Vollpension, Flur-Partys oder die eigenen vier Wände?
Der Nachwuchs hat das Abi in der Tasche, und auch die Zulassung für den Wunsch-Studienplatz ist möglicherweise schon ins Haus geflattert. Jetzt heißt es: ein neues Zuhause suchen. Oder doch lieber erstmal bei Mama und Papa wohnen bleiben? Studienanfänger haben mehrere Möglichkeiten, in der neuen oder manchmal auch alten Heimat unterzukommen.
Mehr als dreiviertel aller Studierenden zieht zum Studium von daheim aus.
Foto: KonzeptQuartier
Die Präferenzen der Studierenden sind eindeutig: Rund 40 Prozent von ihnen wohnen laut der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) und der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) von Juni 2007 allein oder mit einem Partner in einer eigenen Wohnung. Fast ein Viertel (24,9 Prozent) lebt in einer Wohngemeinschaft, und etwa 23 Prozent der Studierenden wohnen bei den Eltern - allerdings deutlich mehr Männer (26 Prozent) als Frauen (19 Prozent). Elf Prozent der Studis haben sich für die günstigste Wohnform, das Studentenwohnheim, entschieden und weniger als zwei Prozent wohnen zur Untermiete.
Bemerkenswert: In den Zahlen von 2007 zeigten sich die Bewohner des „Hotels Mama" am unzufriedensten mit ihrer Wohnsituation. Derzeit sammeln DSW und HIS Daten für die 19. Sozialerhebung, die 2010 veröffentlicht werden wird.
Die Entscheidung für die Wohnform hängt von verschiedenen Faktoren ab - Kostenfrage und geografische Umstände spielen eine ebenso große Rolle wie der eigene Charakter und persönliche Vorlieben. Studienanfänger sollten sich daher Zeit für die Entscheidung nehmen und mit den Eltern beispielsweise über den finanziellen Rahmen sprechen. Aber auch sonst gilt es abzuwägen, denn jede Wohnform hat ihre Vor- und Nachteile:
Wohngemeinschaft: Zusammen ist man weniger allein
Vorteile:
- Je nach Anzahl der Mitbewohner ist immer jemand da - zum Reden, Kochen, Lernen ...
- Relativ günstige Wohnform: 246 Euro* im Schnitt, Möbel sind meist zumindest teilweise schon vorhanden
- Soft Skills inklusive - das Zusammenwohnen erfordert und fördert Organisationstalent, Toleranz, Teamfähigkeit und Sozialkompetenz
- Neue Menschen und zahlreiche Kontakte über die Mitbewohner
Nachteile:
- Je nach Anzahl der Mitbewohner ist immer jemand da: Sich aus dem WG-Leben zurückzuziehen ist häufig schwierig, die Privatsphäre meist begrenzt
- Putzplan, WG-Kasse, Geschirrstapel - das Zusammenleben will organisiert sein, kostet häufig Nerven und verlangt Anpassungsfähigkeit und Kompromissbereitschaft
- Hohe Fluktuation: Die Mitbewohner wechseln meist häufig, Nachfolger müssen selbst gefunden werden
Surftipp: www.wg-gesucht.de
Studentenwohnheim: Günstig wohnen mit Anschluss
Vorteile:
- Alles kann, nichts muss: Je nach Laune freie Wahl zwischen Party auf dem Flur und Ruhe im eigenen Zimmer
- Günstigste Wohnform bei normalerweise guter Ausstattung (Möbel, Telefon, Fernseher etc.): 201 Euro* im Schnitt
- Einfache Organisation: Vergabe über die Studentenwerke, Bewerbung meist online möglich (www.studentenwerk.de)
- Gemeinschaftsangebote von Wohnheimkneipe bis Beachvolleyballfeld
Nachteile:
- Wenig Individualität: einfache, meist nicht mehr ganz neue Einheitsmöbel
- Viele Menschen auf engem Raum - kann zu Lärm und Chaos führen, Rücksicht ist gefragt
- Häufig Gemeinschaftsbad oder -küche und „Mitbewohner", die man sich nicht aussuchen kann
Eigene Wohnung: Freie Bahn ins Bad
Vorteile:
- Alles meins - sämtliche Zimmer können individuell eingerichtet und jederzeit genutzt werden
- Ruhe und Rückzugsmöglichkeit, beispielsweise in lernintensiven Phasen
- Selbstbestimmtheit: gekocht, geputzt, gewaschen wird nach den eigenen Regeln
Nachteile:
- Im Schnitt mit 316 Euro* die teuerste Wohnform, auch wer sich mit dem Partner zusammen eine eigene Wohnung nimmt, zahlt durchschnittlich rund 292 Euro*
- Aufwändiger Umzug: Eigene Möbel (manchmal auch neue Küche) und meist viel Papierkram und Organisation (Strom, Müll, Telefon...)
- Allein, allein: Nach dem gewohnten Familienleben kann die eigene Wohnung sehr leer erscheinen
Bei den Eltern: Rundum versorgt im Hotel Mama
Vorteile:
- Normalerweise weniger Hausarbeit - beim Putzen, Waschen und Einkaufen helfen die Eltern
- Ruhe und Rückzugsmöglichkeit, beispielsweise in lernintensiven Phasen
- Vertrautheit: Das gewohnte Umfeld, die alten Freunde bleiben im neuen Lebensabschnitt erhalten - und können ein Ausgleich sein
- Kostengünstige Lösung - je nach Absprache mit den „Hotelbesitzern"
Nachteile:
- Oft weiter Weg zur Hochschule: kosten- und zeitaufwändiges Pendeln
- Kein „richtiges" Studentenleben - meist nur eingeschränkte Teilnahme an Studi-Aktivitäten, Partys, spontanen Treffen etc.
- Das ewige Kind: Oft weniger Selbstständigkeit, dafür mehr „Kontrolle" durch die Eltern, alte Rollen bleiben trotz neuer Lebensumstände erhalten, was zu Konflikten führen kann
Zur Untermiete: Der „möblierte Herr" der Moderne
Vorteile:
- Kostengünstige Lösung: 234 Euro* im Schnitt
- Meist gut ausgestattet, keine eigenen Möbel nötig
- Sonderfall für Studis mit sozialer Ader: Knapper Wohnraum auf der einen und fehlende Betreuung für ältere Menschen auf der anderen Seite führen in vielen Großstädten zu einer neuen Form der Untermiete: „Wohnen für Hilfe". Der Studi zahlt lediglich die Nebenkosten und hilft für jeden Quadratmeter seines Zimmers eine Stunde pro Monat im Haushalt oder Garten. Mehr Infos gibt's unter http://www.wohnenfuerhilfe.info/
Nachteile:
- Einschränkungen: Gebots- und Verbotslisten, von der „kleinen Küchennutzung" bis zu begrenzter Besuchserlaubnis am Wochenende, kommen immer wieder vor
- Weniger Schutz durch das Mietrecht als bei „normalen" Mietverhältnissen
- Beiges Sofa zur orange-grünen Tapete: Stilistische Ausrutscher des Hauptmieters müssen in Kauf genommen werden.
* Laut 18. Sozialerhebung von DSW und IHS




