Das Wohl des Kunden stets im Blick

Kollegen bei einer Projektbesprechung im Konferenzraum
Die Aufgaben als Auszubildender in der Finanz- und Versicherungsbranche sind vielfältig - doch auch die Anforderungen sind hoch.
Foto: Axel Jusseit

Berufe in der Finanz- und Versicherungsbranche

Das Wohl des Kunden stets im Blick

Der Handel mit Geld in Form von Wertpapieren und Krediten ist aufgrund der niedrigen Zinslage derzeit so beliebt wie schon lange nicht mehr. Je höher die gehandelten Summen, desto höher sind die Anforderungen der Arbeitgeber an die Bewerber, denen vielfältige Zugangswege in die Branche offen stehen.

Ich wollte einen Beruf mit viel Abwechslung erlernen“, erzählt Ramon Köhler, der sich deshalb für die Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen bei der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) entschieden hat. Das Dienstleistungsunternehmen berät seine Kunden rund um Finanzplanung und Risikoabsicherung, erstellt persönliche Konzepte und vertreibt sowohl Finanz- als auch Versicherungsprodukte. „In der Schule ist das Thema Versicherungen so gut wie nicht präsent“, bedauert der 22-Jährige. „Dabei ist die Branche extrem vielseitig und lebensnah.“

Ramon Köhlers praktische Ausbildung findet bei einem Vermögensberater in Halle (Saale) statt. Einmal im Monat besucht er für eine Woche die Berufsschule, den Rest der Zeit arbeitet er im Büro und bei den Kunden vor Ort. „Am Anfang habe ich Kundendaten online verarbeitet, Kundenpost bearbeitet und meine Kollegen zu Außendienstterminen begleitet“, berichtet der Azubi, der den Schwerpunkt Finanzen gewählt hat. Inzwischen ist er im dritten Ausbildungsjahr und betreut schon eigenständig Kunden. Die größten Herausforderungen für Ramon Köhler sind, die häufigen gesetzlichen Änderungen immer im Auge zu behalten und dadurch bei den Produkten permanent auf dem neuesten Stand zu sein.

Vielfältige Zugangswege

Ein Porträt-Foto von Ramon Köhler

Ramon Köhler

Foto: privat

Der Beruf des Kaufmanns für Versicherungen und Finanzen ist nur ein Weg, um in der Finanz- und Versicherungsbranche Fuß zu fassen. Wer sich auf eine Tätigkeit in einer Bank spezialisieren will, kann beispielsweise auch Bankkaufmann werden. Darüber hinaus gibt es Investmentfondskaufleute, „für die aber in der Realität kaum Ausbildungsplätze angeboten werden“, weiß Dirk Huber, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main.

Im vergangenen Jahr gab es deutschlandweit gerade einmal 57 Auszubildende für diesen Beruf. Daneben werden in der Bank- und Versicherungsbranche vor allem Kaufleute für Büromanagement und – im Zuge der Digitalisierung – Fachinformatiker gesucht. „Die Branche hat es schwer, genügend Auszubildende zu finden, weil viele Abiturienten sich statt einer Ausbildung für ein Studium entscheiden“, so Dirk Hubers Erfahrung. Hinzu kommt, dass die Anforderungen an die Ausbildungsbewerber hoch sind. Neben einem guten Schulabschluss sind Team- und Kommunikationsfähigkeiten sowie Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein gefragt. „Schließlich arbeiten die jungen Leute mit dem Geld anderer Menschen“, erklärt Dirk Huber.

Als Studienfach bietet sich für die Finanz- und Versicherungsbranche vor allem die Betriebswirtschaft mit ihren zahlreichen Spezialisierungen an. „Auch Wirtschaftsinformatiker und Mathematiker, allen voran Versicherungsmathematiker, sind gefragt“, erklärt der Berater.

Zunehmende Digitalisierung

„Eine hohe Kundenorientierung ist ebenso wichtig wie Offenheit für die unterschiedlichsten Menschen und ein sympathisches Auftreten im Kundenkontakt.“ Wer bei einem internationalen Unternehmen arbeitet, muss zudem gute Englischkenntnisse mitbringen.

