"Wir haben viele tolle Angebote, du musst sie nur nutzen"
Pizza oder lieber Pasta? Die Speisekarte aufklappen und dann den Bauch entscheiden lassen! Wenn es bei der Berufswahl doch auch nur so einfach wäre. Natürlich spielen Gefühl und Lust auch hier eine wichtige Rolle, denn der Job soll ja Spaß machen, am besten ein Leben lang. Aber auch der Kopf ist gefragt. Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? Die Berufsberater der Agenturen für Arbeit helfen dir, diese Fragen zu beantworten.
In dem einstündigen Beratungsgespräch gilt es, den passenden Beruf zu finden.
Foto: Striegl
Ihr erster Tipp: „Überlege, wo sind deine Stärken und frage deine Eltern, Freunde und Bekannte“, rät Berufsberater Ulrich Frei von der Agentur für Arbeit in Hanau. Und mache dir bewusst, was macht mir Spaß und was interessiert mich. Im persönlichen Beratungsgespräch wird dann auf diesen Informationen aufgebaut, vor allem, wenn sich der Berufswunsch noch genau formulieren und sich etwa in einem „Ich habe eigentlich keine Ahnung, was ich werden will“ zusammenfassen lässt.
Dass das in der Regel gar nicht so ist, weiß Berufsberater Frei aus jahrelanger Erfahrung. „Eine Idee oder ein vage Vorstellung von dem, was man mal machen möchte, hat eigentlich jeder“. Der Berufsberater hilft dann passende Berufe und Studiengänge zu finden. Kurz gesagt: In dem einstündigen Beratungsgespräch gehen die Berufsexperten auf deine Wünsche und Vorstellungen ein. Dabei spielt es keine Rolle, ob du überhaupt noch nicht weißt, was du werden willst, oder Nachfragen zu einem ganz bestimmten Beruf hast. Je nach deinem Stand im Berufswahlprozess kann es aber sein, dass mehr als ein Gespräch nötig ist. Übrigens: Die Beratung in den örtlichen Agenturen für Arbeit ist kostenfrei.
Infos an der Schule
Doch die Arbeit der Berufsberater beginnt nicht erst mit dem Beratungsgespräch. „Unsere Hilfe zur Berufswahl bieten wir schon in der Schulzeit an“, sagt Experte Frei. An den Gymnasien informieren die Mitarbeiter der Agenturen für Arbeit (AA) über die verschiedenen Möglichkeiten, nach der Schule eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen. Allein in Deutschland werden rund 9.000 grundständige Studiengänge an den Hochschulen angeboten. Ulrich Frei und seine Kollegen erläutern dabei Studienrichtungen und Zulassungsvoraussetzungen, geben Tipps für einen erfolgreichen Studienverlauf und informieren selbstverständlich auch über mögliche Berufsfelder nach dem Studium.
Dass es sehr wichtig ist, an Studium und Ausbildung eine realistische Erwartung zu stellen, zeigen auch die hohen Abbrecherquoten. Rund 20 Prozent der Studierenden verlassen die Hochschule ohne Abschluss. Angebote, die deine Eignung testen, bietet der Psychologische Dienst in den Agenturen für Arbeit an. Wer sich für ein Studienfach interessiert, aber nicht sicher ist, ob er das Studium schafft, kann einen Studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) absolvieren. Oftmals werden – auch in Zusammenarbeit mit den Studienberatungen an den jeweiligen Hochschulen – Vortragsveranstaltungen angeboten. Dort wird über die Vielfalt der Studienmöglichkeiten, über Bewerbungs- und Zulassungsverfahren für ein Studium oder auch über Studienfinanzierung und spätere Einsatzmöglichkeiten in der Arbeitswelt informiert. Teilweise werden die jungen Menschen auch für die Bewerbung fit gemacht: In Seminaren mit Titeln wie „Bewerbertraining“ vermitteln die Berater das Wissen, wie eine gute Bewerbung aussieht, wie ein Assessmentcenter abläuft und was beim Vorstellungsgespräch zu beachten ist. Diese Veranstaltungen findest du in der Veranstaltungsdatenbank der Bundesagentur für Arbeit.
