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Bachelor live

Alain Delon

Nach mehreren Wochen der Freiheit ging das Semester wieder los. Als ich den Seminarraum betrat, in dem wir die folgende Woche verbringen sollten, war ich noch in Ferienstimmung. Dann stellte sich aber unser Gast-Dozent vor: Jean Perret – langjähriger Leiter des renommierten Dokumentarfilmfestivals Visions du Réel, Professor an der Filmhochschule in Genf und ein Mann voller Leidenschaft für den Film. Er sprühte nur so vor Inspiration. Sein Auftreten erinnerte mich an den französischen Filmstar Alain Delon. Im Seminar schauten wir Filmausschnitte an und besprachen sie. An sich nichts Ungewöhnliches an einer Filmhochschule, doch mit diesem Dozenten war es etwas anderes. Sein Blick auf Filme war so undogmatisch und feinfühlig: In jedem Film suchte er mit uns zusammen einen Moment der Wahrhaftigkeit und fand ihn manchmal in den großen ausschweifenden Gesten eines Demonstranten oder auch nur in einem Blatt, dass sich zittrig am Ast haltend im Wind drehte. Als er für einen Tag in die Schweiz zurück musste, gab er uns die Aufgabe Haikus zu drehen, japanische Kurzgedichte bestehend aus drei Zeilen. Filmisch übertragen sah das so aus, dass man drei Einstellungen drehte, die in ihrer Erscheinung etwas Poetisches aufweisen sollten. Jean Perret nannte es: eine Meditation in der Zeit. Das war eine schöne Aufgabe, da sie einen vollkommen ungezwungenen freien Blick auf die Umwelt zuließ und Intuition erforderte, ohne etwas zu verlangen.
Am letzten Abend dieser Woche sahen wir uns einen italienischen Film an und gingen danach noch in ein Lokal, wo uns der Dozent auf ein Bier einlud. Der Abend war so freundschaftlich und bodenständig, wie man ihn sich mit einem Dozenten kaum vorstellen kann. Beim Abschied waren wir dann auch alle etwas verliebt in unseren Alain Delon des Dokumentarfilms – auf künstlerischer Ebene natürlich.

 

Autor: Conny   |  Rubrik: orientieren  |  22.10.2018
Autor: Conny
Rubrik: orientieren
22.10.2018

Bachelor live

170 00 Praha 7

Seit Februar wohne ich im Norden Prags, in Prag 7, Postleitzahl 170 00. Was macht diesen Stadtteil so besonders? Warum möchte ich hier eigentlich gar nicht weg? Und was werde ich vermissen, wenn es nun doch soweit sein wird?

In Leipzig lebte ich im Norden der Stadt – in Gohlis. Während das eher einen Ruf als Spießer-Viertel hat, kann man dem Prager Viertel Letná, in dem ich seit Februar wohne, einen gewissen Szenecharakter nicht absprechen.

Aus meinem Fenster blicke ich auf die Straße Milady Horákové, eine der Hauptadern des Stadtteils. Wie also auch in Leipzig-Gohlis habe ich das Rattern der Straßenbahn direkt vor der Tür. Stundenlang könnte ich manchmal mit einem Kaffee am Fenster sitzen und dem Treiben zuschauen.

Ach, ich werde Prag 7 vermissen und kann es mir gar nicht vorstellen, hier nicht mehr zu wohnen. Der Blumenladen, der immer auf ein Schild schreibt, wer heute Namenstag hat, der Strossmayerplatz mit seinen vier Tram-Stationen und natürlich das rund um die Uhr geöffnete mexikanische Bistro mit den Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen einladen. Die Pizzabude in der Metro-Station Vltavská, die große, prächtige Kirche, „mein“ Späti, die vielen Cafés. Wie soll ich das alle nur hinter mir lassen? Ich werde wiederkommen, gewiss.

Zunächst aber muss ich umziehen. Von Prag 7 geht es nach Prag 1. Direkt auf die Kleinseite, in eine der traditionsreichsten Straßen Prags und mittlerweile sicher eine der touristischsten und besten Wohnlagen: In die Nerudova, wo mir im Rahmen meines Praktikums eine Wohnung gestellt wird. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet.

 

Bachelor live

Film studieren

Das Studium an der Filmhochschule unterscheidet sich sehr von dem an einer normalen Universität. Abgesehen von der Anzahl der Studierenden, die mit insgesamt 400 sehr überschaubar ist, gibt es bei uns nur wenige Module, in denen Vorlesungen stattfinden, stattdessen sind Seminare die Regel.
An der HFF München gibt es fünf Studiengänge, die man im Hauptfach studieren kann. Das sind Spielfilm, Dokumentarfilm, Film- und Fernsehproduktion, Drehbuch und Kamera. Dazu kommen noch Medienwissenschaften und Technik, die als Grundlagenfächer für die Studierenden aller Fachabteilungen verpflichtend sind. Hier gibt es sogar Tests und mündliche Prüfungen, was sonst nur selten vorkommt. Denn hier werden lediglich die kreativen Studienarbeiten bewertet. Medienwissenschaften umfasst vor allem Film- und Fernsehgeschichte, diverse Medientheorien und Filmanalyse, während Technik das theoretische wie praktische Erlernen von Kamera-,Ton-, Licht- und Fernsehtechnik beinhaltet.
An der HFF München schließen wir zudem mit einem künstlerischen Diplom, nicht mit einem Bachelor oder Master ab. Das war einer der wesentlichen Gründe, weshalb ich in München studieren wollte. Neun Semester am Stück studieren zu können, ohne sich nach drei Jahren nochmal bewerben zu müssen, finde ich für den Studienverlauf in einem künstlerischen Fach viel gewinnbringender. Ein kleiner Nachteil ist allerdings, dass das Vordiplom, das man nach fünf Semestern ablegt, nicht offiziell berufsqualifizierend ist. Ich muss also die neun Semester absolvieren. Im Grundstudium, welches fünf Semester umfasst, herrscht Anwesenheitspflicht. Erst ab dem Hauptstudium wird das etwas gelockert, auch kann man sich Module selbst zusammenstellen.
Insgesamt ist die HFF München für eine künstlerische Hochschule also recht streng und schulisch organisiert, ich finde, das bringt aber auch Vorteile.

Autor: Conny   |  Rubrik: studium  |  12.10.2018
Autor: Conny
Rubrik: studium
12.10.2018