Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • bei XING empfehlen (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • bei LinkedIn empfehlen (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • bei Facebook empfehlen (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • bei Twitter empfehlen (Öffnet sich in neuem Fenster)

Mehr Durchblick im Angebotsdschungel

Kein Bild verfügbar
Foto: WillmyCC

Studien- und Berufsorientierung im Unterricht

Mehr Durchblick im Angebotsdschungel

Dass Schülerinnen und Schüler rechtzeitig an das Thema Studien- und Berufsorientierung herangeführt werden sollten, darüber herrscht breiter Konsens. Doch welche der vielen Projekte und Angebote in diesem Bereich sind sinnvoll und zielführend? Eine Checkliste, die die Bundesagentur für Arbeit in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT herausgibt, soll Lehrkräften die Einschätzung erleichtern.

Berufsorientierung soweit das Auge reicht: Die Lufthansa will mit ihrem „Spiel zur Berufsorientierung“ flugbegeisterte Azubis gewinnen, das deutsche Handwerk bietet ganze Unterrichtsmodule zum Download an, und auch die Sparkassen haben einen eigenen „SchulService“ mit kostenlosen Materialien und interaktiven Whiteboards eingerichtet. Bei dieser Fülle den Überblick zu behalten und das anzubieten, was die Schülerinnen und Schüler tatsächlich interessiert und weiterbringt, ist gar nicht so leicht. „Lehrkräfte haben heute regelrecht die Qual der Wahl, das Angebot an Projekten zur Studien- und Berufsorientierung ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert“, bestätigt Angelika Schwertner, die als Referentin Berufsorientierung bei der Bundesagentur für Arbeit Mit-Initiatorin der Checkliste „Gelungene Studien- und Berufsorientierung an Schulen mit Sekundarstufe II“ ist.

Diese listet 13 Qualitätskriterien auf, anhand derer studien- und berufsorientierende Projekte bewertet und auf ihren Nutzen für die eigene Klasse hin geprüft werden können. „Lehrkräfte sowie Vertreter aus Schulministerien, der Berufsberatung und von Arbeitgeberverbänden haben sich in einem Workshop zusammengesetzt und überlegt: Was zeichnet gute Studien- und Berufsorientierung aus, welche Aspekte müssen beachtet werden?“, erläutert Angelika Schwertner. „Die Teilnehmer bauten auf ihren eigenen praktischen Erfahrungen auf, bezogen aber auch berufspädagogische Konzepte in die Entwicklung der Checkliste mit ein.“

Inhaltliche und organisatorische Kriterien

Herausgekommen ist ein Arbeitsmittel, das Lehrkräften einerseits inhaltliche Kriterien zur Bewertung an die Hand gibt: Können die Schüler individuelle Interessen einbringen? Sind die Informationen adressatengerecht aufbereitet? Werden durch das Angebot wichtige Kompetenzen gefördert? Andererseits fragt die Checkliste aber auch organisatorische Rahmenbedingungen des Projekts ab: Werden die Eltern eingebunden, erhalten die Schüler ein Zertifikat, gibt es den Auftrag zur Dokumentation?

„Die Kriterien decken sich weitgehend mit meinen eigenen Kriterien für die Auswahl von entsprechenden Angeboten“, meint Chris Seubert, die als Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde an der Nürnberger Wilhelm-Löhe-Schule in der sogenannten BuS, der Berufs-und Studienorientierung in der gymnasialen Oberstufe aktiv ist. „Mir ist wichtig, dass die Materialien zielgruppenorientiert sind und Infos zu Themen liefern, die die Klasse wirklich interessieren“, sagt die 43-Jährige. „Gut kommt beispielsweise an, wenn die Experten aus dem Nähkästchen plaudern: Bei uns gibt ein Personaler Feedback auf ein videoaufgezeichnetes Vorstellungsgespräch – das finden die Schüler toll, weil sie daraus einen direkten Nutzen ziehen können. “

Wie zuverlässig ist der externe Partner?

Ihr Kollege Andreas Müller, Biologie- und Chemie-Lehrer mit langjähriger BuS-Erfahrung, hält gerade auch den Blick auf organisatorisch-strukturelle Aspekte für wichtig: „Das vorgeschlagene Zeitkontingent sollte beispielsweise in der Schule erfüllt werden können“, sagt der 53-Jährige und fügt hinzu: „Gut ist, wenn konkrete Arbeitsblätter angeboten werden, die auch im Unterricht verteilt werden können – meiner Erfahrung nach sind Printmedien insgesamt besser zu handhaben als Onlineangebote. Wichtig ist außerdem, dass ein fester Ansprechpartner genannt ist und dass der externe Partner zuverlässig ist.“ Doch nicht nur das: „Er sollte vor allem nicht versuchen, die Schüler zu instrumentalisieren“, ergänzt Chris Seubert: „Die reagieren sehr negativ, wenn Firmenvertreter zu deutlich machen, dass sie auf der Suche nach Mitarbeitern sind, oder wenn die Teilnahmezertifikate nur im persönlichen Gespräch überreicht werden und dann auch die Versicherungsprodukte angepriesen werden.“ Dies sind Aspekte, die auch Angelika Schwertner für wichtig hält: „In der Checkliste wird gezielt nach der Referenz des Anbieters gefragt, nach seinen Erfahrungen mit der Zielgruppe, aber auch nach seiner Zuverlässigkeit.“

Kein allgemeingültiges Standardpaket

Dennoch hat auch eine solche Liste ihre Grenzen: „Natürlich gibt es kein allgemeingültiges Standardpaket, bei dem man sagen kann: Wenn dieses oder jenes Kriterium erfüllt ist, führt das Projekt auf alle Fälle zum Erfolg“, sagt Angelika Schwertner. Letztlich müssten die Lehrkräfte selbst prüfen, welche der aufgelisteten Kriterien zum jeweiligen Zeitpunkt für die eigene Klasse besonders wichtig seien: „Die Checkliste gibt es daher auch als veränderbare Excel-Datei, die jede Lehrkraft nach den eigenen Bedürfnissen ergänzen und an die Besonderheiten der jeweiligen Klasse anpassen kann.“

Der Rest, weiß Andreas Müller, ist Erfahrung: „Ganz am Anfang, da hatte ich mal eine Liste ausgehängt, in der sich die Schüler für die Teilnahme an einem Hochschulinformationstag eintragen konnten. Haben sie auch gemacht, aber letztendlich saß ich mit dem Professor allein vor Kaffee und Keksen“, erinnert er sich. „Inzwischen bieten wir solche Veranstaltungen nur noch verpflichtend an.“

abi>> 21.05.2012