Me, myself & I auf dem Prüfstand
Eigentlich denkt jeder, er weiß genau, was er kann und was nicht, was ihn interessiert und was weniger. Dabei können die wenigsten die eigenen Stärken konkret benennen. Objektive Hilfe bieten sogenannte Selbsteinschätzungstests. Zum einen gibt es solche, die persönliche Fähigkeiten mit möglichen Studiengängen oder Berufen in Verbindung bringen — zum anderen studienbezogene Self-Assessments, die prüfen, ob man für sein Wunschstudium geeignet ist.
Es gibt verschiedene Arten von Selbsteinschätzungstests, die bei der Studien- und Berufswahl unterstützen können.
Foto: Somieski
Besonders in der Phase der Berufsorientierung können Schüler über Eignungs- und Selbsteinschätzungstests ihre Interessen und Stärken fundiert und genau ausloten. Online gibt es hierfür zahlreiche Angebote, beispielsweise Explorix, die deutschsprachige Fassung der weltweit angewendeten Self-directed Search (SDS). Während des rund 20-minütigen Tests geben die Teilnehmer Einschätzungen zu ihrem Interesse an bestimmten Tätigkeiten, zu den eigenen Fähigkeiten, zu Sympathien für Berufe sowie zu persönlichen Eigenschaften ab. Direkt im Anschluss können sie dann dank des Codes ihren persönlichen Ergebnisreport abrufen, ein 13- bis 16-seitiges Dokument mit zahlreichen passenden Berufsvorschlägen, Checklisten etc. im PDF-Format zum ausdrucken und abspeichern.
Weitere Online-Angebote sind beispielsweise JobGuide-Pro, ein software-gestütztes Beratungssystem, das die Brücke zwischen Schule und Studium oder Beruf schlagen will, oder der Eignungstest Berufswahl des geva-instituts (siehe Fachübergreifende Testverfahren zur Berufs- und Studienorientierung). Bei allen diesen Tests geht es darum, sich selbst möglichst gut einzuschätzen: Der Testkandidat gibt durch Ankreuzen vorgegebener Antwortmöglichkeiten an, wie sehr bestimmte Aussagen oder Eigenschaften auf ihn zutreffen, oder wie er sich in bestimmten Situationen verhalten würde. Als Ergebnis erhält er beispielsweise eine Auflistung seiner Stärken und Schwächen oder erfährt, welche Berufe oder Studienfächer am ehesten seinen Interessen entsprechen.
Wer überprüfen möchte, welche Studienrichtungen oder -fächer zu den eigenen Interessen und Stärken passen, kann zum Beispiel Testverfahren wie BORAKEL der Ruhr-Universität Bochum, „Visopoly“ der Uni Oldenburg oder den „Wegweiser – meine Studienwahl“ der FH Münster nutzen (siehe Fachspezifische Testverfahren zur Studienorientierung). Wer sich wiederum konkret für einen bestimmten Studiengang interessiert, jedoch nicht sicher ist, ob er dafür geeignet ist, dem bieten sich etwa studienbezogene Self-Assessments an, die mittlerweile von zahlreichen deutschen Hochschulen angeboten werden (siehe Fachspezifische Self-Assessments).
Vorsicht vor blindem Vertrauen
Allerdings gilt bei all diesen Online-Angeboten die Faustregel: nicht streng testgläubig sein. Die endgültige Entscheidung für ein Studienfach oder einen Beruf sollte man nicht alleine von einem Testergebnis abhängig machen. Sinnvoller ist es, sich zusätzlich mit einem Berufs- oder Studienberater zu besprechen. „Oft machen Schüler einen solchen Test ja auch mit bestimmten Erwartungen im Hinterkopf – und sind dann enttäuscht, wenn das, was rauskommt, diese Erwartungen nicht bestätigt“, weiß Detlef Berg, Berufsberater im Team Akademische Berufe der Hamburger Agentur für Arbeit. Er hält es daher für äußerst hilfreich, wenn Schüler die Testergebnisse mit ins Beratungsgespräch bringen und er sie gemeinsam mit ihnen interpretieren kann: „So ein Test ist lediglich ein Hilfsmittel. Es ist ja nicht so, dass der am Ende exakt die ein oder zwei Berufe ausspuckt, die passen, und der Rest kommt nicht in Frage. Aber wenn man schon mal ein paar Anhaltspunkte hat und ungefähr die Richtung weiß, dann kann man Alternativen finden und schauen, ob es nicht noch andere, ähnliche Studien- oder Berufsfelder gibt, die interessant sind.“
Da es auch für ihn selbst die Beratungssituation erleichtert, ermutigt Detlef Berg die Schüler nicht selten zum Selbsttest: „Wenn ich zum Beispiel im Erstgespräch merke, dass da ein Jugendlicher mit relativ unrealistischen oder sehr vagen Vorstellungen zu mir kommt, oder wenn er insgesamt sehr unsicher auftritt, dann gebe ich häufig einen Explorix-Test mit, erkläre, wie er funktioniert und sage, dass wir das Ergebnis in einem weiteren Gespräch besprechen.“ Oder er ermuntert die Ratsuchenden, vor Ort in der Arbeitsagentur den Test zur Selbsteinschätzung studienrelevanter Personmerkmale (SSP) oder einen Studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) zu absolvieren.
Angebote der Bundesagentur für Arbeit
Die Studienfeldbezogenen Beratungstests dauern rund zwei bis drei Stunden und werden vom Psychologischen Dienst der Bundesagentur angeboten. Für die sechs Bereiche Natur-, Ingenieur- und Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Informatik/Mathematik und philologische Studiengänge gibt es Testaufgaben, die auf die Anforderungen der jeweiligen Studienangebote ausgerichtet sind und fachtypischen Problemstellungen entsprechen. Wer einen solchen Test absolviert hat, kann danach die Ergebnisse mit einem Psychologen besprechen und erfährt, wie seine Ergebnisse im Vergleich mit anderen Studieninteressenten einzuschätzen sind.
Mit dem Test zur Selbsteinschätzung studienrelevanter Personmerkmale (SSP) dagegen lässt sich zum einen der Frage auf den Grund gehen, ob jemand grundsätzlich für ein Studium geeignet ist. Außerdem gibt der Test Auskunft darüber, wo die eigenen Interessen und Fähigkeiten liegen. Rund 140 Fragen umfasst der SSP, deren Beantwortung in etwa eine halbe Stunde dauert. „Bei beiden Angeboten geht es also darum, sich Rückendeckung für die eigene Entscheidung zu holen“, meint Berufsberater Berg.