Die Zahl der Beschäftigten in der Branche lag 2017 bei 975.000 – zwei Prozent weniger als im Vorjahr. 2013 gab es noch über eine Million Beschäftigte. Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit, führt diese Entwicklung vor allem auf die zunehmende Digitalisierung der Branche zurück. „Online-Banking und Vergleichsportale und die damit verbundenen Veränderungen im Bankensektor und in der Versicherungsbranche führen zu einer weniger guten Entwicklung als auf dem Arbeitsmarkt insgesamt“, sagt die Expertin. In den vergangenen Jahren wurden immer weniger Stellenangebote für Bank- und Versicherungskaufleute, Bank- und Versicherungsfachwirte sowie Betriebswirte gemeldet. „Trotzdem ist die Zahl der Arbeitslosen im Berufsbereich Versicherungs- und Finanzdienstleistungen dank der allgemein guten Arbeitsmarktlage im Jahr 2017 auf 10.200 zurückgegangen“, weiß Claudia Suttner.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.
www.berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: „Finanzen“)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit (Suchwort: „Finanzen“)
www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Bundesverband deutscher Banken e.V.

https://bankenverband.de/

Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (BVR)

www.bvr.de

Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes e.V.

www.agvbanken.de/

Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV)

www.gdv.de/

Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e. V.

www.agv-vers.de/

 

Steuerfachangestellte

Im Sinne der Mandanten

Buchhaltung, Jahresabschlüsse, Lohnabrechnungen – Ines Renner (21) lernt den Beruf der Steuerfachangestellten von der Pike auf.

Ein Praktikum während der Realschulzeit führte Ines Renner zur Steuerberatungsgesellschaft Ecovis im thüringischen Eisfeld. „Mir hat der Einblick dort gut gefallen, sodass ich mich nach dem Abitur an einem Beruflichen Gymnasium mit dem Zweig Wirtschaft für eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten entschieden habe“, erzählt die 21-Jährige, die sich mittlerweile im dritten und damit letzten Lehrjahr befindet.

In den ersten beiden Ausbildungsjahren beschäftigte sich die Abiturientin mit den Grundlagen ihres Berufs: So lernte sie die Bedienung des Buchhaltungsprogramms der Steuerberatungsgesellschaft kennen und buchte erste Rechnungen ein, bevor das zweite Lehrjahr ganz im Zeichen der Lohn- und Gehaltsabrechnung stand, die die Steuerberatungsgesellschaft für ihre Mandanten aus der Wirtschaft übernimmt. Aktuell lernt Ines Renner die Bearbeitung von Jahresabschlüssen kennen, die Unternehmen jährlich beim Finanzamt einreichen müssen.

„Zwischendurch war ich auch mal am Empfang eingesetzt. Hier hatte ich besonders viel Kontakt mit den Mandanten – sei es telefonisch oder persönlich. Das hat mir auch viel Spaß gemacht“, berichtet die angehende Steuerfachangestellte.

Mischung aus Theorie und Praxis

Ein Porträt-Foto von Ines Renner

Ines Renner

Foto: privat

Drei Tage in der Woche arbeitet sie im Büro in Eisfeld, zwei Tage besucht sie die Berufsschule, wo sie die theoretischen Inhalte zu Steuerwesen, Rechnungswesen, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsrecht lernt. „Im Büro sitze ich viel am Schreibtisch, das meiste wird heutzutage digital erledigt“, erklärt Ines Renner, der die Buchführung bislang am besten gefällt, weil sie dadurch Einblicke in die Geschäfte ihrer Mandanten erhält.

