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Interview

Gut vorbereitet zum Ziel

"Je besser man vorbereitet ist, desto besser ist das Ergebnis", bringt es Silke Junghans auf den Punkt. Im Gespräch mit abi>> erklärt die Beraterin für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Glauchau, wie eine optimale Vorbereitung aussieht und was eine Berufsberatung realistisch gesehen leisten kann.

Auf einem Tisch liegt eine abi>> Infomappe zum Thema "Erneuerbare Energien".

Was traue ich mir zu? Eine solche Frage sollte man vor einem Beratungsgespräch für sich beantworten können.

Foto: Striegl

abi>>: Frau Junghans, was können Abiturienten tun, damit die Beratung möglichst viel bringt?

Silke Junghans: Es ist wichtig, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, was ich von der Berufsberatung erwarte. Welche Informationen brauche ich und welche Fragen möchte ich stellen? Viele junge Menschen kommen zu mir und sagen, sie wissen überhaupt nicht, was sie werden wollen. Das stimmt so meistens nicht. Sie haben häufig schon Pläne gemacht und sie dann aus verschiedenen Gründen wieder verworfen. Das sind für mich wichtige Informationen, da ich mein Gegenüber kennenlernen muss, um gut zu beraten.

 

abi>>: Gibt es einen Leitfaden für die Vorbereitung?

Silke Junghans: Wer z.B. mit dem Berater überlegen möchte, welche Berufe für ihn in Frage kommen, kann sich als Vorbereitung Antworten auf folgende Fragen notieren.

Was kann ich gut?
Was traue ich mir nicht zu?
Was sind meine Stärken?
Was sind meine Schwächen?
Wie charakterisieren mich meine Freunde, Vereinskollegen, Eltern?
Wie sehe ich mich? (schüchtern, korrekt, wortgewandt, gewissenhaft)
Welche Hobbys habe ich?
Weiß ich, was mir in meinem künftigen Beruf wichtig ist?

Ein Porträtfoto von Silke Junghans: Sie hat kurze blonde Haare, trägt schwarzweiß gestreifte Ohrringe, ein weißes Oberteil und ein schwarzes Halstuch.

Silke Junghans

Foto: Privat

Hilfreich ist sicher auch, die Erwartungen an die Beratung kurz zu skizzieren und Fragen zu notieren, die man stellen möchte. Dann behält man im Gespräch den Überblick und kann die Punkte abhaken. Viele junge Menschen fragen mich beispielweise, welche Ausbildungen in der Region angeboten werden oder sie wollen wissen, wie sie ein Studium oder eine Ausbildung finanzieren können. Welche Berufe zu ihren Interessen passen und welche Studiengänge mit ihren Vorlieben übereinstimmen.

 

abi>>: Wie läuft eine Beratung ab?

Silke Junghans: Das ist von Fall zu Fall verschieden und hängt natürlich davon ab, wie weit die Ratsuchenden im Prozess der Berufswahl schon gekommen sind und welche Fragen sie mitgebracht haben. Das besprechen wir zu Beginn. Beispielsweise werde ich häufig nach Berufen gefragt, mit denen man Menschen helfen kann. Ich frage dann weiter, ob der Jugendliche eher Menschen erziehen, unterrichten, pflegen oder beraten will. Und ob er eine Ausbildung oder ein Studium plant. Und wenn das Interesse dem Unterrichten gilt, dann vertiefen wir das Thema und sprechen zum Beispiel über die unterschiedlichen Schulformen, an denen man unterrichten kann, (in Sachsen sind das Grundschule, Mittelschule, Gymnasium, Berufsschule und Förderschule). Auch mögliche Fächerkombinationen, die man studieren kann, sind ein wichtiges Thema. Und natürlich sprechen wir darüber, wie man den gewünschten Studienplatz bekommt.

 

abi>>: Vermitteln Sie auch Stellen für duale Studiengänge/Sonderausbildungen für Abiturienten?

Silke Junghans: Wir vermitteln Sonderausbildungen für Abiturienten, etwa eine Ausbildung zum Handelsfachwirt oder zum Handelsassistenten und nennen auch Adressen von Betrieben. Das ist eine gute Möglichkeit, das Abitur zu nutzen und schnell in eine erste Führungsposition zu kommen. Wir informieren auch über duale Studiengänge und darüber, dass man sich in der Regel erst mit der Zusage eines Unternehmens bei der Hochschule oder Berufsakademie bewerben kann. Die Adressen stehen in der Regel auf den Webseiten der Berufsakademien beziehungsweise der dualen Hochschulen.

 

abi>>: Was müssen Abiturienten beachten, wenn der Berater bei der Vermittlung hilft?

Silke Junghans: In der Berufsberatung haben wir die Möglichkeit, Ausbildungsangebote an Suchende weiterzugeben. Wenn Jugendliche mich also bitten, ihnen bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle zu helfen, dann brauche ich verschiedene Dokumente, wie etwa ein aktuelles Schulzeugnis. Berufsberater sind bei der Stellenvermittlung zwei Seiten verpflichtet. Auf der einen Seite dem Jugendlichen, aber auch dem Unternehmen. Die Firmen haben häufig bestimmte Anforderungen an ihre künftigen Azubis, beispielsweise verlangen sie eine bestimmte Note, etwa in Mathe. Darauf muss ich natürlich achten, wenn ich den Jugendlichen die Stellenangebote weiterleite. Wichtig ist auch, dass der Ratsuchende mit der Berufsberatung in Kontakt bleibt und mich beispielsweise darüber informiert, ob er eine Ausbildungsstelle bekommen hat.

 

abi>>: Viele junge Menschen glauben, dass sie ihren Traumberuf vom Berufsberater sozusagen auf dem Silbertablett serviert bekommen. Warum ist es nicht seriös, das zu versprechen?

Silke Junghans: Ob man schon in einem einzigen Gespräch zu einem Ergebnis kommt, hängt wesentlich davon ab, wie konkret die Überlegungen in Sachen Berufswahl schon waren. Wer noch gar keine Vorstellungen von seiner beruflichen Zukunft hat, wird mehr als ein Beratungsgespräch benötigen. Wer im Berufswahlprozess schon weit vorangekommen ist, kommt vielleicht mit einer kleinen Entscheidungshilfe schon ans Ziel.

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