Jenseits der All-time-Favorites
Ein paar Fächer, Studienberufe und Ausbildungsgänge waren bei Abiturienten schon immer beliebter als andere — und in Zeiten der doppelten Abi-Jahrgänge werden sich hier vermutlich am schnellsten Engpässe ergeben: etwa bei den Ausbildungsstellen für verschiedene kaufmännische Berufe oder bei den Studienplätzen für BWL und Pädagogik. Daher ist es sinnvoll, sich rechtzeitig Alternativen zum Wunschfach zu überlegen.
Betriebswirtschaftslehre
Betriebswirtschaftslehre ist nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Wintersemester 2008/2009) sowohl bei weiblichen als auch männlichen Studierenden das beliebteste Studienfach. Eine technische Alternative:
Wirtschaftsingenieurwesen
Anja Speidel ist Projektingenieurin bei der Ingenics AG, einer Ulmer Unternehmensberatung, die sich auf Fabrikplanung spezialisiert hat und Industrieunternehmen bei der Einrichtung und Optimierung ihrer Produktionsstandorte berät. Die 25-Jährige begleitet für Daimler in Sindelfingen den Serienanlauf eines neuen Modells. An der Schnittstelle zu vielen Abteilungen und Zulieferern zu arbeiten, ist es eine große Herausforderung. „Ich muss strukturiert arbeiten, den Überblick behalten und entscheiden, was in welcher Reihenfolge gemacht werden muss.“
Ihr Studium hat Anja Speidel auf die fachlichen Hintergründe gut vorbereitet. Sie machte ihr Diplom als Wirtschaftsingenieurin an der Hochschule Ulm. „Wirtschaftsingenieurwesen ist abwechslungsreich, weil es BWL und Technik verbindet.“
Weitere Alternativen:
- Wirtschaftsinformatik / -mathematik
Eine Mischung aus BWL und Informatik bzw. Mathe
- Gesundheitsökonomie
Eine Mischung aus BWL und Medizin
- Logistik
Vermittelt werden mathematische und ingenieurwissenschaftliche Grundlagen, aber auch BWL und Recht
Bankkaufleute
Bankkaufleute führen laut Berufsbildungsbericht 2008 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die Liste der beliebtesten Ausbildungsberufe an und haben eine Abiturientenquote von über 60 Prozent. Eine abwechslungsreiche Alternative:
Verwaltungsfachangestellte
Daniel Szandrowski war während seiner Ausbildung in der Hamburger Verwaltung schon in so verschiedenen Bereichen wie der Personalentwicklung und dem IT-Service tätig. Mögliche weitere Einsatzgebiete sind beispielsweise die Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle, das Umweltamt, das Einwohnermeldeamt oder der Bereich Controlling. In dieser Vielfalt sieht der 20-Jährige auch einen wichtigen Unterschied zu einer „normalen“ Ausbildung: „Ich lerne viel mehr Themen- und Arbeitsbereiche kennen als es in einer spezialisierten Ausbildung der Fall ist.“
Die duale Ausbildung findet sowohl in den Behörden als auch in einer speziellen Berufsschule, der Verwaltungsschule in Hamburg statt. Dort stehen unter anderem die Fächer Personalwesen, Verwaltungsrecht, Politik, Rechnungswesen und privatrechtliches Handeln nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch im Vordergrund. Verwaltungsfachangestellte erledigen nämlich nicht nur Büro- und Verwaltungsaufgaben, sondern müssen sich in ihrem Berufsalltag häufig mit gesetzlichen Vorschriften und Gesetzestexten befassen.
Weitere Alternativen:
- Handelsassistenten
Eine Ausbildung speziell für Abiturienten, die Leitungsfunktionen im Einzelhandel übernehmen wollen
- Immobilienkaufleute
Sie sind bei Wohnungsbauunternehmen, aber auch bei Banken, Bausparkassen oder Versicherungen tätig.
- Sozialversicherungsfachangestellte
Der Ausbildungsberuf wird in fünf Fachrichtungen angeboten (allgemeine Krankenversicherung, knappschaftliche Sozialversicherung, landwirtschaftliche Sozialversicherung, gesetzliche Rentenversicherung, gesetzliche Unfallversicherung)
- Investmentfondkaufleute
Sie sind vorwiegend in Kreditinstituten und an Börsen beschäftigt.
Erziehungswissenschaft/Pädagogik
Erziehungswissenschaften/Pädagogik steht nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Wintersemester 2008/2009) besonders bei den weiblichen Studierenden hoch im Kurs, ähnlich ist es mit Sozialer Arbeit. Eine noch junge Alternative:
Early Education
Zuerst wollte Henning Rehm (21) Lehrer werden, doch ein freiwilliges soziales Jahr in einer Kindertagesstätte brachte ihn auf eine andere Spur. „Ich habe gemerkt, dass die Vorurteile gegen Erzieher und Erzieherinnen völlig falsch sind. Das sind keine ‚Kindergarten-Tanten', sie müssen fähige Pädagogen sein.“ Heute studiert er im dritten Semester Early Education an der Hochschule Neubrandenburg.
Ähnlich wie in der Erzieherausbildung ist die Männerquote in diesem Studiengang recht niedrig: Von den derzeit 41 Studierenden sind 35 weiblich. Neben fachlichen Modulen wie „Grundlagen der Frühpädagogik“ oder „Sozialisation - Lernen – Bildung“ stehen auch wissenschaftliches Arbeiten und Forschungsmethoden auf dem Belegungsplan. „Dieser wissenschaftliche Hintergrund ist natürlich ein Vorteil des Studiums gegenüber der klassischen Erzieherausbildung", ist sich Henning Rehm sicher.
Von seinem Studium erwartet sich Henning Rehm gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt: „Manche der Studierenden haben schon im sechsten Semester einen Arbeitsvertrag in der Tasche, obwohl sie noch gar nicht fertig sind. Absolventen von Early Education sind für die Besetzung von Erzieherstellen sehr gesucht.“
Weitere Alternativen:
- Andragogik
Masterstudium zur Erwachsenenpädagogik
- Bildungsforschung
Masterstudium im Bereich Erziehungswissenschaften
- Soziale Dienste der Jugend-, Familien- und Sozialhilfe
Die Absolventen arbeiten etwa in Jugend- oder Sozialämtern
- Psychologie
Bachelorstudium und Masterstudium mit verschiedenen Schwerpunkten möglich
Beliebte Studienfächer
Quelle: Statistisches Bundesamt: Deutsche und ausländische Studierende im Wintersemester 2008/2009 in den am stärksten besetzten Studienfächern