In ihrem Beruf muss die künftige Steuerfachangestellte gern mit den unterschiedlichsten Menschen zusammenarbeiten, Offenheit ist also eine gefragte Fähigkeit. „Außerdem müssen wir dienstleistungsorientiert denken, denn wir arbeiten ja im Sinne unserer Mandanten“, gibt Ines Renner zu verstehen. Flexibilität und der Wille zur ständigen Weiterbildung sind wichtig, weil sich Steuergesetze und Vorschriften ständig ändern. „Da muss man immer auf dem Laufenden bleiben.“ Fachlich müssen Steuerfachangestellte fit sein in Mathematik, Wirtschaft und Recht – der Besuch eines Wirtschaftsgymnasiums hat die Abiturientin also gut auf ihre Arbeit vorbereitet.

Wie es nach ihrer Ausbildung weitergeht, weiß Ines Renner noch nicht genau. „Ich könnte nach einigen Jahren Berufserfahrung eine Weiterbildung zur Steuerfachwirtin machen oder Bilanzbuchhalterin werden“, erklärt sie einige ihrer Möglichkeiten. Auch ein Studium wäre nach der Ausbildung möglich. „Wahrscheinlich werde ich aber erst einmal weiter arbeiten, weil mir die Praxis momentan sehr gut gefällt“, sagt Ines Renner. Ihre Aufgaben werden auf jeden Fall vielfältig bleiben, so wie sie es schon in der Ausbildung kennengelernt hat. Langweilig wird es der Steuerfachangestellten so mit Sicherheit auch in Zukunft nicht werden.

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Steuerfachangestellte – Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Ines Renner lernt bei der Steuerberatungsgesellschaft Ecovis den Beruf der Steuerfachangestellten. Für abi>> beschreibt sie, wie ein typischer Ausbildungstag aussieht.

7:30 Uhr:

Ines Renner beginnt ihre Arbeit mit dem Kontrollieren ihrer E-Mails: Was ist seit gestern reingekommen? Worum muss sie sich schnell kümmern? Was muss sie eventuell an Kollegen weiterleiten?

8:00 Uhr:

Heute Vormittag steht Buchhaltung an. Ein Mandant hat gestern seine Unterlagen vorbeigebracht. Ines Renner gibt die Rechnungen der Firma ins System ein und berechnet die Umsatzsteuervorauszahlungen für den Mandanten.

9:00 Uhr:

Während einer 15-minütigen Frühstückspause tauscht sich Ines Renner mit den Kollegen über die anstehenden Aufgaben aus.

9:15 Uhr:

Weiter geht es mit der Buchhaltung. Zwischenzeitlich führt die Auszubildende verschiedene Telefonate mit Mandanten. Manche Mandanten kommen persönlich vorbei, um ihre Unterlagen einzureichen oder abzuholen. Dabei klärt Ines Renner mit ihnen verschiedene Fragen.

12:30 Uhr:

In der halbstündigen Mittagspause trifft sich Ines Renner mit den Kollegen zum Essen.

13:00 Uhr:

Am Nachmittag steht bei Ines Renner die Bearbeitung eines Jahresabschlusses an. Da diese Aufgabe neu für sie ist, kann sie sich bei allen Fragen an die Kollegen oder an ihre Chefin wenden.

15:00 Uhr:

Heute findet das monatliche Mitarbeitertreffen statt, bei dem die Abteilung Neues zu Gesetzesänderungen und angepassten Vorschriften erfährt.

16:00 Uhr:

Eine Lohnbuchhaltung muss noch fertiggestellt werden, da ein Mandant am Vormittag kurzfristig die Unterlagen angefordert hat.

17:00 Uhr:

Ines Renner macht Feierabend.

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Sozialversicherung

Weiterbilden für die Arbeit mit Versicherten

Nach seiner Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten absolviert Felix Krajewski (24) jetzt an der Hochschule Bonn Rhein-Sieg den Bachelorstudiengang Sozialversicherung, Schwerpunkt Unfallversicherung.

Sein Vater und seine Schwester arbeiteten bereits bei einer Versicherung, und so informierte sich auch Felix Krajewski zum Ende seiner Schulzeit über mögliche Berufe in dieser Branche. Bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall in Hannover bewarb er sich schließlich für eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten. Nach der Ausbildung und weiteren drei Jahren Berufserfahrung entschied er sich für das duale Studium Sozialversicherung mit dem Schwerpunkt Unfallversicherung an der HS Bonn Rhein-Sieg. „Das Studium dauert drei Jahre und eröffnet mir weitere berufliche Möglichkeiten“, berichtet der 24-Jährige, der sich mittlerweile im fünften Semester befindet.

