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Zwischen Bachelor & Master

Tschüss Goethe - Teil 2

Und dann waren da noch all die vielen anderen Veranstaltungen und vielen tollen Momente im „Goethe“ zu nennen. Es gab die Übersetzungsdonnerstage, bei denen tschechische Übersetzer ihre frisch erschienenen Übersetzungen deutscher Literatur präsentierten. Es gab verschiedenste Filmvorführungen. Es gab die Museumsnacht, bei der über 1.000 Menschen dem Goethe-Institut einen Besuch abstatteten und es gab das Kloster Broumov, diesen großartigen und spannenden Ort, an dem ich zwei Lesungen moderieren durfte.
Mein Praktikum im Goethe-Institut, das waren sechs Monate voller spannender Erlebnisse und Erfahrungen. Ich konnte nicht nur einen Einblick in die Kulturarbeit in Prag und Tschechien bekommen, sondern auch in die Tätigkeiten des Goethe-Instituts in der gesamten Region Mittel- und Osteuropa und auf der ganzen Welt. Durch die vielen Texte, die ich geschrieben, lektoriert und übersetzt habe, konnte ich auch mein Tschechisch nochmal ordentlich verbessern.
Vermissen werde ich den Blick vom Balkon des Büros auf die Skyline von Prag, die lieben Kollegen, das deutsch-tschechische Sprachenwirrwarr und das Café Goethe mit dem Mittagessen und den großartigen Käsebrötchen für 28 Kronen, die nicht selten mein Frühstück waren.
Nach dem Bachelor erst mal Erfahrungen zu sammeln hat sich für mich vollkommen ausgezahlt. Und vielleicht kehre ich ja eines Tages in die Goethe-Sphäre zurück; nach Prag wohl so oder so.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 18, 2019
Autor: Ferdinand
Rubrik: orientieren
Jul 18, 2019

Zwischen Bachelor & Master

Tschüss Goethe - Teil 1

Nach anderthalb Jahren Prag und sechs Monaten davon im dortigen Goethe-Institut, war es Zeit, Abschied zu nehmen. Es fiel mir nicht leicht, doch die nächste Herausforderung wartet schon. Zuletzt gab es aber nochmal einige Highlights zu erleben, die ich euch nicht vorenthalten möchte:
Zum einen war da die Prager Buchmesse „Svet knihy“ (Welt des Buches), bei der das Goethe-Institut gemeinsam mit dem Österreichischen Kulturforum und der Schweizer Botschaft deutschsprachige Autoren präsentierte. Nachdem ich schon einen Gastlandsauftritt von tschechischen Autoren bei der Leipziger Buchmesse miterleben durfte, konnte ich nun dabei sein, wie deutsche Autoren in Prag Lesungen hielten und diskutierten. Im Gedächtnis wird mir sicher die Lesung der Nobelpreisträgerin Herta Müller bleiben, die eindrücklich von sich und ihrer Arbeit erzählte. Für mich war das auch eine großartige Gelegenheit, einige deutsche und tschechische Schriftsteller und Übersetzer kennenzulernen.
Im Theaterbereich war die Prager Quadriennale (PQ) eines der ganz großen Events des Jahres. Bei der alle vier Jahre stattfindenden Weltausstellung für Szenografie, Bühnenbild und Performance-Design stellten sich einzelne Länder und Regionen vor. Spannend war, an wie vielen Ständen mit Virtual Reality gearbeitet wurde. Mir persönlich lieber war dann aber doch die klassische Arbeit mit Material und Raum. Deutschland war mit einer Retrospektive auf den 2015 verstorbenen Bühnenbildner Bert Neumann vertreten. Für mich war es eine spannende Erfahrung, den deutschen Standauftritt von einem der ersten Treffen mit den Künstlern und Partnern, über die Pressekonferenz bis hin zur Eröffnung begleiten und unterstützen zu können. Bei der „PQ“ fanden auch Fachgespräche statt, welche vom Goethe-Institut mitorganisiert wurden. Eine besondere Freude war für mich als gebürtigen Hallenser dabei natürlich die Vorstellung der Raumbühne Heterotopia, die im Bereich Bühnenbild für Opern neue Maßstäbe setzen konnte.

 

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 10, 2019
Autor: Ferdinand
Rubrik: orientieren
Jul 10, 2019

Zwischen Bachelor & Master

Tschechien - gestern und heute

Neulich wurde mir wieder einmal klar, warum ich Tschechien so mag. Es war in einem Zug. Mit einem Schnellzug war ich auf dem Weg gen polnische Grenze. Es gab zwei Wagen: Im einen betätigte man auf der Toilette mit dem Fuß einen Hebel, der einen Wasserkanister öffnete, der die Hinterlassenschaft hinunterspülte – einfach auf die Gleise. „Die Benutzung des WCs an Bahnhöfen und im Tunnel ist untersagt“, stand darüber auf Tschechisch, Deutsch und Russisch.
Der andere Wagen hatte neue Sitze in leuchtenden Farben. Statt einzelnen Abteilen, die zum Gespräch einladen würden, wehte einem die Kühle eines Großraumwagens entgegen. Es gab eine solide WLAN-Verbindung und Bildschirme, die einem die aktuelle Geschwindigkeit sowie die nächsten Stationen anzeigten.
Und vielleicht ist es das, was ich an diesem Land so liebe: Dass sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft ihren Platz haben. Zahlen sie doch kontaktlos mit Kreditkarte – aber der Euro wird wohl vorerst nicht kommen. Brausen sie mit dem Supercity-Schnellzug, der von innen aussieht wie ein Flugzeugcockpit, quer durchs Land – aber schneller als 150 km/h fährt der dann doch nicht. Automaten sucht der deutsche Tourist an jedem tschechischen Bahnhof vergebens. An einer Ecke hat ein neues Café aufgemacht, das auch Sojamilch anbietet – direkt daneben gibt es den tschechischen Weichkäse „hermelin“, der so schmeckt, als sei er seit der Revolution eingelegt.
Das Gestern und das Heute, manchmal bereitet es mir freilich auch Sorgen: Junge Parteien ziehen ins Parlament ein und regieren – gemeinsam mit der kommunistischen Partei. Wo früher noch Menschen in ihren Wohnungen lebten, gibt es nun Airbnb’s, die Touristen beherbergen.
Klar, so ein Gestern und ein Heute hat wohl jedes Land, bestimmt auch Deutschland. Aber nirgendwo sonst habe ich eine derartige Verwebung erlebt. Tschechien befindet sich im Wandel und steht doch still. Das ist das Schöne für alle Tschechophilen wie mich: Sie können sich sicher sein, dass bei ihrem nächsten Besuch alles anders ist und sich gleichzeitig nichts verändert hat.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 24, 2019

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