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Sabbaticals

Eine Pause machen

Eine Auszeit vom Job nehmen: Eine Weltreise machen, Abenteuer erleben, sich weiterbilden oder auch Zeit für die Familie haben. All das sind Träume, die Menschen mithilfe von Sabbaticals verwirklichen können.

Liegestuhl am Strand

Viele nutzen ein Sabbatical, um richtig auszuspannen.

Foto: WillmyCC

Sascha Domke (33) arbeitet als Bankkaufmann bei der Deutschen Bank in Berlin. Im Urlaub in Australien kam er auf die Idee, eine Weltreise zu unternehmen. Aber mit seinem normalen Jahresurlaub wäre eine solch lange Reise nicht möglich gewesen und so kam der Angestellte auf die Idee, ein Sabbatical einzulegen.

Reisen, studieren oder erholen?

Der Begriff Sabbatical wurde schon im Alten Testament verwendet. Damals war das einjährige Ruhen des Feldes nach sechs Jahren der Bewirtschaftung gemeint. Heutzutage wird damit ein Langzeiturlaub bezeichnet, der es Arbeitnehmern ermöglicht, private Projekte zu realisieren, die einer längeren Freistellung bedürfen. Viele Arbeitgeber sind im Rahmen ihrer sozialen Verantwortung darauf bedacht, sich um die Bedürfnisse – auch denen nach längeren Auszeiten – ihrer Angestellten zu kümmern. Wie die Menschen eine Auszeit nutzen, ist dabei sehr unterschiedlich. Ein großer Teil der Auszeitnehmer macht eine Weiterbildung oder auch ein Masterstudium. Andere reisen, bauen ein Haus oder pflegen Angehörige. Auch für Umorientierungsphasen oder als Erholungszeit, etwa bei einem Burn-out-Syndrom, kann die Auszeit genutzt werden.

Sascha Domke hat das Glück, bei einem Unternehmen zu arbeiten, dass den so genannten Zeitwertkontenmodellen positiv gegenüber steht. Arbeitszeitkonten werden dafür genutzt, dass Mitarbeiter entweder Arbeitsentgelt oder Arbeitszeit ansparen, um damit eine bezahlte Freistellung zu finanzieren. Die Ausgestaltung und Führung von Arbeitszeitkonten wurde im Rahmen der Novellierung des Gesetzes zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen (Flexi-Gesetz) zum ersten Januar 2009 normiert. Mit diesem „Flexi II-Gesetz“ ist die Grundlage geschaffen worden, Arbeitszeitguthaben besser gegen eine Insolvenz des Unternehmens zu schützen. „Das ‚Flexi II-Gesetz’ regelt die Freistellungsphase, also dass die Kranken- und Rentenversicherung weitergezahlt sowie das Gehalt, beziehungsweise ein bestimmter Betrag weitergezahlt wird“, erklärt Marc Danlowski vom Zeitbüro NRW.

Bankkaufmann Sascha Domke

Sascha Domke ist Angestellter bei der Deutschen Bank.

Foto: privat

Bei der Deutschen Bank wurde bereits 2001 ein Zeitwertkontenmodell ins Leben gerufen. Mit „db Zeitinvest“ spart der Arbeitnehmer über einen beliebigen Zeitraum entweder einen Teil seines Gehalts oder seines Urlaubs an. Dieses Guthaben kann später als Freizeit entnommen werden. Sascha Domke hat das genau so gemacht: Über einen Zeitraum von vier Jahren sparte der 33-Jährige zwanzig Prozent seines Gehalts an, das heißt, dass er in dieser Zeit nur achtzig Prozent seines Lohns bekam. Das fünfte Jahr nahm er seine Auszeit und wurde von der Arbeit freigestellt, bezog aber immer noch achtzig Prozent seines Gehalts.

Im April 2007 war das erste Ziel seiner Weltreise die Hauptstadt Chiles, Santiago de Chile. Im Anschluss reiste er durch Südamerika, Asien und Australien. Er beschritt den Inka-Trail in Peru, besuchte die kulturellen Highlights Südamerikas und reiste durch den Westen Australiens, den er noch gar nicht kannte. Sieben Monate verwirklichte er sich seinen Traum von einer Weltreise und kehrte glücklich von seinem Trip zurück.

Solche Reisen bieten auch eine gute Möglichkeit für Schüler, Wartezeiten zwischen Abitur und beispielsweise Studienbeginn zu überbrücken. Aber auch Freiwillige Soziale Jahre im In- und Ausland, Au-pair-Aufenthalte, einen Sprachkurs oder ein Praktikum werden genutzt, um den eigenen Horizont zu erweitern und Erfahrungen zu sammeln.

Neue Lebensfreude und Motivation

Einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical hat man allerdings nicht und deshalb müssen die Regelungen mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden. Je nach Arbeitgeber gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine Auszeit umzusetzen. Einige Unternehmen haben zum Beispiel so genannte Arbeitszeitkonten, auf denen man Zeit entweder durch Überstunden, nicht in Anspruch genommenen Urlaub oder Gehaltsverzicht ansparen kann. Auch die Möglichkeit, ein Jahr lang nur einen gewissen Prozentsatz seines Gehalts, beispielsweise 75 Prozent, zu bekommen, dann aber im Ausgleich dafür drei Monate frei zu nehmen, besteht. In diesen Monaten bekommt man sein Gehalt weitergezahlt.

Viele Beamte und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst können sich auf Betriebs- beziehungsweise Dienstvereinbarungen berufen, die eine solche Freistellung regeln. Grundlage ist hier auch das Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen (Flexi-Gesetz) sowie das bestehende Arbeitszeitskonto, wie es im Tarifvertrag des öffentlichen Diensts (TVöD) geregelt wird. Ob die Auszeit genehmigt wird, hängt davon ab, ob dienstliche Belange dagegensprechen. Das kann beispielsweise ein geringer Personalstand sein.

Die Studie „Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die im April dieses Jahres veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Bereitschaft der Unternehmen, Sabbaticals anzubieten, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Waren 2003 lediglich 4,1 Prozent der Unternehmen bereit, solche Auszeiten durch Vorarbeiten oder Gehaltsreduktion zu ermöglichen, sind es 2009 schon 16,1 Prozent gewesen. Der Trend ist zwar positiv, aber in absoluten Zahlen betrachtet, sind es noch immer relativ wenig Unternehmen, die ihren Angestellten Auszeiten offerieren. Dazu Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW): „Bei vielen Unternehmen werden Sabbaticals aus dem Grund nicht angeboten, da sie durch die Mitarbeiter einfach nicht nachgefragt wurden.“ Bei der Deutschen Bank nahmen zum Beispiel in den vergangenen zwölf Monaten 400 Mitarbeiter ein Sabbatical.

Durch Auszeiten erlangen Angestellte neue Lebensfreude und neue Motivation. Unternehmen wie die Deutsche Bank sehen es als Bestandteil moderner Arbeitsgestaltung, ihren Angestellten so etwas zu ermöglichen. „Es ist gut zu wissen, dass mein Arbeitgeber eine so große Flexibilität hat. Ich kann eine solche Auszeit nur jedem empfehlen und erwäge auch selbst, so etwas noch einmal zu machen“, sagt Sascha Domke.

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