Lehrreiche Einblicke

Ein Porträt-Foto von Felix Krajewski

Felix Krajewski

Foto: Sabine Olschner

Etwa die Hälfte der Zeit verbringt er am Campus in Hennef. Die andere Hälfte besteht aus Praxiseinsätzen, unter anderem bei seinem Ausbildungsbetrieb und heutigen Arbeitgeber. Felix Krajewski durfte während seines Studiums bereits mehrere Bereiche kennen lernen: die Rechtsabteilung, die Finanzabteilung, die unter anderem für die Beiträge zur Berufsgenossenschaft zuständig ist, sowie die Leistungsabteilung, die die Auszahlungen und die Beratung der Versicherten koordiniert. „Darüber hinaus haben wir die Möglichkeit, externe Praktika zu absolvieren“, erklärt der Student, der jeweils ein paar Monate in einer Lungenklinik und in einer Reha-Klinik eingesetzt war. „Hier hatte ich die Gelegenheit, mit unseren Versicherten und auch mit den Ärzten direkt ins Gespräch zu kommen“, erzählt Felix Krajewski. „Diese Einsichten erleichtern mir sicherlich meine spätere Arbeit bei der Berufsgenossenschaft.“

Wirtschaft und Recht

Das Studium besteht zum einen aus rechtlichen Inhalten, zum Beispiel Sozialrecht und Leistungsrecht, aber auch, Privatrecht, Staats- und Verfassungsrecht sowie Öffentliches Recht. Hinzu kommen Vorlesungen unter anderem zu Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft, Psychologie und Kommunikation, Informatik, Unfallmedizin und Business English. Ein Semester lang arbeiten die Studierenden zudem an einem Forschungsprojekt. Der Sozialversicherungs-fachangestellte untersucht in seinem Team die Gefahren, die von E-Bikes auf dem Weg zur Arbeit ausgehen. Außerdem können die Studierenden verschiedene Wahlfächer hinzunehmen.

„Einige der Rechtsthemen kannte ich bereits aus meiner Ausbildung, vieles war auch für mich neu“, sagt Felix Krajewski. Rund die Hälfte seiner Kommilitonen hat wie er vor dem Studium eine Ausbildung absolviert, die andere Hälfte hat keinerlei Berufserfahrung. „Etwa ab dem dritten Semester befinden wir uns aber alle auf dem gleichen Wissensstand.“

Flexibilität vonnöten

Das Besondere bei Felix Krajewski: Er ist während des Studiums Dienstordnungsangestellter auf Widerruf. Das ist ein beamtenähnlicher Status, nach seinem Studium wird der Absolvent dann verbeamtet. Dass er zunächst bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall bleiben wird, ist klar – wo er eingesetzt wird hingegen noch nicht. „Da muss man flexibel sein“, meint der Student.

Neben der Flexibilität sind Menschenkenntnis und ein hohes Verantwortungsbewusstsein in dieser Branche wichtig. „Schließlich entscheiden wir oft über Schicksale, zum Beispiel bei der Bewilligung von Witwen- oder Waisenrenten“, weiß Felix Krajewski. Und man muss Interesse an Rechtsthemen haben, die sich ständig weiterentwickeln. Nach dem Studium hat Felix Krajewski also noch lange nicht ausgelernt.

 

Aktuarin

Versicherungsmathematik für Fortgeschrittene

Direkt nach ihrem Studium der Wirtschaftsmathematik begann Vera Schneider (27) berufsbegleitend mit der Weiterbildung zur Aktuarin.