Viele Möglichkeiten
„Wir werden auch immer wieder gefragt, welches das richtige Studium im Bezug auf spätere Berufsaussichten ist“, erinnert sich Ulrich Frei. Hier rät er den Schülern, nach ihren Interessen und Neigungen zu entscheiden und Prognosen und Arbeitsmarktchancen nicht unbedingt in den Vordergrund zu stellen. Denn bis zum Ende einer Ausbildung kann sich der Markt schnell gewandelt haben. Neben den „normalen“ Studiengängen kommt für viele Abiturienten auch ein duales Studium in Betracht. Das ist eine Kombination aus einem Hochschulstudium und einer praktischen Ausbildung oder Berufstätigkeit in einem Betrieb. Der Vorteil: Man verdient Geld und auch die Studiengebühren werden von einigen Arbeitgebern übernommen. Außerdem hat man schon ein Bein im Betrieb, der in der Regel auch später zum Arbeitgeber wird.
Ähnlich gute Perspektiven für den Berufseinstieg bieten die „Sonderausbildungen für Abiturienten“ – eine Variante von meist größeren Betrieben mit einer speziellen Weiterbildung im Unternehmen oder mit zusätzlichen Studienmöglichkeiten in Zusammenarbeit mit Berufsakademien.
Auch das Thema Ausbildung kommt zur Sprache. Häufig interessieren sich Abiturienten dabei für Ausbildungen im kaufmännischen, technischen und naturwissenschaftlichen Bereich. Insgesamt werden in Deutschland junge Menschen in rund 350 Berufen ausgebildet, nicht mitgerechnet die schulischen Ausbildungen. Typisch für eine betriebliche Ausbildung ist, dass die Azubis an zwei Lernorten ausgebildet werden. Sie arbeiten im Betrieb und lernen an der Berufsschule. Einige Unternehmen bieten dazu noch unternehmensinterne Schulungen an. Die Azubis erhalten auch ein Ausbildungsgehalt.
Eine schulische Ausbildung dagegen wird in der Regel an einer Berufsfachschule absolviert. Der Vollzeitunterricht wechselt sich mit Praktika im Berufsfeld ab. In der Regel wird kein Gehalt bezahlt, teilweise verlangen die Schulen sogar ein Schulgeld. Ausnahmen gibt es etwa im Gesundheitsbereich: So werden die Gesundheits- und Krankenpfleger zwar an Berufsfachschulen ausgebildet, jedoch arbeiten die jungen Menschen während der Praxisphasen sozusagen im Stammkrankenhaus und erhalten eine Ausbildungsvergütung.
Und auch bei der Wahl einer Berufsausbildung gilt: Vorher gut informieren, denn knapp zehn Prozent brechen ihre Ausbildung ab. „Ich rate häufig dazu, ein Praktikum zu absolvieren und so zu prüfen, ob die eigenen Vorstellungen vom Beruf mit der Realität übereinstimmen“, sagt Ulrich Frei. Ist die Entscheidung für eine Ausbildung gefallen, dann hilft der kostenlose Vermittlungsservice der Berufsberatung. „Wir suchen gezielt nach den zur Person passenden Ausbildungsangeboten und wer selbst auf die Suche gehen will, kann unsere JOBBÖRSE nutzen.“
Zum Weiterlesen
Ein weiteres wichtiges Anliegen der Berufsberater: „Wir wollen die jungen Menschen in die Lage versetzen, sich selbstständig mit dem Thema Berufswahl auseinanderzusetzen“, informiert Ulrich Frei. Dazu werden die Medien zur Berufs- und Studienwahl sowie Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit (BA) vorgestellt. Zu nennen sind hier etwa BERUFENET, KURSNET, BERUFE TV und abi>>. Die Webseiten kannst du von zu Hause aus abrufen, und dich gezielt informieren oder auf www.abi.de surfen und dich in Sachen Berufswahl inspirieren lassen. Aufrufen kannst du diese Medien aber auch an den Rechnern in den Berufsinformationszentren (BiZ). Dort liegen darüber hinaus die abi>> Infomappen Studienberufe bereit, die interessante Studienberufe für Abiturienten vorstellen und den Berufsalltag darstellen. „Wir haben viele tolle Angebote“, sagt Berufsberater Frei, „die jungen Leute müssen sie nur nutzen.“




