„Mir hat es Spaß gemacht, Bewerbungen zu schreiben“, erinnert sich Vanessa Kaiser. Die 20-Jährige absolviert gerade ein duales Studium beim Lebensmitteldiscounter Penny. Drei Jahre lang wechseln sich Theorieblöcke an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach am Standort Heilbronn, wo sie BWL studiert, mit Praxisphasen in Penny-Filialen rund um Heilbronn ab.
Schon neben der Schule hatte sie in einem Penny-Markt gearbeitet und gewusst, dass sie in den Handel will, am liebsten über ein duales Studium. Als es dann Anfang der zwölften Klasse ans Bewerben ging, hat Vanessa Kaiser etliche Unternehmen angeschrieben. Beworben hat sie sich meist ganz traditionell mit Mappe, wobei sie penibel darauf geachtet hat, dass ihre Texte keine Rechtschreibfehler enthielten.
Bei Penny hat sich Vanessa Kaiser direkt über den Online-Bewerbungsassistenten beworben. „Abgefragt wurden meine Personalien, meine Schullaufbahn und die Noten des letzten Zeugnisses, Hobbys und vor allem meine Motivation“, erklärt sie. Ihren großen Pluspunkt, die Erfahrung im Handel, hob sie im Feld für den freien Text besonders hervor, ebenso ihre Sprachkenntnisse in Englisch, Spanisch und Französisch. Zum Schluss hat sie noch das extra angefertigte Foto hochgeladen. Als die 20-Jährige schließlich zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, sollte sie eine halbstündige Präsentation halten, über sich selbst und ihre Erwartungen an den Beruf sprechen, dazu eine Analyse von Penny und seinen Wettbewerbern liefern. Darauf konnte sie sich jedoch vorbereiten.
Inzwischen hat Vanessa Kaiser das erste Jahr ihres dualen Studiums fast abgeschlossen und ist bereits Marktleiterin einer Filiale. Nach ihrem Abschluss kann sie Bezirksleiterin werden – oder auch ins Marketing, den Einkauf oder die Verwaltung der Kette wechseln.
Bewerbungsunterlagen müssen vollständig sein
Wer sich wie Vanessa Kaiser für ein duales Studium entscheidet, sollte die Bewerbungsfristen beachten. Teilweise beginnen die Auswahlverfahren bereits 18 Monate vor dem Studienbeginn (siehe auch „Wie bewerbe ich mich um einen dualen Studienplatz?“). Gleiches gilt übrigens für Ausbildungsplätze: Auch hier sollte man sich schon ein bis eineinhalb Jahre im Voraus bewerben. Ausbildungsbeginn ist meist der 1. August oder der 1. September eines Jahres, manchmal auch der 1. Februar.
Bei der Entscheidung für eine Ausbildungsstelle, ein duales Studium oder eine mögliche Stelle für den Berufseinstieg nach dem Studium helfen die Berufsberaterinnen und Berufsberater der örtlichen Agenturen für Arbeit weiter. Sie informieren bei Orientierungsveranstaltungen, bieten spezielle Bewerbungscoachings an und checken auf Wunsch auch die Bewerbungsunterlagen. Ausführliche Informationen über (Ausbildungs-)Berufe findest du etwa auch hier im abi>> Portal, im BERUFENET oder in den Berufsinformationszentren der Arbeitsagenturen.
Was auf jeden Fall in eine Bewerbungsmappe gehört – egal, um welche Art von Stelle es sich handelt –, sind Anschreiben, Lebenslauf (siehe auch „Zeigen, wer man ist“), die Kopie des letzten Schulzeugnisses sowie weitere Zeugnisse oder Nachweise, etwa aus Praktika, Kursen oder Freiwilligen Diensten. Wer möchte, kann darüber hinaus ein Deckblatt mit Foto gestalten. „Bewerber sollten stets darauf achten, dass sie ihre Unterlagen sorgfältig erstellen und vollständig abschicken“, sagt Burkhard Venz, Leiter des Teams akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Leipzig. Dabei muss man übrigens nicht mit möglichst teuren Unterlagen glänzen, sondern sollte etwas Praktisches und Ansprechendes wählen, das eventuell sogar wiederverwendet werden kann.