Aktuare sind bei Versicherungsunternehmen aufgrund ihrer hohen Expertise begehrte Mitarbeiter. Die Versicherungs- und Finanzmathematiker berechnen Risiken wie Diebstähle, Erdbeben oder Krankheitskosten. Auf der Grundlage ihrer Berechnungen werden die Versicherungsprämien ermittelt, die die Kunden zahlen. Auch Vera Schneider rannte mit ihrem Berufswunsch offene Türen ein: „Ich wollte gern direkt nach der Uni mit der Weiterbildung anfangen, weil einem dann das Lernen noch leicht fällt.“

Und sie hatte Glück, denn an der Universität Ulm, wo Vera Schneider ihr Bachelor- und Masterstudium in Wirtschaftsmathematik absolviert hatte, wurde schon früh der Beruf des Aktuars gefördert. „Einige der Prüfungen, die ich an der Uni gemacht habe, konnte ich mir bei der Aktuarsausbildung anrechnen lassen“, berichtet die 27-Jährige, die inzwischen bei der Hannover Rück als Underwriter für die Lebenssparte im Marktbereich Deutschland arbeitet, das heißt sie übernimmt die Risikoprüfung und analysiert und beurteilt Versicherungsverträge.

In die Lebenssparte gehören alle Versicherungen, die den Menschen absichern, also zum Beispiel Kranken-, Renten- oder Lebensversicherungen.

Hohe Anforderungen in der Ausbildung

Ein Porträt-Foto von Vera Schneider

Vera Schneider

Foto: privat

Für die Weiterbildung zum Aktuar müssen die Teilnehmer zehn Prüfungen bestehen, unter anderem in den Fächern wirtschaftliches und rechtliches Umfeld, Angewandte Stochastik, Finanzmathematik und Risikobewertung sowie Versicherungsmathematik. Es gibt jeweils zwei Prüfungsphasen pro Jahr. „Mehrmals im Jahr besuche ich Seminare, außerdem nehme ich mir vor den Prüfungen immer eine Woche zum Lernen frei“, erklärt die Wirtschaftsmathematikerin. Hinzu kommt das Studium zu Hause nach der Arbeit und am Wochenende – alles in allem ist eine Aktuarsausbildung, die insgesamt drei Jahre dauert, also mit einem recht hohen Aufwand verbunden.

Noch befindet sich Vera Schneider zwar in der Ausbildung – aber schon heute bearbeitet sie als Underwriter die gleichen Aufgaben wie ihre Aktuarskollegen. „Durch die Ausbildung lerne ich die Versicherungsmathematik noch mal viel tiefer kennen.“ Derzeit entwickelt die angehende Aktuarin zusammen mit Erstversicherern, den Kunden eines Rückversicherers Konzepte, um Kapitalkosten zu optimieren und Risiken zu reduzieren. „Wir verhandeln mit den Erstversicherern die Konditionen oder unterstützen sie bei der Entwicklung neuer Produkte, weil wir auf mehr Daten zugreifen und die Risiken besser berechnen können.“

Da die Rückversicherung ein internationales Geschäft ist, stehen hin und wieder auch Auslandseinsätze an. Vor einer Weile war Vera Schneider zum Beispiel für sechs Wochen in Spanien, um die Arbeitsweise ausländischer Märkte kennenzulernen. „Ich mag bei meiner Arbeit vor allem die Mischung aus Berechnungen am Computer und der Zusammenarbeit mit den Kunden“, sagt die Underwriting-Spezialistin.

Analytisches Denken gefragt

Für ihren Job braucht die künftige Aktuarin viel Durchhaltevermögen, weil die Suche nach Lösungen sich schon mal länger hinziehen kann. „Man muss analytisch denken können und je nach Markt, in dem man arbeitet, die passenden Sprachkenntnisse mitbringen.“ Sobald sie ihre Aktuarsausbildung abgeschlossen hat, wird Vera Schneider in die Deutsche Aktuarsvereinigung aufgenommen. „Die Mitglieder können regelmäßig an Fachvorträgen, Tagungen und Kongressen teilnehmen, wo man sich gut mit anderen Versicherungs-mathematikern vernetzen kann“, erklärt Vera Schneider. „Außerdem müssen wir als Aktuare unser Wissen immer wieder auffrischen, um den Titel weiter führen zu dürfen.“

 

Übersicht Studien- und Ausbildungsberufe

Berufe rund ums Geld

Welche Berufsausbildungen und Studiengänge führen in die Finanz- und Versicherungsbranche? Verschaffe dir mit der abi>> Übersicht einen Überblick.

