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Interview

Wettbewerb um die besten Köpfe

20 Prozent ist die Zahl, die den Erfolg des dualen Studiums in Deutschland beziffert: 20 Prozent mehr Studienangebote und ein genauso großes Plus an Studierenden — und das innerhalb eines Jahres: Jochen Goeser, Projektleiter der Datenbank AusbildungPlus des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), über Trends, Prognosen und Karrierechancen.

 
Studierende im Hörsaal

Studieren und arbeiten ist eine Doppelbelastung. Aber die Absolventen dualer Studiengänge haben auch Vorteile.

Foto: Becker

abi>>: Herr Goeser, das duale Studium wirkt wie ein Senkrechtstarter in der deutschen Studienlandschaft. Sehen Sie den Trend ungebrochen?

Jochen Goeser: Angebot und Nachfrage steigen in diesem Bereich seit Jahren kontinuierlich. Natürlich hat die konjunkturelle Lage in Deutschland Einfluss auf die Bereitschaft der Unternehmen, in diese Ausbildungsform zu investieren. Daher überrascht es nicht, dass wir in den vergangenen zwölf Monaten einen besonders

Jochen Goeser

Jochen Goeser

Foto: Privat

hohen Anstieg erlebt haben. Das duale Studium ist bei den Unternehmen ein beliebtes Modell, weil sie sich so passgenauen Nachwuchs ausbilden können. Ich beobachte, dass sich der Wettbewerb um die besten Köpfe vom Studienabschluss auf den Studienstart verlagert hat, eine sehr interessante Entwicklung.

abi>>: Wie steht es denn um die Karrierechancen von Absolventen eines dualen Studiums?

Jochen Goeser: Die Übernahmechancen in das kooperierende Unternehmen sind wirklich sehr gut. Die Betriebe investieren viel in ihre Nachwuchskräfte und wollen die Absolventen natürlich binden. Aber das heißt nicht, dass die Berufseinsteiger nicht nach einiger Zeit im Beruf in ein anderes Unternehmen wechseln können. 

abi>>: Wie verlaufen die Karrieren von Absolventen?

Jochen Goeser: Das kann man so pauschal natürlich nicht sagen. Ob ein Mensch wirklich Karriere macht, hängt in Deutschland in der Regel nicht nur von seinem Studienabschluss ab. Da spielen viele Faktoren eine Rolle und vor allem auch, wie er sich im Unternehmen präsentiert und welche Netzwerke er im Laufe des Berufslebens aufbaut.

abi>>: Das duale Studium klingt ein bisschen nach Wunderwaffe für begabte Nachwuchskräfte. Doch Abiturienten müssen auch die Nachteile klar sein.

Jochen Goeser: Ja, die Nachteile sind bekannt. Studieren und Arbeiten ist eine Doppelbelastung, der nicht jeder gewachsen ist. Außerdem ist das Studienangebot im Bereich Wirtschaft- und Ingenieurwissenschaften am breitesten. Inzwischen gibt es zwar auch Studiengänge im Bereich soziale Arbeit oder Medien, aber das ist noch eher die Ausnahme. Und die Bachelorarbeit muss natürlich über ein Thema verfasst werden, das dem Unternehmen nutzt.

abi>>: Wie sieht denn der optimale Abiturient aus Unternehmenssicht aus?

Jochen Goeser: Er sollte gut organisiert sein, mit Stress umgehen können und sein Zeitmanagement im Griff haben. Diese Eigenschaften stellen die Interessenten meist schon im Laufe des Bewerbungsprozesses unter Beweis. Anders als bei einem herkömmlichen Studium müssen sich Interessenten in der Regel bei einem Unternehmen bewerben. Wichtig ist dabei, schon im Anschreiben deutlich zu machen, dass man ein duales Studium machen will und dass man weiß, was auf einen zukommt.

abi>>: Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten, dual zu studieren. Welche empfehlen Sie?

Jochen Goeser: Ich denke, dass es eine große Chance ist, einen Studien- und einen Ausbildungsabschluss parallel zu erwerben und dabei auch noch Geld zu verdienen.

abi>>: Das ist beim ausbildungsintegrierenden Modell der Fall …

Jochen Goeser: Richtig, aber es gibt auch praxisintegrierende Modelle, die sehr interessant sind. Es wird dann zwar kein Ausbildungsabschluss erworben, aber ein Gehalt wird trotzdem bezahlt. Dieses Modell bietet beispielsweise die Duale Hochschule Baden-Württemberg an. Generell ist es einfacher sich bei einem Unternehmen zu bewerben, das schon duale Studienplätze anbietet. Daneben steht es den Interessenten aber frei, ein neues Unternehmen für das Modell zu begeistern. Aber dann müssen die jungen Leute auch noch die Organisation des dualen Studiums selbst schultern.

abi>>: Bei durchschnittlich 50 Bewerbungen auf eine Stelle haben viele sicher keine andere Wahl.

Jochen Goeser: Na ja, da gibt es schon große Unterschiede, ob man sich bei einem Großkonzern bewirbt oder einem Mittelständler. Und: Bewerber müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie in der Regel mehr als eine Bewerbung schreiben müssen. Es ist eben Einsatz angesagt, wenn man ein duales Studium absolvieren will.

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