Der wichtigste Punkt im Anschreiben (siehe auch „Der erste Text, der überzeugen muss“): „Die Bewerber sollen darstellen, warum sie sich für diesen Beruf entschieden haben und warum sie im betreffenden Unternehmen arbeiten wollen“, erklärt der Berufsberater. „Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass es beliebig ist.“ Außerdem rät er, den Namen des Ansprechpartners telefonisch zu erfragen, sollte er nicht bekannt sein. Gerade bei kleineren Unternehmen kann es auch eine Alternative sein, persönlich vorbeizugehen. Ein generelles Muster mag Burkhard Venz gar nicht empfehlen: „Bei den Informatikern kann es auch mal vorkommen, dass ein Arbeitsverhältnis per Handschlag vereinbart wird. Und Architekten oder Designer kommen mit der Mappe unterm Arm.“
Passende Stellen können dir die Berufsberater ebenfalls vorschlagen. Allerdings kannst du dich auch selbst auf die Suche machen. Eine sehr gute Anlaufstelle ist die JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit. „Hier findet jede Zielgruppe Angebote“, sagt Burkhard Venz, „Ausbildungsplätze sowie Praktikums-, Trainee- und Berufseinsteigerstellen.“ Darüber hinaus können Bewerber bei der JOBBÖRSE ihr persönliches Profil hochladen, damit Arbeitgeber sie kontaktieren können. Ein besonderes Feature ist der Bewerbungsmanager. „Damit können Abiturienten, Studierende oder Berufseinsteiger direkt nach ihrer Registrierung ihr Anschreiben, ihren Lebenslauf sowie Zeugnisse und Nachweise hochladen und ganz einfach eine komplette Bewerbungsmappe erstellen“, erläutert der Berufsberater.
Dritte Seite?
In den USA ist es üblich, dem Bewerbungsschreiben eine dritte Seite beizulegen, und auch hierzulande wird sie von manchen Bewerbungsratgebern empfohlen. Unter dem Motto „meine Vision“ beschreiben sich Bewerber als Person, schildern Interessen und Wünsche. Nötig ist dies nicht. Aber bei der Deutschen Telekom beispielsweise kommt diese dritte Seite gut an. Das Unternehmen möchte Bewerber genau kennenlernen. Noten und Fähigkeiten sind wichtig, aber nicht das
alleinige Auswahlkriterium. „Wir suchen Talente, keine Abschlüsse“, sagt Marc-Stefan Brodbeck, Leiter des Recruiting und Talent-Service der Telekom. Auch Brüche im Lebenslauf, die es „heute mehr als früher gibt“ seien kein Makel. „Für uns ist entscheidend, wie jemand es geschafft hat, so einen Bruch zu bewältigen.“ Das Bewerben macht das Unternehmen den Bewerbern so leicht wie möglich. Per Mail, Online, über Facebook und App oder mit dem eigenen Xing-Profil – alles ist möglich. Initiativbewerbungen (siehe auch „Eigeninitiative macht sich gut!“) sind erwünscht, die Chancen bei ausgeschriebenen Stellen aber vielfach höher – auch weil die Bewerber ihr Profil darauf ausrichten können.
Foto nicht mehr zwingend
Der Bewerbung ein Foto beizulegen, ist heute übrigens keine Pflicht mehr. Laut Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das 2006 in Kraft getreten ist, sind umfangreiche Angaben zur eigenen Person – etwa Familienstand, Alter, Herkunft sowie ein Bewerbungsfoto – nicht mehr zwingend erforderlich, jedoch nach wie vor von vielen Unternehmen gerne gesehen. In Ländern wie Großbritannien, den USA oder Belgien sind anonymisierte Bewerbungsverfahren längst Standard, um Benachteiligungen auszuschließen.
In Deutschland läuft aktuell der Pilotversuch „Anonymisierte Bewerbungsverfahren“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), an dem sich acht Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber beteiligen – unter anderem die Deutsche Telekom, L’Oréal, Procter & Gamble, die Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit oder die Stadtverwaltung Celle. In einem ersten Schritt verzichten die Arbeitgeber auf die Nennung von Name, Geschlecht, Alter, Herkunft oder Familienstand. Insgesamt ein Jahr lang testen die teilnehmenden Betriebe und Einrichtungen das neue Verfahren. „Man lässt sich nicht ablenken von verpixelten Fotos oder einer besonders schönen Mappe“, resümiert Jockel Birkholz, Fachdienstleister Personal für die Stadtverwaltung Celle. Der Versuch habe das Nachdenken über Leistung und Eignung angeregt und gilt als so positiv, dass Celle nun auch seine Azubis für 2012 über anonymisierte Bewerbungen suchen will. Auch eine Zwischenbilanz vom Juni 2011 meldet Positives: Im vergangenen halben Jahr wurden bei den Teilnehmern bereits über 4.000 Bewerbungen anonymisiert bearbeitet. Davon wurden über 100 Stellen über das anonymisierte Verfahren besetzt.