Ausbildungsberufe:

Bankkaufmann/-frau

• Aufgaben: Arbeit in allen Geschäftsbereichen von Kreditinstituten, Bearbeiten von Aufträgen, Beratung der Kunden über Finanzprodukte
• Mögliche Arbeitgeber: Kreditinstitute wie (Direkt-)Banken, Girozentralen, (Bau-)Sparkassen, Börsen, Versicherungsunternehmen, Immobilienvermittlungen

Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen der Fachrichtung Finanzberatung

• Aufgaben: Beratung und Betreuung von privaten und gewerblichen Kunden bei der Wahl von Kapitalanlagen und Altersvorsorge, Information über Immobilienfinanzierungen, Erstellen von Finanzierungsangeboten, Ausarbeiten von Verträgen, Tätigkeiten im Rechnungswesen und Controlling
• Mögliche Arbeitgeber: Finanzdienstleistungsunternehmen, Kreditinstitute wie Banken, Spar- und Bausparkassen, Finanzabteilungen größerer Wirtschaftsunternehmen, Versicherungsgesellschaften

Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen der Fachrichtung Versicherung

• Aufgaben: Beratung und Betreuung von privaten und gewerblichen Kunden in Versicherungsfragen, Erstellen von Versicherungsangeboten, Ausarbeiten von Verträgen, Bearbeiten von Schaden- und Leistungsfällen, Tätigkeiten im Rechnungswesen und Controlling
• Mögliche Arbeitgeber: Versicherungsgesellschaften, Versicherungsmakler, Kreditinstitute, Unternehmen, die versicherungsspezifische Software entwickeln; Unternehmensberatung, Inkassobüros in Abteilungen für das Versicherungswesen

Investmentfondskaufmann/-frau

• Aufgaben: Analyse von Geld-, Kapital- und Wertpapiermärkten, Aufbereitung der Ergebnisse für Entscheidungen des Fondsmanagements, Betreuung von Depots, Abwicklung von Kundenaufträgen, Aufgaben in der Buchhaltung und im Controlling von Fonds
• Mögliche Arbeitgeber: Kreditinstitute, Investment- und Kapitalanlagegesellschaften, Börsen, Versicherungsgewerbe

Sozialversicherungsfachangestellte/r

• Aufgaben: Ansprechpartner für Versicherte zu allen Fragen der Sozialversicherung, Klärung von Versicherungsverhältnissen, Prüfung von Ansprüchen, Beratung der Versicherten zur finanziellen Absicherung im Krankheits- oder Pflegefall
• Fachrichtungen: Sozialversicherungsangestellte/r – allgemeine Krankenversicherung, Sozialversicherungsangestellte/r – knappschaftliche Sozialversicherung, Sozialversicherungsangestellte/r – landwirtschaftliche Sozialversicherung, Sozialversicherungsangestellte/r – gesetzliche Rentenversicherung, Sozialversicherungsangestellte/r – gesetzliche Unfallversicherung
• Mögliche Arbeitgeber: Kranken-, Pflege-, Rentenversicherungen und andere Sozialversicherungsträger

Studienberufe:

Betriebswirt/-innen für Banken und Finanzdienstleistungen

• Aufgaben: Planung, Organisation und Überwachung der Geschäftsaktivitäten einer Bank bzw. eines Finanzdienstleistungsunternehmens
• Mögliche Arbeitgeber: Banken und Kreditinstitute, Finanzdienstleistungsunternehmen, Unternehmensberatungen, Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen

Versicherungsbetriebswirt/-innen

• Aufgaben: Planung, Organisation und Überwachung der Geschäftsaktivitäten im Bereich Versicherungen
• Mögliche Arbeitgeber: Versicherungsunternehmen, Versicherungsmakler, Banken, Kreditinstitute


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Stand: 21.08.2019