er seinen Wunschstudiengang Anglistik/Amerikanistik im Hauptfach absolvieren kann. Sein Nebenfach ist Politikwissenschaft.
Paul Hamann (22) liebt Englisch und seine Heimatstadt Hamburg. Wäre wäre naheliegender als dort an der Uni Anglistik zu studieren?
Foto: Privat
Ein Jahr in Irland hat ihn überzeugt: Anglistik ist sein Metier. Im G9 hat er das elfte Schuljahr genutzt, um für ein Jahr bei einer Familie in Irland zu leben: „Ich habe generell eine Affinität zu Fremdsprachen, auch zu theoretischen Konzepten, aber vor allem zu den Welten zwischen den Buchdeckeln.“ Mittlerweile studiert er im fünften Semester an der Universität in Hamburg am Institut für Anglistik und Amerikanistik (IAA) und würde seine Entscheidung jederzeit wieder so fällen: „Ich habe mein Hobby zum ‚Beruf‘ gemacht und könnte mir auch eine wissenschaftliche Laufbahn vorstellen.“ Da er aufgrund seiner Abiturnote frei wählen konnte, war für ihn das
wichtigste Kriterium, etwas zu finden, mit dem er sich nicht nur im Studium und später im Beruf, sondern auch in seiner Freizeit gerne beschäftigen möchte. Er liest nicht einfach nur gerne, er ist „süchtig“ nach Literatur, egal ob William Shakespeare, John Fowles, Paul Auster oder Ian McEwan.
Anglistik hätte er in vielen Städten studieren können, er entschied sich aber dafür, in seiner Heimatstadt Hamburg zu bleiben: „Hamburg ist einfach eine unglaublich schöne Stadt, mit vielen Grünflächen und sehr weltoffen. Ich wohne in Ottensen, ein bunter, multikultureller Stadtteil, wo ich ein Kino ums Eck habe, das englische Filme im Original zeigt, sowie einige Märkte.“ Dafür nahm er auch die Zugangshürde für seinen Wunschstudiengang in Kauf, die allerdings aufgrund seiner Punktezahl im Englisch-Abi kein Problem darstellte: Am IAA in Hamburg sieht die Regelung vor, dass die Bewerber zwölf Punkte auf erhöhtem Niveau im profilgebenden Fach Englisch oder 14 Punkte auf grundlegendem Niveau im Kernfach Englisch nachweisen müssen. Paul Hamann hat seinen Englisch-Leistungskurs mit 15 Punkten abgeschlossen. Wer keine ausreichende Punktzahl vorweisen kann, hat noch die Option, über den TOEFL (Test of English as a Foreign Language) reinzukommen, vorausgesetzt, er schneidet mit 95 Punkten in der internetbasierten Version ab. Auch andere Tests, wie etwa der IELTS (International English Language Testing System), sind möglich.
Bezahlbarer Wohnraum
Die Studieninhalte entsprechen genau seinen Vorstellungen: Am IAA geht es einerseits um englischsprachige Literatur – also Literatur aus Großbritannien, Irland, den ehemaligen britischen Kolonien und Nordamerika. Diese wird, von ihren Anfängen im Mittelalter bis zur Gegenwart, im Kontext der länderspezifischen Kulturen betrachtet. Andererseits geht es um die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Varietäten der englischen Sprache. Für die Kombination mit Politikwissenschaft entschied er sich, weil er sich neben dem geisteswissenschaftlichen Kosmos mit etwas Realem, Bodenständigem auseinandersetzen wollte, etwa mit Rebellengruppen im Kongo. „Außerdem hat es mich einfach interessiert“, sagt er.
Obwohl er in Hamburg geblieben ist, wollte der 22-Jährige von zu Hause ausziehen. Ein bezahlbares WG-Zimmer zu finden, das nicht mehr als 300 Euro im Monat kostet, war für ihn aufgrund seiner Kontakte kein Problem. Er kennt aber die Schwierigkeiten seiner Kommilitonen: „Viele leben in Wohngemeinschaften und arbeiten nebenbei, um sich die Stadt leisten zu können.“ Noch erhebt Hamburg 375 Euro Studiengebühren. Diese werden aber im Herbst 2012 abgeschafft. Hinzu kommt der Semesterbeitrag in Höhe von 269 Euro, der ein Semesterticket für den Nahverkehr beinhaltet. Da die Verkehrsanbindungen gut sind, nehmen manche Anfahrtswege bis zu einer Stunde in Kauf, um bezahlbaren Wohnraum zu finden. Auch Paul Hamann arbeitet – als studentischer Tutor an der Universität. Davon allein kann er nicht leben, aber in Kombination mit elterlicher Unterstützung kommt er zurecht. Ein weiterer Pluspunkt für Hamburg: „Man findet eigentlich immer einen Job, auf der Messe, im Buchladen oder in der Universitätsverwaltung.“





