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"Der beste Job der Welt"

Porträtfoto Charlotte Maihoff
Charlotte Maihoff
© MG RTL D / Stefan Gregorowius

Charlotte Maihoff

"Der beste Job der Welt"

Seit September 2017 ist die 35-jährige Charlotte Maihoff Nachrichtensprecherin bei „RTL Aktuell“. Mit abi» sprach sie über ihren Weg dorthin, die Herausforderungen ihres Berufs und unpassende Lachanfälle im Studio.

abi>> Sie haben schon vor dem Abitur beim Jugendradio gearbeitet. Haben Sie Ihre Studiengänge im Hinblick auf eine Karriere als Journalistin ausgewählt oder wie kam Ihre Studienwahl zustande?

Charlotte Maihoff: Mir wurde immer geraten: „Journalismus studiert man nicht, Journalismus macht man!“. Deshalb solle man am besten ein Fachstudium abschließen – und dieses Wissen in den Job einbringen. Dem Rat bin ich gerne gefolgt und habe nach Neigung studiert. Viel wichtiger als die Studienwahl ist es, früh Berufserfahrung zu sammeln und auch schon einmal Redaktionen kennenzulernen, bei denen man sich nach Abschluss bewerben kann. Also: Praktika, Studentenjobs, Hospitanzen! Nach dem Studium gehört noch ein Volontariat oder eine Journalistenschule zur Ausbildung, meist dauert das ein bis zwei Jahre. In meinem Fall war das die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg.

abi>> Hatten Sie auch einen Plan B, falls es mit dem Journalismus nicht geklappt hätte?

Charlotte Maihoff: Oh! (Lacht.) Gute Frage. Also, als Kind wollte ich mal Lehrerin werden. Aber dann habe ich ja doch sehr früh - mit 16 Jahren - beim Radio angefangen und damit später auch mein Studium finanziert. Danach hat es mit der Bewerbung für die Journalistenschule geklappt – und so ist es eben dabei geblieben.

Charlotte Maihoff vor der Kamera.

Als Journalist braucht man "eine gesunde Neugier", weiß Charlotte Maihoff

© MG RTL D / Stefan Gregorowius

abi>> Gibt es bei Ihnen so etwas wie einen „typischen Tagesablauf“? Wie sieht der aus?

Charlotte Maihoff: Nach der Redaktionssitzung am Morgen geht es ins Gespräch mit den Autoren und Reportern vor Ort, für mich ist das meist das Hauptstadtstudio in Berlin, weil ich die Politikthemen betreue. Man klärt, was gedreht werden kann, welche Gesprächspartner wir haben und welche Fragen geklärt werden sollen. Um 14 Uhr gibt es dann noch einmal einen Testlauf. Ab 15 Uhr ist Maske, danach geht es an die Anmoderationen, 17 Uhr ist Schlagzeilenkonferenz, danach Abnahme des Beitrags aus Berlin. Und dann wird es auch schon sehr bald Zeit, ins Studio zu gehen!

abi>> Schreiben Sie Ihre Nachrichtentexte eigentlich selbst?

Charlotte Maihoff: Die Texte, die ich spreche, also Anmoderationen oder auch Kurzmeldungen, ja. Die Beitragstexte werden natürlich von den Autoren erstellt.

abi>> Was ist das Schöne an Ihrem Job?

Charlotte Maihoff: Selbst etwas zu erfahren oder zu lernen und dann auch noch dafür bezahlt werden, es unter die Leute zu bringen. Großartig!

abi>> Hatten Sie eigentlich schon mal eine Panne während der Sendung? Wie haben Sie reagiert?

Charlotte Maihoff: Im Regionalfernsehen vor ein paar Jahren hatte ich mal einen Lachanfall in den Nachrichten. Jemand hatte Sekunden vor Start im Studio eine sehr schräge Bemerkung gemacht und dann waren auch noch einige wirklich seltsame Meldungen dabei. Ich konnte nicht mehr. Das passt ja nun gar nicht zur eher ernsten Haltung, die man für die Nachrichten eigentlich einnehmen möchte. Irgendwie habe ich es bis zum nächsten Film geschafft. Kaum lief der, brach das komplette Studio in Gelächter aus. Die Zuschauer, die mir geschrieben haben, fanden es aber eher sympathisch – weil es eben menschlich ist, auch mal nicht perfekt zu sein.

abi>> Welche Eigenschaften braucht man als Journalistin?

Charlotte Maihoff: Eine gesunde Neugier. Im Nachrichtenjournalismus sollte das Interesse auch möglichst breit sein – denn die Themen kommen aus allen Bereichen. Durchhaltevermögen. Frühschichten ab 4 Uhr am Morgen, Reporterschalten im Regen oder Schnee, stundenlanges Warten in der Kälte, auch das gehört unter Umständen zum Journalismus. Trotzdem: Ich finde, es ist immer noch der beste Job der Welt.

abi>> Und was raten Sie Abiturienten, die ebenfalls in den Journalismus wollen?

Charlotte Maihoff: Studiert ein Fach eurer Wahl, das hilft in jedem Fall. Dadurch schult ihr strukturiertes und sauberes Arbeiten. Sammelt unbedingt schon während des Studiums Erfahrung in einer Redaktion, macht Praktika, was immer ihr kriegen könnt! Und falls es dann doch nicht klappen sollte, habt ihr mit dem Studium noch ein Standbein für etwas ganz anderes. Ohnehin: Der Journalismus ist wie viele andere Bereiche auch im Wandel. Es gibt haufenweise Internetseiten, Social Media, Apps, die alle um Aufmerksamkeit konkurrieren. Man muss also ganz gut begründen können, warum das, was man zu sagen hat, jetzt gerade wirklich relevant ist. Leichter wird das nicht. Also: viel Leidenschaft für den Job und die Offenheit, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen sollte man unbedingt mitbringen.

Über Charlotte Maihoff

Charlotte Maihoff ist am 17. August 1982 in Neunkirchen im Saarland geboren. Sie sammelte schon im Alter von 16 Jahren als Reporterin und Moderatorin beim Jugendradio erste journalistische Erfahrungen. Nach ihrem Abitur studierte sie Informationswissenschaft, französische Linguistik und Wirtschaftsinformatik. An der renommierten Henri-Nannen-Schule in Hamburg absolvierte sie danach eine Redakteursausbildung. Ab April 2010 präsentierte sie Nachrichten für den Saarländischen Rundfunk. Sie stand von 2014 bis 2017 für die Tagesschau und den Nachrichtenkanal „tagesschau 24“ vor der Kamera. Auch als Moderatorin des „Nachtmagazins“ war sie bis August 2017 immer wieder zu sehen. Seit 9. September 2017 ist Charlotte Maihoff Teil des Moderatorenteams von RTL Aktuell.

 

abi>> 14.02.2018