"Wenn die Nachfrage steigt, steigt der Preis"
Immer mehr Hochschulen suchen sich ihre Studienanfänger mit sogenannten Auswahlverfahren selbst aus. Nach einer Recherche im Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sind bereits mehr als die Hälfte der Studiengänge zulassungsbeschränkt. Tendenz steigend, auch weil bis 2015 die Zahl der Studierenden stetig steigen wird.
Prinzipiell wird unterschieden zwischen örtlich zulassungsbeschränkten und bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen. Um ein bundesweit beschränktes Fach studieren zu können, muss sich der Abiturient online über www.hochschulstart.de, dahinter verbirgt sich die Nachfolgeeinrichtung der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS), bewerben.
Verschiedene Auswahlkriterien
Aber auch für die örtlichen NC-Fächer gibt es eine Bewerbungsmöglichkeit über hochschulstart.de. Im so genannten Service-Verfahren unterstützt hochschulstart.de die Hochschulen bei der Durchführung der örtlichen Auswahlverfahren. „Dieser Bereich wird ab dem Wintersemester 2011/12 stark zunehmen“, erläutert Bernhard Scheer, Pressesprecher von hochschulstart.de, „dann nämlich steht uns eine neue Software zur Verfügung, die die Bewerbung bei den einzelnen Hochschulen stärker koordinieren wird.“ Das bundesweite Auswahlverfahren gilt für die Fächer Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie. Die Auswahl läuft folgendermaßen: 20 Prozent der Studierenden werden über die Abiturbestenquote ermittelt. Diese Auswahlgrenzen werden häufig als Numerus clausus bezeichnet.
20 Prozent der Plätze werden über die Wartesemester vergeben. Als Wartesemester werden die Semester gezählt, in denen man nach dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung bereits hätte studieren können, es aber nicht getan hat.
60 Prozent können die Hochschulen mit eigenen Verfahren auswählen, wobei allerdings vorgeschrieben ist, dass der Abiturschnitt das wichtigste Kriterium bleiben muss. Möglich sind auch die Wertung einzelner Fächernoten, praktische Erfahrungen wie etwa eine abgeschlossene Ausbildung, Tests wie beispielsweise der Test für medizinische Studiengänge (TMS). Aber auch Motivationsschreiben und Auswahlgespräche können von den Hochschulen durchgeführt werden.
Auf die Frage, ob durch die steigenden Abiturientenzahlen die Auswahl härter wird, antwortet Bernhard Scheer: „Wenn die Nachfrage steigt, dann steigt der Preis.“ Was gemeint ist, ist klar: Je mehr Bewerber es gibt, desto höher wird die geforderte Durchschnittsnote. Beispiel Humanmedizin: Über die Zulassung in der Abiturbestenquote kamen bislang Bewerber mit einer Durchschnittsnote zwischen 1,0 und 1,2 zum Zug, auch bei der Zulassung über die 60-Prozent-Quote hatten Bewerber mit einem Einserschnitt klar die Nase vorn. Und auch die Möglichkeit, über eine Wartezeit einen der begehrten Studienplätze zu erreichen, ist ein Geduldsspiel: „In der Medizin ist die Wartezeit in den letzten Jahren stetig angewachsen. Zurzeit liegt sie bei sechs Jahren“, sagt Bernhard Scheer.
Gute Abiturnote ist wichtig
Bei den örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen ist ebenfalls die Abiturnote ein häufiges Auswahlkriterium. Zusätzlich setzen viele Hochschulen Tests ein, wie beispielsweise Sprachtests für die Einschreibung in einen Fremdsprachenstudiengang, führen Interviews oder verlangen Motivationsschreiben. Es gibt aber auch Fächer, für die keine Zugangsbeschränkung herrscht.
„Die steigende Zahl der Abiturienten führt nicht automatisch zu einer Verschärfung der Auswahlverfahren, da auch viele Angebote zulassungsfrei sein werden“, sagt Pascale Anja Dannenberg, Leiterin Kommunikation und Presse der Universität Erlangen-Nürnberg. „Wir erreichen unsere Ausbauziele zum Wintersemester 2011/12 und halten dann rund 8.000 Anfänger-Studienplätze bereit – in erster Linie für die Versorgung der Abiturienten und Abiturientinnen unseres Bundeslandes. Neue Studienplätze werden etwa geschaffen in den Bereichen Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Philosophie und Kulturwissenschaften sowie in den Sprach- und Literaturwissenschaften. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf dem Ausbau der Kapazitäten im MINT-Bereich, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Wir erwarten hier eine entsprechend höhere Nachfrage, da die MINT-Abschlüsse sich später am Arbeitsmarkt besonders gut verwerten lassen.“
Auf die Nachfrage nach Studienplätzen in den Stadtstaaten reagieren die Hochschulen mit Zulassungsbeschränkungen. So begrenzt die Freie Uni (FU) Berlin, der größten Universität der Hauptstadt, eine Begrenzung der Studierendenzahlen. Auch die Uni Hamburg hat – bis auf wenige Ausnahmen in sogenannten Orchideenfächern wie Koreanistik und Indologie –die Anzahl der Studienplätze begrenzt. Denn obwohl die Uni mit den zusätzlichen 1.455 Plätzen fast alle Fachbereiche, besonders aber die Lehrämter und die Geisteswissenschaften, ausbauen will, wird das Angebot die Nachfrage nicht befriedigen können. „Ich denke, dass die geforderten Durchschnittsnoten steigen werden“, meint Holger Fischer Vizepräsident für Studium und Lehre der Uni Hamburg.




