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Medizin studieren

Ich lerne es wohl nie

Es ist extrem unbefriedigend, sich zu viel vorgenommen zu haben. Einerseits für einen selbst, denn man wollte ja so viel mehr schaffen und steht am Ende mit vielleicht der Hälfte da. Andererseits für beteiligte Personen, die man im Eifer des Gefechts auf die eine oder andere Dummheit scharf gemacht hat, dann aber doch im Regen stehen lassen muss. Und das Schlimmste: die Flexibilität bleibt auf der Strecke. Ich haste dem, was ich mir vorgenommen habe, panisch hinterher, in der Bemühung „Schaden zu begrenzen“ und brenne dabei irgendwie aus.
So auch wieder dieses Jahr: Nur noch schnell in den letzten vier Laborwochen so viel reißen wie in den vier Monaten davor, die Klausurenphase früh einläuten, damit das entspannter vonstattengeht als sonst, dabei ganz viel Sport treiben, damit man ausgeglichen bleibt, und natürlich viele Unternehmungen mit Freunden.
Doof, wenn allein Punkt eins schon sechs Tage der Woche voll in Anspruch nimmt und man den Rest auf den letzten Tag packen muss.
Zu allem Überfluss habe ich zu Semesterbeginn, da ich fest entschlossen war, mir für das Semesterende mehr Zeit zu verschaffen, all meine Arbeitstermine als Tutor in Physiologie auf die letzten zwei Wochen vor der Abschlussklausur gelegt. Denn – so meine dumme Ansicht im April – dieses Jahr würde ich ja auch kurz vor den Klausuren nur noch entspannen können, so engagiert und strukturiert würde ich vorher gelernt haben – naja, dass es anders gekommen ist, dürfte nicht überraschen.
Den Stress habe ich jetzt, aber auch damit werde ich wohl klarkommen. Ich nehme mir jedenfalls vor, mir weniger vorzunehmen!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  21.09.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
21.09.2017

Medizin studieren

Struktur verloren

Dies sind die ersten Zeilen, die ich seit einiger Zeit wieder für meinen Blog tippe. Ich habe mir immer viel vorgenommen für den Blog. Habe zuletzt versucht, ein Physikumslogbuch zu führen, um denen, die in Zukunft da durchwollen und müssen, einen kleinen Anker zu geben, eine Beschreibung, wie das alles läuft, wenn man selbst Medizin studiert. Leider konnte ich diese Serie nicht so fortführen, wie ich es mir gewünscht habe. Ich habe meine Struktur im Schreiben verloren.
Nun sitze ich vor meinem Bildschirm und sehe, wie die eben noch weiße Seite immer mehr schwarze Striche und Punkte bekommt. Und es fühlt sich befreiend an. Ich habe Ende August mein Physikum geschrieben und blicke nun zurück auf wahnsinnig herausfordernde Wochen und voraus auf ein halbes Jahr großes Abenteuer in Nepal, Myanmar, Thailand und Vietnam. Leider war die Zeit vor dem Physikum auch geprägt von Trauer und Schmerz.
Dass mein Großvater krank war, ist mir bekannt gewesen. In seinem letzten Urlaub mit meiner Oma, kam es zu einer akuten, unvorhergesehenen Verschlechterung seines Zu-standes. Es war damit zu rechnen, dass er in den nächsten Monaten, vielleicht sogar Wo-chen, sterben würde. Natürlich weiß ich, dass jeder irgendwann sterben muss. Als es dann soweit war, hat es mich dennoch unvorbereitet getroffen.
Ich war an dem Wochenende, als er starb, bei meinen Eltern. Eigentlich wollte ich ihn noch einmal besuchen, verpasste seinen wachen Zustand aber um einen Tag. Es ärgert mich bis heute. Er starb Ende Juli. Etwas mehr als drei Wochen vor meinem Physikum. Rückblickend liegt ein dunkler Schleier über der folgenden Woche. Ich spielte mit dem Gedanken, das Physikum dieses Jahr einfach sein zu lassen. Ich beriet mich mit meinem besten Freund, meiner Mitbewohnerin, die mit mir studiert, erhielt mehrere Meinungen und blickte in entsetzte, traurige, verständnisvolle, nachsichtige, gestresste, angespannte Gesichter.
Die Trauerfeier war die Erlösung. Sie entfernte den Schleier, die Last, die Bürde. Und so kam der Entschluss - mit dem Wissen, nicht alleine zu sein, sondern unterstützt zu werden: Ich wage es, ich mache es, ich lasse es nicht unversucht, dieses Physikum zu bestehen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  14.09.2017

Medizin studieren

Volle Kraft voraus

Das Ende war in Sicht: Mit meinem Doktorvater hatte ich ein weiteres Treffen vereinbart, um über den Fortschritt meines Projektes zu sprechen und zu klären, wie es für mich nun weitergehen würde.
Einen richtigen Zeitplan hatte ich mir ja nie erstellt. Meine Devise lautete: Einfach mal rein ins Labor und drauflosforschen. Woher sollte ich wissen, wie Wissenschaft funktioniert? Eine gewisse Skepsis legte ich von vornherein an den Tag, aber derart viele Rückschläge hatte ich nicht erwartet. In meinem Hamsterrad sitzend ackerte ich Woche um Woche, zum Ende hin auch Wochenende um Wochenende im Labor vor mich hin, um fleißig Daten zu sammeln. Immer wieder setzte ich große Hoffnungen auf Experimente, musste dann aber, nach einem durchgearbeiteten Wochenende und wenig Schlaf, erkennen, dass die Ergebnisse nicht bahnbrechend, spannend oder eindeutig waren, sondern diffus, kompliziert und absolut nicht einzuordnen. So war zumindest mein Eindruck.
Das letzte Gespräch mit meinem Doktorvater sollte sich dafür als ziemlich aufbauend erweisen. Im Gegenteil zu mir, fand er die Ergebnisse keineswegs nichtssagend und unbedeutend, sondern betonte immer wieder, dass man große Projekte nicht innerhalb von zwölf Monaten publikationsreif hinbekäme. Daher könne ich mit meinen Ergebnissen durchaus zufrieden sein.
Damit ist die Laborarbeit für mich beendet. Was ich herausgefunden habe, reicht allemal für eine Doktorarbeit. Für mich ist das eine der größten Erleichterungen der letzten Monate. Nun kann ich mich ab Oktober – nach einem großen, erholsamen Urlaub in Frankreich, Spanien und Portugal – voller Elan an das Erstellen meiner Dissertation machen!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  11.09.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
11.09.2017