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Gap Year

Nein, ich möchte nicht Präsident werden

Egal ob auf der Arbeit oder auf der nicht enden wollenden Familienfeier – kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht gefragt werde, was ich denn jetzt später einmal machen will. Jeder junge Mensch, der gerade seinen Schlussabschluss in der Tasche hat, wird andauernd mit dieser Frage konfrontiert. Während es für den Neugierigen eine einfache Frage ist, kann es für denjenigen, der gefragt wird, eine schwierige Frage sein, die einen manchmal sogar in Sinnkrisen stürzen kann. Zum Glück kenne ich für mich schon die Antwort: „Ich möchte gerne Politikwissenschaften studieren.“ Und meistens kenne ich schon die Reaktion meines Gegenübers: „Wirklich? Ist das nicht ein wenig trocken?“ Um damit ein für alle Mal aufzuräumen, nein, Politikwissenschaften sind nicht trocken, zumindest nicht, wenn man Interesse an der gesamten Thematik hat. Wenn ich Pech habe, ist das Gespräch an diesem Punkt noch nicht beendet und ich darf mir die Zweifel meines Gesprächspartners über die Zukunftsfähigkeit meines Studiums anhören. Häufig gefolgt von dem immer selben Witz, dass ich dann ja Präsident werden könnte. Mit halber Lust versuche ich zu erklären, dass Politikwissenschaften mehr bieten als eine reine parteipolitische Karriere. Durch Nebenfächer oder kombinierte Studiengänge eröffnen sich viele weitere Chancen und Perspektiven. Häufig beende ich dann auch an dieser Stelle die Gespräche. Ich muss zugeben, ich bin mir auch nicht sicher, wo und in welcher Branche ich in zehn Jahren arbeite, aber ich blicke zuversichtlich in die Zukunft und falls Wege scheitern, kann man ja immer noch Präsident werden.

Autor: Noah   |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  May 21, 2019

Gap Year

One Day in Brighton

Manchmal macht man Dinge, ohne zu wissen, was genau auf einen zukommt. So ähnlich ging es mir als ich in den Zug von London nach Brighton, einer Stadt an der britischen Atlantikküste gefahren bin. Eine Freundin und ich kamen irgendwann im letzten Jahr auf die Idee, Brighton zu besuchen, und nach kurzer Internetrecherche war uns klar – wir müssen dort hin. Als wir nach London geflogen sind, planten wir also auch einen Tag für Brighton ein. Der Zug brauchte knapp eine Stunde bis er ankam und ohne richtiges Ziel im Kopf ging es erst mal in Richtung Meer. Der Atlantik war an diesem Tag wild und die Wellen sehr hoch und ungestüm. Es war großartig, sich die Seebrise um die Nase wehen zu lassen. Britische Meeresstädte, die etwas von sich halten, haben häufig einen sogenannten „Pier“, einen Vergnügungsort mit Attraktionen für die ganze Familie direkt am Meer. In Brighton fanden wir auf dem Pier etwas, von dem wir dachten, es wäre schon ausgestorben – eine Spielhölle für Kinder mit Attraktionen und Gewinnen, die auf deutschen Jahrmärkten wohl niemanden beeindrucken würden. Doch an diesem Sonntag in Brighton war die Halle voll von spielbegeisternden Kindern und Erwachsenen. Wir holten uns nur einen Kaffee, liefen die kilometerlange Strandpromenade entlang und erkundeten dann die kleinen Gässchen in der Innenstadt. Dort wimmelt es nur so von alten Plattenläden, Cafés und Kneipen. Und an jeder Fassade hängt irgendwo eine Regenbogenflagge. Uns war schnell klar, dass das nicht unser letzter Besuch in Brighton war. Schon in den wenigen Stunden, die wir dort verbracht haben, hat es uns diese Stadt nachhaltig angetan.

Autor: Noah   |  Rubrik: orientieren  |  May 6, 2019
Autor: Noah
Rubrik: orientieren
May 6, 2019

Gap Year

Letzte Chance

Habt ihr schon mal von „Last-Chance-Touristen“ gehört? Das sind Menschen, die die vermutlich letzte Chance nutzen, um einen Ort zu besuchen, der bald zerstört sein wird – beispielsweise durch den Klimawandel. Diese Art des Reisens ist natürlich überhaupt nicht nachhaltig und schadet dem betroffenen Ort häufig erst recht. Doch bei meiner letzten Reise fühlte ich mich selbst ein bisschen wie ein „Last Chance Tourist“, ich bin nämlich nach London geflogen. Aufgrund des immer noch anhaltenden Brexit-Chaos, wollte ich meine geliebte britische Hauptstadt noch einmal erkunden, bevor das Einreisen vielleicht verkompliziert wird. So schnappte ich mir eine genauso von London begeisterte Freundin und wir stiegen in den Flieger. Dort angekommen, waren wir schon gleich im Zug verzaubert von den typischen Backsteinhäusern, dem wunderschönen britischen Akzent und der weltbekannten Ansage „Mind the gap“ in den U-Bahnen von London. Gewohnt haben wir dieses Mal inmitten unseres Lieblingsviertels „Shoreditch“, das vor coolen Geschäften, süßen Frühstückslokalen und typisch englischen Pubs nur so wimmelt. So erfreute ich mich jeden Morgen an Pancakes mit geschlagener Sahne und abends meistens an dem unfassbar guten indischen Essen. Wir hatten uns viel vorgenommen für die drei Tage, so waren wir unter anderem im kostenlosen „Skygarden“, der sich im Stock 36 eines Hochhauses befindet und eine hervorragende Aussicht über ganz London bietet. Auch haben wir uns im Theaterviertel „West End“ das Musical Aladdin angeschaut, das bei uns alte Kindheitserinnerungen geweckt hat. Als ich wieder nach Deutschland kam, wurde ich hauptsächlich nach dem Wetter gefragt, denn während es in Deutschland wieder kalt wurde und es sogar geschneit hat, hatten wir in London 15 Grad und Sonnenschein. Gespannt verfolge ich nun täglich die Nachrichten vom Brexit und hoffe auf ein gutes Ende für beide Seiten, denn ich will London eigentlich nicht von meiner Evergreen-Reiseliste streichen.

Autor: Noah   |  Rubrik: orientieren  |  Apr 18, 2019
Autor: Noah
Rubrik: orientieren
Apr 18, 2019

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